Der Reichtum des Wortschatzes

Der Reichtum des Wortschatzes

Ich habe viel hinzugelernt. Diese Woche während des ersten großen Grillabends des Jahres in meiner Straße. Jetzt weiß ich, worüber sich meine Nachbarinnen stundenlang unterhalten können. Auch wenn ich längst der Überzeugung bin, alle Aspekte eines Themas seien abgehandelt. Die ersten anderthalb Stunden: Haartracht

Ich habe viel hinzugelernt. Diese Woche während des ersten großen Grillabends des Jahres in meiner Straße. Jetzt weiß ich, worüber sich meine Nachbarinnen stundenlang unterhalten können. Auch wenn ich längst der Überzeugung bin, alle Aspekte eines Themas seien abgehandelt. Die ersten anderthalb Stunden: Haartracht. Mir war bisher nicht klar, in welch schier unüberschaubaren Nuancen Damen sie beschreiben können. Trotz der Ausdrucksvielfalt fiel der Begriff "pfiffig" gefühlte 500 Mal. Ihn werde ich ganz gewiss aus meinem Sprachjargon streichen. Denn nach genauer Studie der Frauengespräche weiß ich: "Pfiffig" beschreibt in aller Regel die stufige Kurzhaarfrisur mit ins Gesicht gekämmten Fransen, an denen Friseure die komplette Farbpalette ihres Chemiekastens ausprobiert haben. Dazu eine stylische Sehhilfe mit feuerrotem Rahmen, der in der Breite einer Hornbrille aus den 60ern ähnelt. Dies trauen sich Frauen zwischen 20 und 66 und nennen es also "pfiffig" - macht's aber auch nicht besser. Thema Nummer zwei: die wöchentlich in den Briefkasten schwappende Broschürenflut bundesweit tätiger Discounter. Meine Gästinnen gingen auf jedes erdenkliche Sonderangebot ein. Auf jedes! Geschlagene zweieinhalb Stunden. Ich vergaß zu erwähnen, dass die Wurfsendung aus lediglich einem beidseitig bedruckten Din-A-4-Blatt bestand.