Den Frieden erhält, wer ihn schätzt

Den Frieden erhält, wer ihn schätzt

Saarbrücken. Für die jungen Leute aus Deutschland und Polen ist im Ökodorf am Losheimer Stausee in diesen Tagen früh Wecken. Schon um 8 Uhr brechen sie auf nach Saarbrücken um dort auf dem Hauptfriedhof zwischen 9 und 14 Uhr Kriegsgräber zu pflegen. Eigentlich verbindet die Jugendlichen, die zwischen 16 und 25 Jahre alt sind, nichts mehr mit dem Krieg, möchte man meinen

Saarbrücken. Für die jungen Leute aus Deutschland und Polen ist im Ökodorf am Losheimer Stausee in diesen Tagen früh Wecken. Schon um 8 Uhr brechen sie auf nach Saarbrücken um dort auf dem Hauptfriedhof zwischen 9 und 14 Uhr Kriegsgräber zu pflegen. Eigentlich verbindet die Jugendlichen, die zwischen 16 und 25 Jahre alt sind, nichts mehr mit dem Krieg, möchte man meinen. Schließlich haben weder sie noch ihre Eltern einen bewaffneten Konflikt auf ihrem Heimatboden erlebt.

Sie denken aber weiter. Sie wissen, dass der den Frieden verliert, der ihn nicht zu schätzen weiß. "Wir müssen das Gedenken an den Krieg erhalten, wenn wir weiter in Frieden leben wollen", meint Sebastian Kamper aus dem polnischen Oppeln. Er sagt, was ihn berührt: "Diese Soldaten waren 17, 18 Jahre alt - so wie ich heute. Sie mussten aber sterben wegen des Krieges." Der 22-jährigen Saarbrücker Robert Schneider hält die Aktion, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert, ebenfalls für eine gute Sache. Er schaut ganz genau auf die Grabsteine der Gefallenen: "Hinter jedem verbirgt sich eine Persönlichkeit." Die Polin Agnieszka Gargasz sagt: "Ich wollte in den Sommerferien mal was Nützliches machen und habe von der Aktion gehört." Josef Maurer, der sich für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge engagiert und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, ist fasziniert vom Engagement der jungen Leute:

"Sie opfern nicht nur ihren Jahresurlaub, sondern zahlen auch noch einen Beitrag, um bei der Aktion mitzumachen." 150 Euro kostet der Aufenthalt die deutschen Teilnehmer, 75 plus etwa 60 Euro Anreisekosten die polnischen Teilnehmer. Nachmittags geht die Gruppe dann auf Exkursion. Mal auf unterhaltsame Schiffsfahrt, mal nach Verdun, um sich die schrecklichen Kriegsgreuel noch einmal vor Augen zu führen. Kamper schätzt Besuche in Verdun: "Dort gibt es immer wieder noch etwas Neues zu entdecken."

Die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen die Jungs und Mädchen selbstverständlich auch, der DFB-Elf drückten sie alle Daumen.

Uwe Kunzler, Leiter des Friedhofs- und Bestattungsbetriebes der Landeshauptstadt Saarbrücken ist dankbar für die Hilfe der jungen Leute: "Wir haben zwar einen Pflegesatz für den Erhalt der Kriegsgräber, der ist allerdings seit 20 Jahren unverändert." Weil die Kosten aber gestiegen seien, sei die ordentliche Pflege der Gefallenengräber kaum noch zu stemmen. Kunzler: "Ich freue mich, dass die jungen Leute bereits zum vierten Mal da sind."