1. Saarland

Der Malocher der Malstatter

Der Malocher der Malstatter

Primsweiler. Michael Müllers Arbeitskleidung ist blau. Und nach dem Einsatz ist sein Dress oft schmutzig. Anders als bei den meisten Fußballern des Oberligisten 1. FC Saarbrücken in der Vergangenheit hat der 20-Jährige nicht nur seinen Job als Fußballer, sondern steht noch im regulären Arbeitsleben

Primsweiler. Michael Müllers Arbeitskleidung ist blau. Und nach dem Einsatz ist sein Dress oft schmutzig. Anders als bei den meisten Fußballern des Oberligisten 1. FC Saarbrücken in der Vergangenheit hat der 20-Jährige nicht nur seinen Job als Fußballer, sondern steht noch im regulären Arbeitsleben. Nach seiner Ausbildung bei den Ford-Werken in Saarlouis steht der Energie-Anlagen-Elektroniker im so genannten Rohbau an der Produktionslinie. "Dort werden die Karossen zusammengeschweißt. Ich schaue unter anderem, ob bei den Robotern alles läuft", sagt Müller, der seit anderthalb Jahren Dauer-Nachtschicht hat. Diesen Dienst hat er bewusst gewählt, um beim FCS nachmittags trainieren zu können. "Man hat so gut wie keine Freizeit. Ich arbeite von 22 Uhr bis sechs Uhr morgens, schlafe dann bis halb zwei und esse etwas. Um 16 Uhr ist Training, danach geht's kurz auf die Couch, ehe wieder die Arbeit ruft", umreißt der Primsweilerer seinen anstrengenden Tag. "Das geht aber. Es ist Gewohnheitssache, auch wenn es körperlich anstrengend ist. Die Ausdauer ist kein Problem, auch wenn die anderen Spieler zwei Mal trainieren und ich nur ein Mal. Wenn wir nachmittags spielen, versuche ich vorm Spiel noch zwei, drei Stunden zu schlafen", berichtet Müller, der trotz aller Anstrengungen immer genug Kraft auf dem Platz hat. Auch dort ist er ein Malocher. "Michael ist ein sehr kämpferischer Spielertyp, der für Mannschaft und Verein alles gibt. Er betreibt einen hohen Aufwand und passt auch menschlich super in die Truppe", sagt sein FCS-Trainer Alfred Kaminski.Müller steht seit dem 4:0-Sieg beim FK Pirmasens in der Startformation des FCS, seither gab es in sieben Spielen vier Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage. "Dass es so schnell gegangen ist, hätte ich nicht gedacht. Ich hatte vorher ein paar gute Spiele bei der Zweiten gemacht und eine Woche bei der Ersten mittrainiert", erinnert sich der Defensivspieler. Wenn es bei dem 20-Jährigen weiter so gut läuft, sieht er durchaus eine Option, sich für eine gewisse Zeit bei seinem Arbeitgeber freistellen zu lassen beziehungsweise auf eine Halbtagsstelle auszuweichen. Hier sollen in den kommenden Wochen Gespräche geführt werden."Aber im Fußball kann es schnell gehen. Nach oben wie nach unten", sagt Müller, der seit der D-Jugend 1998 in Saarbrücken spielt und noch bei seinen Eltern wohnt. In der A-Jugend und bei der Zweiten des FCS war er Kapitän. Er ist dienstältester Spieler der Oberliga-Mannschaft. Sein erster Verein war der SC Primsweiler. Heute noch hat er seine Clique im Dorf. Zu der gehört mit Thorsten Schütte vom FC Homburg ein weiterer Oberliga-Spieler.Müller war bis zur C-Jugend Stürmer, bis ihn sein ehemaliger Trainer Edgar Weller zum Abwehrspieler umschulte. Seitdem spielt er hinten, auf der linken Position der Viererkette. Er ist beidfüßig, wenn auch sein linker Fuß stärker ist. "Ich mag diese Position sogar lieber, da hat man das ganze Spiel vor sich", meint der kopfballstarke Müller, der technisch noch Verbesserungsbedarf bei sich sieht. Und ganz egal, wie der FCS auch spielt, eines ist sicher: Michael Müller wird sich reinhauen. Auf dem Platz - und auch später in der Nachtschicht.