Der lange Weg zum Windpark

Homburg. Bis sich auf der Einöder Höhe an der Grenze zu Zweibrücken einmal die Rotorblätter der Windräder drehen, wird wohl noch einige Zeit vergehen. So die Windräder denn überhaupt gebaut werden können, denn davor sind noch Gutachten und Stadtratsbeschlüsse abzuwarten. Und auch betroffene Bürger haben die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden

 Windräder sind ziemlich imposante Bauten. Inwieweit sie zum Beispiel Tiere beeinträchtigen oder für Menschen wegen Schlagschatten und Lärm zur Belastung werden können, wird im Vorfeld geprüft: auch bei dem Vorhaben auf der Einöder Höhe, dem weißen Trisch. Foto: Armin Weigel/dpa

Windräder sind ziemlich imposante Bauten. Inwieweit sie zum Beispiel Tiere beeinträchtigen oder für Menschen wegen Schlagschatten und Lärm zur Belastung werden können, wird im Vorfeld geprüft: auch bei dem Vorhaben auf der Einöder Höhe, dem weißen Trisch. Foto: Armin Weigel/dpa

Homburg. Bis sich auf der Einöder Höhe an der Grenze zu Zweibrücken einmal die Rotorblätter der Windräder drehen, wird wohl noch einige Zeit vergehen. So die Windräder denn überhaupt gebaut werden können, denn davor sind noch Gutachten und Stadtratsbeschlüsse abzuwarten. Und auch betroffene Bürger haben die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Die Stadtwerke Homburg als ein Betreiber des Parks rechnen frühestens im Jahr 2014 mit dem Baustart. "Wir stehen zurzeit in Verhandlungen mit dem Projektentwickler. Die Gutachten zum Artenschutz sind abgeschlossen", teilte das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung mit.Zumindest die Grobplanung für das Vorhaben steht schon seit längerem: Auf der Anhöhe zwischen Kirrberg und Einöd sowie auf Zweibrücker Seite bei Ernstweiler sollen sich elf Windräder drehen, davon sechs auf Homburger Gebiet. Eine spätere Erweiterung des Parks sei nicht möglich, allerdings könne sich die Zahl elf noch auf neun reduzieren, hatte Oberbürgermeister Karlheinz Schöner bereits in einer Ratssitzung im Frühjahr betont. Das hänge an diversen Kriterien, wie zum Beispiel den Abstandsgrenzen zur nächsten Wohnbebauung oder der strikten Einhaltung des Landschaftsplanes. In der Sitzung war beschlossen worden, einen Bebauungsplan aufzustellen, beim Standort waren sich im Prinzip alle einig. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass jetzt demnächst hier die Bagger anfahren könnten. "Es wird wohl noch ein recht langes Verfahren sein", sagte Homburgs Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff.

Zu Vorbereitung, dass hier irgendwann ein Bebauungsplan verabschiedet werden könne, sei ein Scooping-Verfahren nötig, erläuterte er. Dabei werde alles geprüft, was Mensch und Natur betreffen könnte. Dass das ziemlich aufwändig ist, machte er an einem Beispiel deutlich: So müssten zum Beispiel Geräte aufgestellt werden, um nachts zu messen, ob hier Fledermäuse fliegen und wenn ja, in welcher Höhe. Weiterer Prüfpunkt ist der Lärm, den so eine Anlage verursachen würde. Geklärt werden müsse zudem, wie es mit dem Schattenwurf aussieht, bei riesigen, sich drehenden Flügeln ein wesentlicher Faktor. Ist die Untersuchung abgeschlossen, werden Träger öffentlicher Belange gehört, etwa Jäger, Naturschutzverbände, Telefonunternehmen. Gemeinsam mit deren Stellungnahmen, zum Beispiel zum Verlauf von Leitungen im Gebiet, werde der Bebauungsplanentwurf offen gelegt.

Hier haben neben Institutionen auch betroffene Bürger die Möglichkeit, sich zu äußern. Anschließend ist wieder der Stadtrat am Zug, der einen Entwurfsbeschluss fassen kann, der seinerseits wiederum offen gelegt wird. Immer vorausgesetzt, dass nichts Wesentliches gegen die Pläne spricht. Erst dann könne ein Bebauungsplan beschlossen, der Bauantrag in der Folge eingereicht, nach dessen Prüfung eine Baugenehmigung erteilt werden. Neben diesen Vorbereitungen vor Ort wird auf mehreren Ebenen auch für ein grundlegendes Problem eine Lösung gesucht: die Speicherung der Windenergie. Denn wenn es draußen zu stark weht, wird häufig zu viel Strom erzeugt. Andererseits gibt es natürlich auch Bedarf in Flautezeiten.

Es gebe Pläne, Bergbauflächen im Saarland, also Halden und eventuell Bergwerke samt Schächten, für zum Beispiel Pumpspeicherenergie (Wasser) zu nutzen, sagte Stadtwerkesprecher Jürgen Schirra. Eine weitere technische Möglichkeit zur Stromspeicherung ist die Methanisierung von Windstrom, letztlich dessen Umwandlung in Methangas. In Stuttgart steht seit kurzem eine solche Forschungsanlage. Auch hier ist also noch ein längerer Weg zu gehen.

Hintergrund

Etwas über dem Bundesdurchschnitt liegen die Stadtwerke Homburg mit ihrem Strommix für Normalkunden bei den CO2-Emissionen. 645 Gramm Kohlendioxid fallen pro Kilowattstunde (kWh) an, deutschlandweit sind es 503 Gramm pro kWh. Das liege am hohen Anteil von Strom, der aus Kohle gewonnen werde, erläuterte Stadtwerkesprecher Jürgen Schirra. Das Unternehmen wolle aber durch eigene Anlagen künftig den CO2-Ausstoß verringern. Man sei jedoch im Moment auf Zulieferungen von außen angewiesen.

Dafür ist die Homburger Mischung beim Blick auf den radioaktiven Abfall günstiger: Nur 80 Prozent des Deutschland-Durchschnitts fallen an. Das ist bedingt durch den etwas geringeren Anteil an Strom, der aus Kernenergie stammt.

Strom aus erneuerbaren Energien wird unter anderem ausStadtwerke-eigenen Photovoltaik-Anlagen gewonnen. Auch Kunden speisen in das Netz ein, erklärte Schirra. Dazu kommen Wasser- und Windkraft. So gelangt etwa auch Strom aus dem rheinland-pfälzischen Windpark Martinshöhe ins Homburger Netz. Kunden können auch Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien beziehen. ust

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