Der Gondwana-Park und die Almhütten stehen auf der Kippe

Kostenpflichtiger Inhalt: Erlebnisort Reden : Endzeitstimmung in Reden

Das Prähistorium Gondwana geschlossen und die Almwirte 2020 weg? Der Neunkircher Landrat Sören Meng (SPD) sieht trotzdem nicht schwarz.

Die Gerüchte sind  altbekannt. Sie lauten so: Der Gondwana-Urzeit-Park „Das Prähistorium“ blute finanziell aus, sei auf Dauer nicht zu halten, trotz rund 90 000 Besuchern jährlich. Nicht zuletzt der Betreiber selbst, Matthias Michael Kuhl, hatte noch im Juli aus einer monatlichen Deckungslücke von rund 24 000 Euro keinen Hehl gemacht. Der Grund aus seiner Sicht: überhöhte Pachtforderungen des Landes für seine Hallen-. Neu sind im Krisen-Szenario jedoch emotionale SOS-Rufe, die man in dieser Form erstmals öffentlich hörte, im Rahmen einer Saarbrücker Podiumsrunde zum Thema Industriekultur. Es sei fünf vor zwölf, rief der Leiter der Tourismuszentrale Neunkirchen, Christian Rau, in den Schlosskeller. Es brodele in Reden, jeder warte darauf, dass nicht nur Gondwana kurzfristig schließe, sondern dass sich auch die Almwirte von der Halde zurückzögen und ihre Open-Air-Konzerte - Image fördernde Publikumsrenner - mitnähmen. Außerdem, so Rau, werde erzählt, dass das Land ab 2021 „keinen Pfennig mehr“ investieren und Reden „seinem Schicksal“ überlassen wolle. Auch der stellvertretende Ortsratsvorsitzende von Landsweiler-Reden, Detlef Reinhard, meldete sich aus dem Publikum heraus zu Wort, mit einer Breitseite gegen das Land, das den Standort über die landeseigene Gesellschaft IKS managt. Oder nicht managt? Reinhardt klagte an: „Das Land lässt uns in Reden alleine“!“ Man habe Investitions-Versprechen, die einst im Masterplan „Garten Reden“ formuliert wurden, gebrochen, pflege den Bestand nicht, und ducke sich weg.

Bisher hörte man derartige Vorwürfe nur von Kuhl, umso schwerer wiegen sie jetzt. Doch wie ernst steht es in Reden? Dazu wollten sich gestern weder die IKS noch Kuhl selbst äußern: Der wird aber wohl bis Ende des Jahres seine Drohung realisieren, über die die SZ bereits im Juli berichtete. Gondwana Invest plant,  das Land auf der Basis eines von Kuhl beauftragten Gutachtens auf Schadenersatz zu verklagen. Es geht um Baugrundmängel und Risse an den Hallen. Die IKS sieht für Schadenersatzansprüche jedoch keinerlei Grundlage und verweist auf einen „ständigen Austausch“ mit dem Betreiber. Juristische Auseinandersetzungen gebe es derzeit nicht, teilt IKS-Sprecher Luitwin Vogel auf Nachfrage mit. Auch mit dem Almwirten stehe man in „konstruktiven Gesprächen“. Wie lange noch? Für die Almwirte läuft nach Aussage von Gastronom Guido Geiger nächste Woche eine entscheidende Frist ab. Sollte die IKS bis dahin keine Lösung für das Transportproblem unterbreitet haben - der Almhütten-Vertrag ist an eine „Halden-Bahn“ geknüpft - sei man im Juni 2020 raus aus dem Reden-Spiel. Geiger: „Wir haben den Hütten-Pacht-Vertrag bereits vorsorglich gekündigt. Dabei würden wir gerne bleiben, aber nur unter den Bedingungen, die uns versprochen wurden.“

Der Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl. Foto: Becker&Bredel

Bekanntlich laboriert die IKS seit rund zehn Jahren an einer Transportbahn herum. Im August merkte man: Das klappt ökonomisch nicht. Für Geiger unfassbar: „Man hat nicht mal einen Plan B. Das ist stümperhaft.“ Welches Leck am Standort klafft, hat auch Landrat Sören Meng (SPD) erkannt, fordert seit langem einen Standortmanager. Kürzlich hat er das Heft des Handelns übernommen, über einen Runden Tisch: „So viel Druck im Kessel wie jetzt war noch nie“, sagt er der SZ. „Wenn die Almwirte und Gondwana den Standort verlassen, wäre Schicht im Schacht, ein Supergau.“ Doch Meng  sieht Bewegung und Hoffnung, berichtet, der Runde Tisch werde eine Ausschreibung machen, hole sich externen Sachverstand für ein Weiterentwicklungs-Konzept, das den alten Masterplan ablösen soll. Es gehe darum, über Potenziale zu sprechen und nicht über Versäumtes. Das Land, meint Meng, ziehe mit. Doch dort hat gerade ein Stabwechsel stattgefunden. Wie die SZ erfuhr, hat die Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD), die bisher in ihrer Funktion als Staatssekretärin Aufsichtsratsvorsitzende der IKS war, den Stab weiter gereicht - an ihren Staatssekretär Jan Benedyczuk. Der ist ein Newcomer im Saarland. Wie lange wird er brauchen, um sich durch das Problem- und Vertrags-Gestrüpp in Reden durchzukämpfen? Dort ist hier und jetzt Feuer unter dem Dach.

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