1. Saarland

Den Spagat zwischen Gesellschaft und eigenem Ich geschafft

Den Spagat zwischen Gesellschaft und eigenem Ich geschafft

Marpingen. Martin Maier-Bode schrieb eine Bühnenfassung des Films von Peter Weir, "Der Club der toten Dichter", die am Freitagabend von der Theater-AG in der Aula der Gesamtschule Marpingen aufgeführt wurde. Ort des Geschehens ist das Schweizer Hilfgott-Johannes-Internat, im Zentrum steht die unkonventionelle Deutschlehrerin Martina Berner (Lesley Dittke, 10c)

Marpingen. Martin Maier-Bode schrieb eine Bühnenfassung des Films von Peter Weir, "Der Club der toten Dichter", die am Freitagabend von der Theater-AG in der Aula der Gesamtschule Marpingen aufgeführt wurde. Ort des Geschehens ist das Schweizer Hilfgott-Johannes-Internat, im Zentrum steht die unkonventionelle Deutschlehrerin Martina Berner (Lesley Dittke, 10c). Lesley: "Nicht Noten und Abschlüsse stehen für sie im Vordergrund. Berger will die Persönlichkeit der Schüler fördern und dabei auch ein ästhetisches, freies Lebensgefühl vermitteln." Aufgeführt wurde das Zwischenspiel von Schülern der Klassenstufen zwölf und 13, die bereits im letzten Jahr ihr außergewöhnliches schauspielerisches Talent zeigten. "Nächstes Jahr wird es wohl schwierig werden, wieder mitzumachen, da wir dann mitten in den Abiturprüfungen stehen", so Julia Balzert (Stufe 12), die im Shakespearespiel die Hauptrolle übernahm. "Wir geben nach drei Jahren Theater-AG sozusagen unsere Abschlussvorstellung", meinte auch Dominik Willi&;, Klassenstufe 12. Mit Flaut (Julia Michel), Titania (D&;sir&;e Lambert) und dem bezaubernden Puck (Laura Lambert) waren bei diesem "Stück im Stück" auch Schülerinnen der Mittelstufe im Einsatz.Die Handlung: Martina Berners Erziehungsstil bleibt nicht unangefochten. Für die Schüler bedeutet Berner erst einmal eine Befreiung. Sie treffen sich nachts in einer dunklen Höhle, in der sie sich als der geheime "Club der toten Dichter" Gedichte vortragen und dabei die Macht der Poesie erfahren. Über die Stränge schlagenEinige schlagen über die Stränge. Dominik Willi&; stand als Peter Greiner beispielhaft für die, die Bergers Botschaft "Liebe, Schönheit, Wahrheit - das ist Poesie") mit "Sex, Drugs und Rock'n Roll" übersetzten. Verliebt in den Neuen (Alexander von Wissing, überzeugend gespielt von Finn Raber, 9b), gerät auch Sandra Lüdinghof (D&;sir&;e Lambert, 9d) in einen Konflikt mit ihren Eltern. Christine Heinrich (8e, Rolle der Mutter): "Frau Lüdinghof lebt sich über ihre Tochter aus, die all das verwirklichen soll, was sie selbst im Leben nicht erreichen konnte. Dazu gehört allerdings nicht das Schauspielern." Doch genau diese Leidenschaft zeigt sich in der jungen Frau, sie findet Bestärkung in Berner, schafft es jedoch nicht, den Konflikt mit ihren Eltern zu lösen und wird somit Opfer einer Gesellschaft, die Menschen nach ihrer Funktion und nicht nach ihren individuellen Fähigkeiten beurteilt. Sandra Lüdinghof bringt sich mit einer Überdosis Tabletten um, als Schuldige wird Berner erkannt und der Anstalt verwiesen. Durch wirkungsvolle Regieeinfälle und aufgrund des ausgezeichneten Spiels der Akteure lief es nicht nur in dieser Szene den Zuschauern kalt den Rücken herunter. Eine professionelle Beleuchtung, Kerzenlicht, die Einspielung von Beethovens neunter Symphonie bildeten den Hintergrund der "Reinigung" des Zuschauers. Klemens Bott: "Es heißt, fürs Leben lernen, den Spagat zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und dem eigenen Selbst zu schaffen." Die Schüler des Hilfgott-Johannes-Internats schaffen am Ende diesen Spagat. Sie ordnen sich erst einmal unter, protestieren dann aber unübersehbar gegen die Unmenschlichkeit des pädagogischen Systems, indem sie Frau Bergers Leitspruch, auf den Tischen stehend und untermalt von der "Ode an die Freude", der Direktorin Dannermann entgegenschmettern: "Carpe diem - Pflücke die Knospe, solange es geht". Bewusst verzichtete man in Marpingen erneut auf ein umfangreiches Bühnenbild. Lediglich eine weiße Wand mit einem Bild des Internatsgründers in Zentrum bildeten den Rahmen des Geschehens. Dass man in Marpingen keine Nachwuchsprobleme hat, ließ sich daran ablesen, dass zum ersten Mal Schüler aller Jahrgänge der Stufe sieben bis 13 auftraten. Insgesamt waren mehr als 30 Akteure in die Aufführung eingebunden. Auch zeigten sich unter den jüngeren Darstellern ganz hervorragende Talente, worauf Edmund Hinsberger, Schulleiter der Marpinger Gesamtschule, in seiner Dankesrede lobend hinwies: "Ich bin begeistert, insbesondere auch vom Engagement und von den Leistungen der jüngeren Darsteller." Unverkennbar war der Stolz, dass schauspielerische Talente in Marpingen nicht nur schlummern, sondern auch vom Lehrerteam Martina Pape und Klemens Bott geweckt werden. red