Der Saarwald und die Borkenkäfer

Der saarländische Wald soll borkenkäfersicher werden : Pläne für die „grüne Lunge unseres Saarlands“

Der Borkenkäfer frisst sich durch den Saar-Fichtenwald. Umweltminister Reinhold Jost (SPD) will sich dem Krabbler in den Weg stellen und hat auch weitere Pläne.

„Wir haben im Saarland den Wald, den andere sich wünschen.“ Ohne die aktuelle Borkenkäferplage und das durch zwei dramatisch trockene Sommer verursachte Baumsterben zu verharmlosen, sieht Saarlands Umweltminister Reinhold Jost (SPD) selbst in diesen weitgehend dem Klimawechsel geschuldeten negativen Folgen auch eine Chance, die ehemaligen Nadelbaum-Reinbestände durch gezielte Naturverjüngung in zukunftssichere  Mischwälder umzubauen. Dabei hat er Michael Klein, den Vorsitzenden des saarländischen Waldbesitzerverbandes, an seiner Seite. Beide beklagen im SZ-Gespräch Versuche von außerhalb, einen Keil zwischen Naturschutz und Waldnutzung zu treiben. Klein: „Dabei handelt es sich hierbei um die zwei Seiten einer Medaille.

Klein erklärt, dass allein in den Jahren 2018 und 2019 bundesweit etwa 180 000 Hektar Wald (doppelte Waldfläche des Saarlandes) vertrocknet oder irreversibel geschädigt seien. „Betroffen sind fast alle Baumarten, vor allem jedoch die Fichte und neuerdings sogar die Buche.“ Dabei seien an die 90 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen bei einem regulären Jahreseinschlag in Deutschland von rund 60 Millionen Kubikmetern. Der Waldbesitzer spricht von einem „volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von etwa fünf Milliarden Euro“.

Diese Zahlen bestätigt der Minister, fügt aber hinzu: „Bei uns im Saarland haben wir bereits vor 30 Jahren als erstes Bundesland die naturnahe Waldwirtschaft eingeführt.“ Ohne Chemieeinsatz, ohne Kahlschläge und unter ständiger Erhöhung des Laubwaldanteils liege dieser an der Saar bereits bei 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Dass dabei Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gingen, dokumentiere der „Masterplan für den saarländischen Wald“, der aus der jüngsten Staatswaldinventur im vergangenen Jahr resultiere.

„Damit reagieren wir auch auf die aktuelle Borkenkäferkalamität“, wie Jost es formuliert. Laut Schätzungen könnten dieser Plage in den nächsten Jahren 300 Hektar Staatswald zum Opfer fallen. Dem wolle das Umweltministerium mit Naturverjüngung und dem Pflanzen von Jungpflanzen Rechnung tragen, wobei zur Erhaltung eines angemessenen Nadelwaldanteils im Mischwald zukünftig vornehmlich Weißtannen und andere klimaresistente heimische Nadelbaumarten die Lücken schließen sollen. Ferner wolle man im Staatswald den Holzvorrat von 350 auf 400 Kubikmeter pro Hektar erhöhen. Jost: „Damit verzichten wir zwar auf zusätzliche Einnahmen, leisten dafür aber einen deutlich höheren Beitrag zu Ökologie und Biodiversität, was gleichzeitig die CO2-Speicherleistung unseres Waldes erhöht.“

Unterm Strich sei so der Wald im Saarland von 88 000 Hektar (1990) auf aktuell 93 000 Hektar gewachsen. „Mit dieser nachhaltigen Waldbewirtschaftung wachsen unsere Wälder flächenmäßig und damit zugleich die Holzvorräte volumenmäßig“, resümiert Jost. Waldbesitzer Klein erinnert daran, dass das Saarland zu rund einem Drittel mit Wald bedeckt sei. Was kaum einer wisse: „Rund 30 Prozent dieser Waldfläche sind Privatwald, der Rest befindet sich im öffentlichen Eigentum (Kommunal- und Staatswald). Knapp 27 000 Hektar Privatwald verteilen sich auf insgesamt rund 40 000 Waldbesitzer. Lässt man bei dieser Betrachtung den etwas größeren Privatwaldbesitz (ab 100 Hektar) außer Acht, entfallen auf jeden Eigentümer weniger als 5000 Quadratmeter Wald. Diese Zahl macht deutlich, dass es sich im Saarland um einen breit gestreuten Klein- und Kleinstbesitz handelt.“ In ihrer Gesamtheit würden die vorhandenen Waldflächen in Deutschland immerhin so viel CO2 binden, wie der gesamte bundesdeutsche Straßenverkehr jährlich in die Luft bläst.

Gerade angesichts der Besitzverhältnisse (Staatswald 38 000 Hektar, Gemeindewald 28 000 Hektar und Privatwald 27 000 Hektar) sei die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Saar mit Michael Klein als stellvertretendem Vorsitzenden dankbar für die gute Zusammenarbeit mit Umweltministerium und Saarforst, der für die Beratung der FBG-Mitglieder drei Forstfachleute zur kostenlosen Beratung abstellt.

Michael Klein, Vorsitzender des saarländischen Waldbesitzerverbands (l.) und Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD). Foto: Dieter Ackermann

Mit einem jährlichen Nutzungspotenzial von 300 000 Festmetern Holz sichere das Saarland, so Klein, über alle Waldbesitzarten hinweg aktuell etwa 3000 Arbeitsplätze. Dies könne aber auch und gerade angesichts der heutigen, oft dem Klimawechsel geschuldeten Probleme nur dann auf Dauer funktionieren, wenn sich die nachhaltige Waldnutzung mit ihren ökologischen wie ökonomischen Ansprüchen nicht von einem falsch verstandenen Naturschutz in Frage stellen lasse. Dem fügte der Minister hinzu: „Unser Bürgerwald ist als Hotspot der Biodiversität auch die wertgeschätzte grüne Lunge unseres Saarlandes.“

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