1. Saarland

"Den jungen Leuten muss man was Besonderes bieten"

"Den jungen Leuten muss man was Besonderes bieten"

Dudweiler. "Die jungen Leute wollen sehr wohl singen" lautete die Überschrift über den SZ-Artikel vom 21. Oktober, der sich mit dem organisierten Gesang auseinandersetzte. Zu Wort kam die Musikwissenschaftlerin Martina Haupenthal (48). Sie hatte sich kritisch geäußert zu den ihrer Ansicht nach teils überkommenen Vorstellungen von Vereinsvorständen

Dudweiler. "Die jungen Leute wollen sehr wohl singen" lautete die Überschrift über den SZ-Artikel vom 21. Oktober, der sich mit dem organisierten Gesang auseinandersetzte. Zu Wort kam die Musikwissenschaftlerin Martina Haupenthal (48). Sie hatte sich kritisch geäußert zu den ihrer Ansicht nach teils überkommenen Vorstellungen von Vereinsvorständen. Sie erhielt, wie sie sagt, auf ihre Anmerkungen in der SZ hin Worte des Dankes, aber auch Drohanrufe. Und nun geht die Diskussion weiter: mit Richard Rosinus, dem 1. Vorsitzenden des Dudweiler Schubert Chores. Haupenthals Vorstoß in der SZ findet er grundsätzlich löblich, weil so eine überfällige Diskussion angefacht worden sei.

In Rosinus' Verein sind 95 Mitglieder mit 37 aktiven Sängern organisiert. Das Aussterben der Chöre, sagt er, sei nicht zwangsläufig und unabwendbar. Es müssten aber Voraussetzungen geschaffen werden, um das Überleben zu sichern. Das fange naturgemäß bei einem guten Chorleiter an - und bei dessen Bezahlung. 50 Euro plus Fahrgeld und extra Entlohnung bei diversen Auftritten, das sei normal. Wo aber soll das Geld herkommen, wenn der Mitgliedsbeitrag im Verein nicht ins Uferlose steigen kann? Das gehe nur mit vom Verein veranstalteten Festen, sagt der Vereinschef, da komme ein bisschen Geld in die Kasse. Ohne Feste gehe überdies der Zusammenhalt flöten. Allerdings gibt Richard Rosinus Chorleiterin Haupenthal insofern Recht, dass Feten und andere Aktivitäten, die vom Wesentlichen ablenken, nicht überwiegend das Vereinsgeschehen prägen dürften: "Wir haben keine gehäuften Pflichtveranstaltungen." Und: "Der Chor muss immer im Vordergrund stehen", macht er deutlich. Rosinus führt auch an, dass es heutzutage leider kaum noch öffentliche Zuschüsse gibt. Vom Geld mal abgesehen, sieht der 68-Jährige noch ein weiteres Problem: dass diejenigen Sangestalente, die in jungen Jahren in Schulchören begeistert mitsingen, hernach nicht aufgefangen werden. Und dann dem Chorgesang für immer den Rücken kehren. Vielleicht, sagt Rosinus, sollte man, um die Lücke zu schließen, einfach mal versuchen, eine Art Sangespool zu bilden, und die jungen Leute dahin locken. Und zwar dann, wann sie Zeit haben. Chorproben zu später Stunde wie bei den Erwachsenen eigneten sich dafür nicht.

Der Vereinsvorsitzende, der, wie er sagt, nach der Berichterstattung in der SZ sehr viel nachgedacht hat, kann sich auch vorstellen, dass sich mal Leute an einen Tisch setzen, um frisches Blut in die Chöre zu kriegen: Chorleiter, Fachleute von der Hochschule für Musik Saar, Theaterschauspieler und andere Künstler. Um zu überlegen, was man - neben dem reinen Gesang - dem Nachwuchs Aufregendes bieten könnte. Dabei denkt Rosinus unter anderem an die Kunst, sich auf der Bühne darzustellen, an Choreografie und ähnliches. Nur dazustehen und korrekte Laute von sich zu geben, das scheint der Jugend halt nicht mehr zu genügen. Spaß muss es machen, das auf alle Fälle.

Richard Rosinus wird indessen nicht müde, jeden, den er trifft, zu überreden, mal eine Probe des Schubert Chores zu besuchen. Er ist überzeugt, dass viele Talente sich nicht trauen. Ob man singen kann, weiß man aber erst, wenn man's mal ausprobiert hat. Die Proben finden jeden Mittwoch ab 20 Uhr im Nebenzimmer des Gasthauses Zum Schwimmbad in der St. Ingberter Straße statt.