1. Saarland

Der Osthafen zwischen Hoffen und Bangen

Der Osthafen zwischen Hoffen und Bangen

Saarbrücken. Friedlich lag er vor wenigen Tagen noch im Nebel, der Saarbrücker Osthafen. Die pulsierende Innenstadt fern und doch so nah, ein scheinbar vergessener Ort

Saarbrücken. Friedlich lag er vor wenigen Tagen noch im Nebel, der Saarbrücker Osthafen. Die pulsierende Innenstadt fern und doch so nah, ein scheinbar vergessener Ort. Auch ein Ort, an dem bald ein Konflikt ausgetragen wird zwischen Menschen, die offenbar sehr unterschiedliche Auffassungen von Stadtentwicklung haben?Im städtischen Baudezernat wird über eine Entwicklung des Osthafens nachgedacht. Keiner weiß zwar so genau, welche Gedanken dort kursieren, aber es hat sich bereits eine Initiative gegründet, die das Gegenteil von Entwicklung fordert: "Der Osthafen soll so bleiben, wie er ist!" Entstanden ist die Initiative aus Menschen, die sich im und vor dem Silo am Osthafen treffen. Dort organisiert Wilfried Voigt in seiner Kneipe unter anderem Konzerte und Ausstellungen. "Das Silo war, ist und soll ein Ort bleiben, an dem sich diejenigen treffen, die weniger auf Putz als auf eine angenehme Atmosphäre unter netten Leuten Wert legen", heißt es auf der Facebook-Internetseite der Gruppe. 615 Menschen haben auf der Seite mitgeteilt, dass ihnen das gefällt.

Dass Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer jetzt davon spreche, im Osthafen endlich etwas zu tun, sei schon merkwürdig, sagt Voigt. Hier tue sich nämlich schon eine ganze Weile etwas: "Hier kommen regelmäßig hundert Leute her." Der Platz sei genial für Musik, weil hier keine Anwohner gestört werden können, erklärt Voigt. "Ein Menschenbiotop" sei hier entstanden - und das solle man schützen, nicht verplanen. Es sei natürlich "das gute Recht der Stadt", der das ehemalige Rhenania-Gebäude im Osthafen gehört, zu planen, sagt Voigt. Dass er davon aus einer Boulevardzeitung erfahren habe und da dann auch noch vom "Schandfleck" Osthafen die Rede war, sei allerdings kein guter Stil.

Facebook und Konzerte vor ehemaligen Silos - das ist nicht die Welt von Rena Wandel-Hoefer. Aber sie sei sich mit allen, die im und am Osthafen Eigentum haben, einig, dass aus dem Osthafen mehr gemacht werden soll, als dort bisher ist. Auch mit dem Besitzer des Silos, in dem Voigt seine Kneipe betreibt, sei man im Gespräch. Sie selbst habe "nicht von einem Schandfleck Osthafen gesprochen", versichert die Dezernentin. Und einen fertigen Plan gebe es auch nicht. Sie wolle im Dialog mit allen Beteiligten an der Osthafen-Entwicklung arbeiten, auch mit den Silo-Leuten.

Jetzt gehe es erstmal darum, "die Umweltprobleme zu lösen". Die "Thea", eines der alten Saarschiffe, die im Osthafenbecken liegen, gehört inzwischen der Stadt und wird in den kommenden Wochen aus dem Wasser geholt. Die rosafarbene Erna soll bald folgen. Die Stadt prozessiert gerade gegen den Eigentümer. Mit einem Urteil wird für Mitte Dezember gerechnet. Auch ein altes Schiffchen, dass am Kai steht, soll weg - aus Sicherheitsgründen. Die Suche nach dem Eigentümer läuft. Wird er nicht gefunden, wird das Schiff Ende des Jahres verschrottet.

Das Hafenbecken selbst soll größer werden. Was mit dem großen Gebäude wird, sei offen, sagt Wandel-Hoefer. Es habe Kaufangebote gegeben - einer wollte "schicke Lofts", ein anderer ein Lager einrichten. "Beides wollen wir nicht", erklärt die Dezernentin. Sie kann sich vorstellen, dass dort Räume "für die Kreativwirtschaft" entstehen, womit sie ausdrücklich "nicht nur Mega-Werbeagenturen" meine. Da passe das Silo als Kulturort "mit besonderer Atmosphäre" gut dazu. Wie das Kulturzentrum am Eurobahnhof der Entwicklung des Quartiers dort gut getan habe, so könne das Silo der Entwicklung des Osthafens gut tun.

 Dieses Schiff soll bald verschrottet oder verschenkt werden.
Dieses Schiff soll bald verschrottet oder verschenkt werden.
 Hier, wo im Sommer die Silo-Gäste sitzen, soll ein neuer Radweg verlaufen.
Hier, wo im Sommer die Silo-Gäste sitzen, soll ein neuer Radweg verlaufen.
 Wilfried Voigt, der Betreiber des Silos, ist sauer auf die Baudezernentin.
Wilfried Voigt, der Betreiber des Silos, ist sauer auf die Baudezernentin.

Ralph Tiné, der Mann, der die Internetseite der Silo-Retter organisiert, bleibt skeptisch, räumt aber ein: Man sei nicht gegen jede Veränderung. Man habe das nur zugespitzt, "weil man ja auf die Pauke hauen muss, wenn man so eine Kampagne startet".