Der neue Trierer Stadtschreiber ist ein Primstaler

Der neue Trierer Stadtschreiber ist ein Primstaler

Bunt und reichhaltig, interessant und beispielgebend ist das, was viele Bürger im Landkreis St. Wendel tun. In der Serie "Menschen unserer Heimat" stellt die SZ heute Frank Meyer, den neuen Trierer Stadtschreiber aus Primstal vor.

Primstal. Beim dritten Mal ist alles anders. Der Verein Stadtschreiber Trier, der jeweils im Abstand mehrerer Jahre die Funktion eines kommunalen literarischen Lebensabschnittsgefährten vergibt, hat seinem neuen Amtsträger einen idealen Start verschafft. Zum Kreis der etwa 60 Besucher im Kreuzgang des Doms gehören Kulturdezernenten und Unipräsidenten, Chefdramaturgen und Stadträte - kurzum: es gibt jene Aufmerksamkeit der örtlichen Szene, die frühere Stadtschreiber oft vermissten. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass der Neue offensichtlich ein witziger Schreiber, ein punktgenauer Beobachter und ein augenzwinkernder Menschenfreund ist. Es liegt auch daran, dass der Stadtschreiber-Verein diesmal bei der Kür ein transparentes Verfahren gewählt hat. Frank Meyer aus Primstal setzte sich gegen drei profilierte Mitbewerber durch, hatte einige Monate Vorlaufzeit und kann nun wohlvorbereitet starten.Ein halbes Jahr wird er sein Heim in Primstal gegen eine Stadtschreiber-Wohnung im Schatten des Trierer Doms tauschen - in den ersten Wochen mit Blick auf die pulsierenden Pilgerströme, die auf Einlass beim Heiligen Rock warten.

Das ist kein Zufall: Das Bistum stellt als Sponsor die Wohnung und beteiligt sich an den Kosten für das Stipendium. Reich kann man als Stadtschreiber übrigens nicht werden - höchstens an Erfahrung. Aber dafür hat man sechs Monate Zeit, sich in Ruhe literarisch zu betätigen. Meyer will eine regelmäßige Kolumne beim Internet-Stadtmagazin 16vor einrichten, aber auch an seinem nächsten Buch schreiben. Und natürlich wird er Schreibwerkstätten anbieten, vor allem in Trierer Schulen. Seinen Halbtagsjob als Lehrbeauftragter an der Trierer Uni wird er wohl ruhen lassen müssen. Jedenfalls, wenn es nach dem Interesse geht, das ihm bei seiner Amtseinführung entgegenschlägt. Er könnte locker eine Visitenkartensammlung anlegen, bei all den Einladungen zu Gesprächen und Besuchen. Die könnten wiederum Stoff für seine Geschichten aus dem Leben liefern. "Fabulierlust" attestiert ihm seine Vorgängerin Frauke Birtsch. Was der so Gelobte mit einer überaus unterhaltsamen Lesung aus seinem letzten Buch unterstreicht, zur sichtlichen Freude von Kulturdezernent Thomas Egger und Moderator Christian Jöricke. Die drei kleinen Klarinettistinnen von der Musikschule blasen französische Volksweisen, es wird Wein und Brot gereicht. Eine fast frankophile Leichtigkeit macht sich breit. Wäre schön, wenn Meyer sie in den nächsten sechs Monaten erhalten könnte.

Hintergrund

Erster Trierer Stadtschreiber war 2007 der Berliner Poet Rajvinder Singh. Frauke Birtsch amtierte 2009 als Stadtschreiberin für die vier Quattropole-Städte. Bundesweit gibt es in etwa 20 Kommunen die Einrichtung eines auf Zeit mit Wohnung und Stipendium ausgestatteten Literaten. Die bekanntesten residieren in Mainz und Bergen-Enkheim. Oft beschäftigen sie sich in literarischen Werken mit dem Ort ihres Aufenthalts. dil