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Dem körperlichen Verfall einfach davonlaufen

Dem körperlichen Verfall einfach davonlaufen

Regelmäßiges Ausdauertraining hält Menschen vermutlich länger jung. Die sportliche Betätigung verlangsamt nämlich den Alterungsprozess der Zellen im Blutgefäßsystem. Das zeigt eine Studie von Dr. Christian Werner und Professor Dr. Ulrich Laufs aus der Kardiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg

Regelmäßiges Ausdauertraining hält Menschen vermutlich länger jung. Die sportliche Betätigung verlangsamt nämlich den Alterungsprozess der Zellen im Blutgefäßsystem. Das zeigt eine Studie von Dr. Christian Werner und Professor Dr. Ulrich Laufs aus der Kardiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg. Die Mediziner haben gemeinsam mit Kollegen des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni 104 Sportler und Nichtsportler untersucht. Zwei Altersgruppen nahmen teil: In der Gruppe der jungen Testpersonen lag der Altersdurchschnitt bei 20 Jahren, in der Gruppe der älteren Teilnehmer bei 51 Jahren. Um neues Gewebe zu bilden und somit die Lebensfähigkeit des Organismus zu erhalten, teilt sich ein Teil der Zellen im menschlichen Körper fortwährend. Dabei wird das Erbgut der Mutterzelle auf die beiden neuen Tochterzellen übertragen, und es entstehen frische, leistungsfähige Zellen. Um die Alterung der Zellen zu ermitteln, sind die Homburger Wissenschaftler bis in den Zellkern vorgedrungen. Dort lagern die länglichen, nur fünf tausendstel Millimeter großen Chromosomen, die die Gene enthalten. "Die Enden der Chromosomen werden als Telomere bezeichnet", erklären die Forscher. "Bei jeder Zellteilung geht ein Stück der Telomere verloren. Wenn die Telomere zu kurz werden, teilen sich die Zellen nicht mehr und gehen zugrunde." Das ist ein Hauptgrund dafür, warum wir altern. Die Wissenschaftler vergleichen die Telomere bildhaft mit den kleinen Kunststoffkappen, die an den Enden eines Schnürsenkels sitzen. "Sind diese Kappen weg, fasert der Schnürsenkel aus und wird unbrauchbar."Je kürzer die Telomere sind, desto weiter ist der Alterungsprozess der Zelle vorangeschritten. In seiner Studie hat Christian Werner nachgewiesen, dass regelmäßiger Ausdauersport die Verkürzung der Telomere deutlich verzögert. Die Alterung der Zellen verlangsamt sich dadurch nachweislich. Zu verdanken ist das einem Enzym mit dem Namen Telomerase. Es handelt sich um ein Protein (Eiweiß), das nur im Zellkern aktiv wird und dort die Telomere wiederherstellen kann. "Wir wissen heute, dass die Telomerase in jeder Zelle des Körpers vorhanden ist. Durch Ausdauersport kann sie in besonderem Maße aktiviert werden", erläutert Christian Werner. Diese Zusammenhänge haben die Homburger Mediziner anhand des Erbguts (DNA) der weißen Blutkörperchen nachgewiesen. Allen Teilnehmern der Studie wurde eine Blutprobe entnommen, aus der in einem aufwändigen Verfahren die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, isoliert wurden. Auch in deren Zellkernen gibt die Länge der Telomere an den Enden der Chromosomen Auskunft darüber, wie alt die Zellen biologisch sind. "Die Ergebnisse lassen Rückschlüsse auf den Zustand der Gefäßwand zu, denn die Leukozyten spiegeln deren Alterungsprozess wider", sagt Christian Werner. Er und seine Kollegen haben bei den älteren Nichtsportlern altersbedingt verkürzte Telomere gefunden. Bei den älteren Sportlern hingegen, die im Mittel seit 35 Jahren regelmäßig Ausdauersport betreiben, waren die Telomere deutlich weniger verbraucht. Der Sport hat sie sozusagen konserviert und damit die Zellalterung verlangsamt. "Bei jungen Sportlern und Nicht-Sportlern sind zwar keine unterschiedlich langen Telomere nachweisbar, doch der regelmäßiger Ausdauersport aktiviert auch in diesen jungen Menschen das Enzym Telomerase in den Blutzellen", berichtet Christian Werner. Die Homburger Studie ist eines der weltweit ersten Forschungsprojekte, das die Auswirkungen sportlicher Betätigung auf die Zellalterung untersucht. Deshalb können die Forscher viele Fragen noch nicht beantworten. "Wir können zum Beispiel noch nicht sagen, wie intensiv und wie lange man trainieren muss, um die Telomerase zu aktivieren", bedauert Christian Werner. Daher planen die Homburger Mediziner weitere Studien, um die Abläufe auf der Ebene der Moleküle zu erhellen. Dabei wollen die Kardiologen weiter mit dem Institut für Sport- und Präventivmedizin an der Uni in Saarbrücken zusammenarbeiten, das von Professor Dr. Tim Meyer geleitet wird. Unter anderem soll geklärt werden, ob auch Krafttraining als Verjüngungskur taugt. Denn möglicherweise bringt der bei intensiver Muskelarbeit gestiegene Blutdruck die Telomerase ebenfalls auf Trab. Interessant ist auch die Frage, ob bereits eine einzige Trainingseinheit zu nachweisbaren Effekten in den Zellen führt. Die Wissenschaftler wollen deshalb die weißen Blutkörperchen von Läufern vor und nach dem Sport untersuchen, um die Aktivität der Telomerase beurteilen zu können. Und nicht zuletzt gilt es zu überprüfen, ob sportliche Betätigung auch bei älteren Menschen, die ein Leben lang inaktiv waren, den Alterungsprozess noch verzögern kann. "Ältere Ausdauersportler haben deutlich fittere Blutgefäße als Nicht-Sportler."Dr. Christian Werner, Universitätsklinik Homburg

Zur PersonChristian Werner ist für seine Telomer-Studie mehrfach ausgezeichnet worden. Neben dem Forschungspreis der "Freunde des Universitätsklinikums des Saarlandes e.V." wurden dem Kardiologen der Karin-Nolte-Wissenschaftspreis der Saarländisch-Pfälzischen Internistengemeinschaft und der Forschungspreis der Deutschen Stiftung für Herzforschung zugesprochen.