Der Lessel geht von Bord

Der Lessel geht von Bord

Für Klaus Lessel, den Chef des Illtal-Gymnasiums in Illingen (IGI), beginnen am 5. Juli die ganz großen Ferien. Er tritt nach 40 Jahren als Lehrer in den Ruhestand. Am 4. Juli wird er von der Schulgemeinschaft verabschiedet. Die SZ sprach mit ihm über den Kosmos Schule und seine Pläne für die Zukunft.

. Klaus Lessel hat sich in seinem langen Berufsleben nie vor Verantwortung und Mehrarbeit gedrückt. Er war unter anderem Vorsitzender des saarländischen Philologenverbandes (Berufsverband der gymnasialen Lehrkräfte) und des Hauptpersonalrates der staatlichen Lehrer an Gymnasien. Jahrzehntelang wirkte er auch in der Landesfachkonferenz Verkehrserziehung mit. Bevor der Oberstudiendirektor 2007 ans Illtal-Gymnasium kam, unterrichtete der gebürtige Bouser Deutsch und Erdkunde am Völklinger Alber-Einstein-Gymnasium. Dort wirkte er 32 Jahre, um sich dann der Herausforderung als Schulleiter am IGI zu stellen.

"Ich bin beeindruckt von den sozialen Aktivitäten an der Schule", sagte Lessel nach dem ersten Kennenlernen seiner neuen Wirkungsstätte. Und das ist so geblieben. "An dieser Schule gibt es besonders viele Leute, die sich engagieren", lobt er auch im Rückblick wieder das IGI. Er habe sich in der Schulgemeinschaft von Anfang an wohl gefühlt, habe viel Unterstützung durch das Kollegium erfahren. "Wir haben die Herausforderungen des Schulalltags immer gemeinsam gemeistert", sieht sich Lessel nicht als entrückter Chef, sondern als Team-Worker. Ein Kumpeltyp, so wie sein Vor-Vorgänger, der "Kirsch Robbert" (siehe Info-Kasten), ist Lessel nicht, wohl aber einer, der bei allen Problemen und Problemchen zu sprechen war, immer bereit, eine Lösung zu suchen, mit der alle Beteiligten leben können.

"In der Schule muss es doch vor allem um die Schüler und ihre Entwicklungsmöglichkeiten gehen", schreibt er all jenen ins Stammbuch, die ständig an den Strukturen herumreformieren, ohne die Folgen zu bedenken. Beispiel: die Einführung des achtjährigen Gymnasiums, die nach seiner Ansicht eine gründlichere Vorbereitung gebraucht hätte. "Wir dürfen keine Spezialisten-Ausbildung betreiben, sondern müssen Persönlichkeiten heranwachsen lassen", sieht Lessel den "harmonischen Menschen" im Fokus moderner Pädagogik.

Nun freut sich der 65-Jährige auf einen neuen Lebensabschnitt, in dem er Schulpolitik nur noch als Beobachter erleben will. "Ich ziehe jetzt einen klaren Strich", möchte er nun all das tun, was im Berufsleben ("ich habe viele Probleme mit nach Hause genommen") zu kurz kam: Lesen, Musik machen (Klarinette) und hören, ins Kino gehen . . .

Klaus Lessel hinterlässt ein aufgeräumtes IGI. Besonders die renovierte Aula und der Busbahnhof freuen den scheidenden Schulleiter. Das Gebäude wurde in vielen Bereich saniert, nun kommen noch Fenster und Türen dran. Was wünscht sich der Pädagoge Klaus Lessel? "Das Gymnasium muss als Schulform erhalten bleiben, es hat sich bewährt." Und weniger Kleinstaaterei, sagt er, würde der föderalen deutschen Schullandschaft auch gut tun. Jetzt wartet Bundespräsident Joachim Gauck auf den Ruheständler. In Form seiner Erinnerungen im Buch "Winter im Sommer - Frühling im Herbst".

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Auf einen Blick Das Illtal-Gymnasium wurde 1966 gegründet. Erster Direktor war bis 1975 der mittlerweile verstorbene Reinhold Müller. Ihm folgte Robert Kirsch, der die Schule 24 Jahre bis zu seiner Pensionierung 1999 leitete. Neuer "Direx" wurde Peter Geckeis, der Illingen 2007 verließ, um die Direktorenstelle am Saarbrücker Gymnasium am Schloss zu übernehmen. Oberstudiendirektor Klaus Lessel kam vom Völklinger Albert-Einstein-Gymnasium, wo er stellvertretender Schulleiter gewesen war. Wer die Nachfolge Lessels nach den Sommerferien übernehmen wird, ist vom Ministerium noch nicht bekannt gegeben worden. Ständiger Vertreter des IGI-Direktors ist seit Anfang 2012 Dirk Kleemann. Er löste Ellen Küneke, die jetzt das Hochwald-Gymnasium in Wadern führt, als Stellvertreter ab. sl

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