1. Saarland

Der HBK-Rektor findet alles auf Anhieb

Der HBK-Rektor findet alles auf Anhieb

Saarbrücken. Das Büro des Rektors der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar sieht vielleicht genau so aus, wie sich ein Außenstehender das Büro eines Kunstsinnigen vorstellt, der viel Verwaltungsarbeit am Hals hat: eigenwillig und eigenständig, aber doch bodenständig und praktisch

Saarbrücken. Das Büro des Rektors der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar sieht vielleicht genau so aus, wie sich ein Außenstehender das Büro eines Kunstsinnigen vorstellt, der viel Verwaltungsarbeit am Hals hat: eigenwillig und eigenständig, aber doch bodenständig und praktisch. Ins Auge sticht im 35 Quadratmeter großen Chefzimmer von Professor Ivica Maksimovic der gut 50 Zentimeter hohe Papierturm, der etwa 80 Prozent des 200 mal 80 großen Schreibtisches einnimmt. Der Rektor zerstreut den Gedanken an "Chaos" sofort: Bei dem Stapel handele es sich um alle im Laufe des Jahres eingegangenen Kataloge und Publikationen anderer Hochschulen. Säuberlich nach Eingang und Themen gestapelt, so ähnlich wie TV-Schrottplatz-Guru Peter Ludolf seine Ersatzteile häufelt statt schubladisiert. Maksimovic versichert, dass er dank dieses "besten Archivsystems" auf Anhieb alles finde, was er suche - und dass dieses von ihm seit dem Amtsantritt vor acht Jahren eingeführte Stapelwesen ihm bei Bedarf auch Schutz vor Blicken biete. Erst im Januar wird alles komplett weggeräumt und archiviert.Die nahezu freie Stelle des Tisches wird von den akuten, dünnen Wichtigkeits-Akten-Stapeln und dem Computer eingenommen. Linker Hand kann der Professor, die Ludwigskirche im Rücken, mit seinem Drehstuhl (von Charles Eames) zu einem zwölfteiligen, zurückhaltend gefüllten Schubladenschrank gleiten, auf dem Publikationen der Studierenden auf eine Prüfung warten. Das Mobiliar - Sessel von Le Corbusier, ein Sideboard von USM Haller und eine Konferenz-Tisch-Stuhlgruppe von "wahrscheinlich Plagiat" - habe er von seinem Vorgänger Diethard Adt übernommen, erklärt der Rektor, der hier "nichts vermisst" und die Wände bewusst bilderfrei hält: Sie müssten "neutral" sein, frei von Vorlieben eines Chefs, der ja hier nur Gast sei und nicht wohne.

Ganz wenige persönliche Dinge stellt Maksimovic aufs Sideboard: Familienfoto, Glas aus Meisenthal, ein Bild von einem befreundeten Kollegen aus Korea. Ah, und Marathon-Trophäen, die der Ausdauersportler regelmäßig erkämpft, zuletzt mit 3:58 Stunden in Basel? Nein, diese Medaillen seien die Gaben an die erfolgreichen Studenten, korrigiert er. Deutlich raumfüllender als der schlanke Maksimovic ist eine wild gedeihende Birkenfeige (ficus benjamini), die in einer Ikea-Vase auf dem Holzparkett steht. Auch die ist vom Vorgänger geerbt und wird auch nach Maksimovic verbleiben dürfen - von Sekretärin Ursula Kallenborn gepflegt.