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Dennis Lück, der Saarländer, der Scholz zum Kanzler machen soll

Werbeexperte Dennis Lück : Der Saarländer, der Scholz zum Kanzler machen soll

Dennis Lück mag Wortspiele – Sprüche mit Tiefgang und Hintersinn. Sie zu erfinden, gehört zu seinen Passionen. Den jüngsten Post aus seiner Ideenschmiede „A change that’s good for all of U.S.“ verbreitete die SPD nach der Präsidentenwahl als Glückwunsch an Joe Biden und Kamala Harris über die Netzwerke in alle Welt.

Mehrdeutigkeit in Form zweier Großbuchstaben und zweier Punkte. So einfach, so genial. Es war gewissermaßen Lücks Einstand in ein Neuland-Projekt. Die SPD rief seinen Hamburger Kollegen Raphael Brinkert. Und mit ihm Lück, der sich nach zehn Jahren als hochdekorierter Kreativchef und Mitinhaber von Jung von Matt/Limmat (Zürich) verabschiedet hatte. Die namhafte Werbeagentur mit Hauptsitz in Hamburg und 24 Tochtergesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz verdankte Lück über Jahre ihre Stellung als Dauer-Nummer-eins im Kreativ-Ranking.

Nun soll der gebürtige Saarländer, der als „kreativster und erfolgreichster Werber der Schweiz“ im Blätterwald des Alpenlandes gefeiert wird, zusammen mit Brinkert die „alte Tante SPD“ im bevorstehenden Wahlkampf 2021 nach vorne bringen. Vor allem aber sollen beide dem Kandidaten der Genossen, Olaf Scholz, werbewirksam in den Kanzlersessel verhelfen. Ab Januar wollen Lück und Brinkert, dessen Agentur eigentlich im Sportmarketing tätig ist, gemeinsam firmieren – mit Standorten in Deutschland und der Schweiz. Den Job bei den Genossen nennt Lück daher einen „Raketenstart“. Auch dass sich die Partei nach einem Ausschreibeverfahren nun von einem Start-up-Unternehmen promoten lässt, findet der aus Bierbach stammende Werbe-Profi zumindest „ungewöhnlich“. Aber Lück und Brinkert eilt ein exzellenter Ruf voraus. Und wie es aussieht, setzt die SPD im Wahlkampf auch auf den von der Werbebranche propagierten „Lück-Effekt“.

Über den Inhalt der SPD-Wahlkampagne hält sich der 43-Jährige indes noch bedeckt. „Das Konzept gibt es schon“, sagt er gegenüber unserer Zeitung, „es ist im Feinschliff“. Mehr lässt sich Lück nicht entlocken. Wie viel Arbeit erwartet ihn, um das oft als spröde empfundenen Image von Scholz im Wahlkampf umzufrisieren? Lück weist das energisch zurück. Das Attribut spröde wird Scholz in seinen Augen keineswegs gerecht. „Wenn man sich mit ihm ein paar Minuten unterhält, hat man einen ganz anderen Eindruck, nämlich dass er sehr offen auf Menschen zugeht.“ Dass Lück, dessen berufliche Laufbahn bei der Saarbrücker Zeitung und beim Pfälzischen Merkur als freier Mitarbeiter begann, dem SPD-Kandidaten Scholz auch persönlich große Sympathien entgegenbringt, verheimlicht er nicht. Auch wenn er kein Parteibuch besitze, sagt er, stamme er doch „aus einer SPD-Familie“. Beinahe enthusiastisch formuliert Lück denn auch bei Facebook: „Gibt es einen Job mit mehr Relevanz?“ Und beteuert zugleich, wie sehr er sich darauf freue, „mich mit aller Kreativität und aus vollster Überzeugung für Olaf Scholz zu engagieren“.

Den kantigen Scholz etwa weichzuzeichnen, lehnt er brüsk ab. „Es gehört nicht zu meinen Aufgaben, einen Menschen zu verbiegen, sondern das zu kommunizieren, wofür er steht, die Haltung“, sagt Lück. Was da im Fall Scholz wäre? „Respekt“, erklärt der Werbeexperte, „und den ganzen Wertekanon um dieses Wort herum“. Wird sich das Schlagwort „Respekt“ dann also durch den ganzen SPD-Wahlkampf ziehen? Die „alte Tante“ soll mit Lück jedenfalls ein Facelifting bekommen: „Sie hat Aufholbedarf, sie muss ihre alten Wähler wieder zurückzugewinnen.“