„Der ist so manisch, das Ganze ist wie ein Trip“

„Der ist so manisch, das Ganze ist wie ein Trip“

Knut Hamsuns berühmter Roman „Hunger“ kommt an diesem Samstag auf die Bühne der Sparte 4 des Staatstheaters. Regie führt Alexandra Holtsch, die bereits „Zarathustra“ nach Friedrich Nietzsche für die Sparte 4 bearbeitet hatte. Eine ihrer Schauspielerinnen ist ein Neuzugang im Ensemble des SST: Yevgenia Korolov, geboren in der Ukraine, aufgewachsen in Düsseldorf.

"Das ist ein Spitzenort, ich hänge da gern und oft auch nach Aufführungen rum", sagt Yevgenia Korolov über die Sparte 4, die Werkstattbühne des Saarländischen Staatstheaters, wo sie heute Abend in der Premiere von "Hunger" auf der Bühne spielt.

Ihr Saarbrücker Debüt gab die Jung-Schauspielerin in "Blick zurück im Zorn" als etwas anstrengende Großstadt-Pflanze, die im engen Etui-Kleid über die Bühne stöckelt und der besten Freundin den Mann, einen ziemlichen Kotzbrocken, wegschnappt.

Privat wirkt die bildhübsche 28-Jährige, in Jeans und Strickpulli, eher wie der Typ, mit dem man Pferde stehlen kann. Auf Anhieb könnte man sie, die nach dem Schauspielstudium drei Jahre beim Landestheater Schleswig-Holstein engagiert war, glatt für eine Norddeutsche halten. Wäre da nicht der Name, von dem sie gewohnt ist, "dass ich ihn den Leuten öfter buchstabieren muss", was die gebürtige Ukrainerin mit Gelassenheit nimmt. "Ich bin eine rheinische Frohnatur", sagt sie über sich selbst, "und daher schon froh, dass ich jetzt im Saarland bin". Nichts gegen die Norddeutschen, "aber die brauchen doch lange, bis sie warm werden".

Als Neunjährige kam Korolov samt Eltern und Schwester nach Düsseldorf und machte ihre ersten Schauspielerfahrungen, weil es an der Schule keine Theater-AG gab, mit 15 Jahren am Forum Freies Theater gleich unter Leitung eines Profis.

"Das war ein Glück", schwärmt sie von dem belgischen Choreografen und Regisseur Ives Thuwis. "Da er vom Tanz kam, haben wir bei ihm Stücke selbst entwickelt, es war sinnliches Theater, das über Bilder funktioniert, es hat mich sehr geprägt".

Weshalb ihr auch die Arbeit mit Alexandra Holtsch an "Hunger", einer Dramatisierung des Romans von Knut Hamsun, so gefällt: "Weil wir da so viel ausprobieren, diskutieren, wieder verwerfen und noch mal neu ausprobieren", erklärt Korolov. Interessant findet sie die Geschichte eines Schriftstellers, den seine Kunst Hunger leiden lässt, "weil der so manisch ist, das Ganze wie so ein Trip".

Zusammen mit Saskia Petzold und Roman Konieczny wird sie die verschiedenen Persönlichkeitsaspekte des Ich-Erzählers aus Hamsuns Roman verkörpern, verrät Korolov und ist durchaus froh, dass sie von ihrer Kunst leben kann und es das deutsche Stadttheater-System mit seinen Festengagements (noch) gibt.

Premiere von Hunger am heutigen Samstag, 11. Januar, 20 Uhr, in der Sparte 4 in der Eisenbahnstraße (Garelly Haus). Nächste Vorstellungen am 16. und 18. Januar. Karten: (06 81) 3092-486.

www.sparte4.de

www.theater-saarbrücken.de

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