1. Saarland

Dem Regen und der Kälte getrotzt

Dem Regen und der Kälte getrotzt

St. Wendel. Angelika Schneider aus Neunkirchen hatte für den Bummel am Samstag über den Ostermarkt ihren Wintermantel angezogen, weil trotz des Sonnenscheins ein frischer Wind durch die Marktgassen wehte. "Die Menschen sehnen sich nach Frühling und Wärme - und ich auch", lachte die Besucherin. "Vielleicht hilft der Ostermarkt mit, dass es bald besser wird

St. Wendel. Angelika Schneider aus Neunkirchen hatte für den Bummel am Samstag über den Ostermarkt ihren Wintermantel angezogen, weil trotz des Sonnenscheins ein frischer Wind durch die Marktgassen wehte. "Die Menschen sehnen sich nach Frühling und Wärme - und ich auch", lachte die Besucherin. "Vielleicht hilft der Ostermarkt mit, dass es bald besser wird." Viel zu entdecken gab es an den über 80 Ständen. Für so manchen Besucher war es nicht leicht, aus der Fülle des kunsthandwerklichen Angebotes das Passende herauszufinden. Mehr als 200 große und kleine Osterhasen aus dem Erzgebirge hatte Karl Wagner aus Altenkirchen an seinem Stand aufgereiht. Keiner war teurer als 20 Euro. Blickfang war der Knickohrhase, der die Zeitung mit der Schlagzeile las "Das Knickohr ist der absolute Kick." Wunderschöne mährische Volkskunst verkaufte Andreas Froboese aus Hemmersdorf, zum Beispiel mit Lochtechnik verzierte echte Hühnereier. "Sie sind allerdings sehr zerbrechlich", gab der Händler seinen Kunden als guten Rat mit. Gleich mit zwei Ständen war Doris Simmet dabei. "Oster- und Frühlingssachen, die nicht so teuer sind, laufen am besten, die großen Sachen weniger", sagte die Riegelsbergerin.Mit einem Stand wagten sich auch Schüler des Cusanus-Gymnasiums auf den Ostermarkt. Von weitem konnte das Pappschild mit der Aufschrift "Süße Verführung zur Frühlingszeit" gelesen werden. Acht Schüler hatten in der vorausgegangenen Nacht eine große Menge Pralinen hergestellt. Tim Bernhard und Meike Thies mischten sich an der Basilika unter die Leute und boten ihnen kostenlose Proben davon an. Kaum ein Kind kam an der Hütte mit den Kumquats vorbei. "Die handgearbeiteten Puppen sind nach der kleinen Orangefrucht benannt, die aus dem Mittelmeerraum stammt", berichtete Betty Dürnholz aus Namborn. Sie sind nicht ganz billig, dafür aber waschmaschinentauglich. Witzige Holzfiguren mit ulkigen Namen, wie man sie nur selten auf einem Markt sieht, verkaufte Willi Bregula aus Heimertsheim bei Bonn, zum Beispiel die Tante Ramazotti und die Familie Vierkant, oder auch den Jüngling mit dem Lorbeerblatt und Ringelsockenhühnchen. Weil die kalten Getränke am Stand der St. Wendeler Aktionsgemeinschaft kaum verlangt wurden, gab es Osterglühwein mit den gleichen Bestandteilen wie der am Weihnachtsmarkt.Auch in der Handwerkergasse gab es viel zu sehen. Hier bearbeiteten die Kinder mit Feilen, Sägen und Messern kleine Specksteinwürfel. In der Kindertöpferei konnten sie sich an der Töpferscheibe versuchen, die über ein Seil und mit einer Kurbel angetrieben wurde. Eine ganze Hasenfamilie hoppelte auf dem Fruchtmarkt durch das Gehege. Der vierjährige Maximilian konnte sich an den possierlichen Tierchen nicht sattsehen und bat seine Mutter immer wieder: "So einen will ich auch haben." Zum Anfassen waren der Hase Tanja und das Huhn Jessica. Die "menschlichen" Tiere gingen mit einem Korb voller Süßigkeiten über den Markt. Bewundert wurde auch das Schaf Wendelin. Es stakste an den Ständen entlang, blieb oft stehen und begrüßte die Kleinen. Am Sonntag kamen nach Polizeiangaben 20 000 Besucher und an zwei Tagen 75 Busse nach St. Wendel. "Das Produkt Ostermarkt greift", freute sich Bürgermeister Bouillon. "Die 2000 Stunden Arbeit des Bauhofes haben sich gelohnt."

Auf einen BlickAuf dem Ostermarkt gab es auch außergewöhnliche und kuriose Sachen zu kaufen: den Sparstrumpf mit dem hölzernen Einwurfschlitz, die Häkelente mit der Seife im Bauch, Servietten mit Cowboymotiv für Pferdefreunde, die Kokosnuss-Kerze, den Holzklotzosterhasen, das Knobelspiel "Der Turm von Hanoi", belegte Kräuterfladenbrote mit der Bezeichnung "Pfaffenglück", den Wasser speienden Keramikfisch, Baumschubladen, Schachfiguren aus Zinn, mit Landkarten verzierte Einkaufstaschen, verzauberte Dracheneier, Schlechtwetterbalsam und den Frosch, der gerade eine goldene Kugel aus dem Teich geholt hat. gtr