1. Saarland

Der irrerischt wie e Kouh

Der irrerischt wie e Kouh

Einige Leser kritisieren mit Recht, dass in meiner letzten Kolumne statt des griechischen Gamma ein falscher Buchstabe in der eckigen Klammer stand. Das lag daran, dass ich - weil ich in meinen Sonderzeichen keinen Buchstaben für Gamma fand - dieses aus dem Internet kopiert hatte, was bei der Weitergabe missverstanden wurde.Mit Recht weist auch Peter Treitz aus Stennweiler darauf hin, dass ich in der letzten Kolumne die Tannensträußchen als Büchelchen statt Büschelchen bezeichnete.

Ergänzend zum "Knaschdersack" (unsauberer Kerl) schreibt er, dass er auch noch das Schimpfwort "Knaschtsack" (Geizhals) kenne.

Hans G.R. Schneider aus Nonnweiler schreibt, er stamme aus dem Hohenlohischen, interessiere sich aber sehr für die Mundart seiner Umgebung und habe festgestellt, dass auch seine Frau - sie stammt aus Eiweiler (Gemeinde Nohfelden) - noch immer das Wort "irrerische" gebraucht. Ihre Altvorderen pflegten zu sagen "der irrerischt wie e Kouh", wenn jemand ständig Kaubewegungen machte oder ständig Kaugummi kaute.

Bernd Müller aus Quierschied schreibt ergänzend zu dem Wort "idderische" (Wiederkäuen der Rinder), dass es auf lateinisch "iterare" (wiederholen) zurückgehe. Auch Armin Andrä kennt diese Herkunft vom Hörensagen und fragt, ob es stimme, dass "iddere" von römischen Besatzern in unsern Raum gebracht worden sei. Antwort: Im Pfälzischen Wörterbuch wird als Herkunft nur mittelhochdeutsch "it(e)rücken", althochdeutsch "itarucchan" angegeben.

Albert Thomalla beantwortet die Frage, warum "Bääsem" ein "m" am Wortende hat: es gehe zurück auf althochdeutsch "pësamo". Hier sei die Mundart konservativer als die Standardsprache, sie habe, wie in "Waasem" (Rasen), "Pissem" (Fussel) und anderen Wörtern, das althochdeutsche m bewahrt. Auch Uwe Krämer aus St. Wendel hat sich mit dieser Frage beschäftigt und steuert weitere Beispiele bei, wie die Mundartwörter "Buusem" aus althochdeutsch "buosam", "Boddem" aus ahd. "bodam", "Faadem" aus ahd. "fadum" u.a.m. Ferner weist er auf die entsprechenden englischen Wörter "bosom" (Busen), "bottom" (Boden) und "fathem" (Faden [Längenmaß]) hin.

Ein Beispiel für den grenzübergreifenden Vorteil einer Mundart schildert Marianne Schmitt. Sie ist in Perl geboren und aufgewachsen, lebt aber seit ihrer Heirat vor über vierzig Jahren in Schmelz. Ihre Perler Mundart pflegt sie noch immer, und wenn sie ihre lothringische Kusine trifft, die kein Wort Deutsch spricht, kann sie sich mit ihr problemlos auf Platt unterhalten.

Rita Fritz aus Saarwellingen nennt den Marienkäfer in ihrer Mundart "Honnsbeebchen". Sie führt das Wort zurück auf den "Gehonnsdaach", den Johannistag, 24. Juni, da im Mai und Juni besonders viele dieser Käferchen unterwegs seien. Laut Pfälzischem Wörterbuch wird auch das Glühwürmchen mancherorts "Hannsbeebsche" genannt.

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