Steve-McQueen-Fan: Der Jäger des verlorenen Schatzes

Steve-McQueen-Fan : Der Jäger des verlorenen Schatzes

Der Saarbrücker Frank Wrobel, der alles zum Steve-McQueen-Film „Le Mans“ sammelt, hat einen alten Rennanzug von 1970 aufgespürt, der jahrzehntelang auf einem Dachboden lag. Die Besitzer haben den Anzug nun für 334 000 Dollar versteigert – einen Finderlohn gibt es bisher nicht.

Den heiligen Gral hatte Frank Wrobel schon in Händen, durfte ihn hochheben, betasten. Besitzen aber nicht – und jetzt ist der Gral weit weg. Statt in der Artus-Sage wähnt sich der Saarbrücker in einer „schlechten Seifenoper“, wie er sagt. Denn er hat einen Schatz ausgegraben, der ohne ihn möglicherweise auf dem Müll gelandet wäre – und jetzt bei einer Auktion 334 000 Dollar erzielt hat. Aber eine Anerkennung oder eine Art Finderlohn ist zurzeit ziemlich unwahrscheinlich. Wrobel versteht die Welt nicht mehr.

Die Geschichte beginnt eigentlich schon vor 47 Jahren: Da dreht US-Schauspieler und Auto-Fan Steve McQueen („Bullitt“) den aufwändigen Rennfahrerfilm „Le Mans“. Der füllt bei seiner Premiere die Kassen zwar nur mäßig, wird über die Jahre aber zum Kultfilm mit vielen beinharten Fans. Einer der härtesten ist Frank Wrobel (wir berichteten), der seit Jahren alles sammelt, was mit dem Film zusammenhängt: Pressehefte, Aushangfotos, Quartette, alte Filmausschnitte auf 16 und 35 Millimeter, Schallplatten und auch einen Vertrag von McQueens Produktionsfirma mit dessen Unterschrift höchstselbst. Den Kontakt zu den Stars des Films sucht und findet er ebenfalls, etwa zu Siegfried Rauch, der McQueens Kontrahenten mit dem teutonischen Filmnamen Erich Stahler spielte. Auch gesuchte Requisiten vom Dreh hat er in seiner Sammlung, darunter einen Helm, den einst ein Porsche-Teamkollege von Michael Delaney (alias Steve McQueen) trug.

Was Wrobel noch fehlt, ist ein Renn­anzug, den McQueen bei den Dreharbeiten getragen hat. Die Exemplare sind selten: Zum deutschen Filmstart hat die „Bravo“ einst, im November 1971, zwei Exemplare verlost. Einer von denen bleibt über Jahrzehnte verschollen – bis Wrobel die Fährte aufnimmt: Er findet die „Bravo“, in der die Gewinner der Verlosung vermeldet wurden, macht sich auf die Suche – und findet die Familie des Gewinners in Baden-Württemberg, im Landkreis Tuttlingen. Dorthin reist er mit dem befreundeten Rennfahrer Jürgen Barth, der schon mehrmals die Strecke in Le Mans durchkurvte; die Familie des mittlerweile verstorbenen Preisausschreiben-Gewinners holt einen Karton vom Dachboden – mit einem „Le Mans“-Rennanzug, komplett mit leichten Gebrauchsflecken, Helm und, sicher ist sicher, Brandschutzunterwäsche. Sammler Wrobel kann sein Glück nicht fassen und bietet sofort, wie er erzählt, 1000 Euro. Die Familie, die laut Wrobel den Anzug schon mehrfach fast zum Sperrmüll hatte geben wollen, will ihm den Anzug aber nicht verkaufen – möglicherweise ist sie sich jetzt erst bewusst, was da über Jahrzehnte unbeachtet auf dem Dachboden lag. Wrobel fährt enttäuscht zurück nach Saarbrücken; immer wenn er danach bei der Besitzerfamilie anruft, läuft der Anrufbeantworter. „Vielleicht dachte die Familie, ich wollte sie übervorteilen“, vermutet Wrobel – er aber habe „nur“ 1000 Euro geboten, weil er nicht ganz sicher war, dass der Anzug tatsächlich von McQueen getragen worden sei – eventuell war es ja nur ein Exemplar von einem der Stunt-Fahrer. Im März 2017 berichtet die „Autobild Klassik“ von Wrobels Fund – und davon, dass die Familie, die keinen Kontakt zur Öffentlichkeit wünscht, den Anzug „einer neutralen Vermittlerin übergeben habe“.

Vom weiteren Schicksal des Anzugs hört Wrobel erst wieder, als dieser beim Auktionshaus Sothebys in New York angeboten wird – am 6. Dezember wird er dort für 334 000 Dollar verkauft. Tags zuvor hatte Wrobel, wie er erzählt, eine Frau der Besitzerfamilie am Telefon erreicht, „aber sie hatte es sehr eilig“. Seinen Wunsch, eine Art Finderlohn zu erhalten, wurde er immerhin noch los, doch gehört habe er dann nichts mehr, sagt er. Jetzt fühlt er sich ausgebremst. „Ohne mich hätte die Familie das nie bekommen“, sagt er, „eine gewisse Anerkennung wäre nur anständig. Ich will Fairness.“

Einen Trost hat Wrobel immerhin: Siegfried Rauch hat ihm, nach viel gutem Zureden, bei Kaffee und hausgemachten Ingwerplätzchen in Rauchs oberbayerischem Bauernhof, sein „Le Mans“-Originaldrehbuch verkauft. Billig war das nicht, sagt Wrobel, „aber Herr Rauch hätte viel mehr bekommen können, wenn er es bei einer Versteigerung angeboten hätte. Aber er wollte, dass das Buch in gute Hände kommt.“ Rauch hat das Drehbuch mit der Widmung „Halten Sie’s in Ehren“ versehen.

Ein Trost für den Sammler: Schauspieler Siegfried Rauch (85), der in „Le Mans“ Steve McQueens Konkurrenten spielte, hat Wrobel sein Drehbuch verkauft. Hier schreibt er ihm noch eine Widmung hinein, bei Tee und Ingwerplätzchen. Foto: Wrobel

Das Buch wandert nun in Wrobels Sammlung, die nicht mehr zwingend wachsen soll. Er hat so gut wie alles, was ein Privatmann sich leisten kann. Der Rennanzug wäre die Krönung gewesen, „der Abschluss einer grandiosen Reise“, sagt Wrobel. „Dass ich den Schatz entdecken durfte, war wie ein Märchen aus 1001 Nacht – aber dass ich jetzt ganz leer ausgehen soll, ist wie in einem schlechten Film.“

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