Der Geschichtenerzähler

Der Geschichtenerzähler

Saarbrücken. Dieter Schumann schreckt auch vor Enthauptungen nickt zurück. Die Menschen, die zu ihm kommen, wissen das, sagt er. Katharina Stenger nickt. "Ja, man wird vorgewarnt", sagt die 23-Jährige. Sie wurde von Dieter Schumann bereits enthauptet, aber ihr Kopf sitzt noch gerade

Saarbrücken. Dieter Schumann schreckt auch vor Enthauptungen nickt zurück. Die Menschen, die zu ihm kommen, wissen das, sagt er. Katharina Stenger nickt. "Ja, man wird vorgewarnt", sagt die 23-Jährige. Sie wurde von Dieter Schumann bereits enthauptet, aber ihr Kopf sitzt noch gerade. Dass Schumann ein Foto von ihr gemacht hat, auf dem sie den Kopf unterm Arm trägt, hat gar nicht wehgetan. Im Gegenteil: "Es hat Spaß gemacht", sagt Katharina Stenger. Schumann hat mit der Enthauptung nämlich erst begonnen, nachdem die Studentin sein Fotostudio verlassen hat.Dieter Schumann, 58 Jahre alt, fotografiert schon seit über einem halben Jahrhundert. Seit gut fünf Jahren belässt er es nicht dabei, sondern komponiert das, was er fotografiert hat am Computer neu. "Der Mensch ist ein unheimlich vielseitiges Wesen", sagt er, aber Menschen einfach nur zu fotografieren, habe ihm irgendwann nicht mehr gereicht. Seine Bilder sollen Geschichten erzählen. Und so macht Dieter Schumann aus jungen Frauen Puppen, aus Männern finstere Gestalten. Er versetzt seine Modelle und ihre Betrachter zurück in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Manchmal wirken seine Werke wie Gemälde.

Dass Menschen in einer Ausstellung vor seinen Bildern stehen und fragen: "Ist das jetzt fotografiert oder gemalt?", kann er verstehen. Fotografieren und dann am Computer bearbeiten tue er seine Bilder, "weil ich nicht so gut malen kann".

Er habe es mal mit der Malerei probiert - aber sein Talent reiche dafür nicht aus. Mit der Fotografie ist das anders. "Begonnen hat es schätzungsweise mit sechs oder sieben Jahren. Da wollte ich unbedingt so einen Fotoknipser haben", erinnert er sich. Bekommen hat er eine billige Rollfilmbox von Neckermann.

Die Fotografie war immer Teil seines Lebens. In den vergangenen zehn Jahren hat sie aber begonnen, immer mehr Raum in diesem Leben einzunehmen. Dieter Schumann hatte zwar zuvor im eigenen Schwarz-weiß-Labor entwickelt, wollte sich aber kein teures Farb-Labor leisten. Die Digitalfotografie hat dann alles verändert.

Und die Menschen, die sich von ihm fotografieren lassen wollen. "Was rauskommt, hängt von den Leuten ab, die ich fotografiere", sagt Schumann. Er habe "keine schwarze oder nostalgische Phase", er entwickle mit seinen Modellen Ideen.

Wobei er die inzwischen nicht mehr suchen muss. "Vor sieben Jahren habe ich einen Aushang an der Uni gemacht - keine Resonanz", erinnert er sich. Heute melden sich Menschen, die sich von ihm fotografieren lassen wollen übers Internet. Wie zum Beispiel Katharina Stenger. Sie hat Schumanns Bilder im Internet entdeckt. "Ich war ganz heiß auf diese Bilder, es hat aber eine Weile gedauert, bis ich mich getraut habe", sagt sie. Inzwischen treffen sich Schumann und Stenger regelmäßig zum Fotografieren. Wobei klar ist: Es wird jedesmal schräg. "Ich gehe nicht zu Dieter, um schöne Modefotos zu bekommen, sondern Fotos, die sonst keiner hat", sagt die Studentin, die auch als Modemodel arbeitet.

Schumann mag Models wie Katharina, weil sie eigene Ideen hat. Er sei ja auch immer offen für neue Ideen. Nur eins muss nicht sein, sagt Dieter Schumann: "Ich mag kein Blut, auch wenn mal ein Kopf ab ist."

Der Fotograf Dieter Schumann Foto: Calvin Hollywood.
Das Model Katharina Stenger Foto: Dieter Schumann.
Der Fotograf Dieter Schumann Foto: Calvin Hollywood.
Das Model Katharina Stenger Foto: Dieter Schumann.

dsfoto.de

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