1. Saarland

Defensive Radler fahren sicherer

Defensive Radler fahren sicherer

Herr Rosinus, gibt es Erkenntnisse über die häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen, bei denen Fahrradfahrer verletzt werden?Rosinus: Die häufigsten Ursachen für diese Unfälle, die in der Regel von Autofahrern verursacht werden, sind Missachten der Vorfahrt an Kreuzungen und Einmündungen, Zusammenstöße beim Linksabbiegen, der

Herr Rosinus, gibt es Erkenntnisse über die häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen, bei denen Fahrradfahrer verletzt werden?Rosinus: Die häufigsten Ursachen für diese Unfälle, die in der Regel von Autofahrern verursacht werden, sind Missachten der Vorfahrt an Kreuzungen und Einmündungen, Zusammenstöße beim Linksabbiegen, der "tote Winkel" beim Rechtsabbiegen, ein zu geringer Sicherheitsabstand beim Vorbeifahren beziehungsweise Überholen sowie Fehler beim Anfahren vom Fahrbahnrand. Sofern der Radfahrer die Unfälle verursacht, stehen folgende Ursachen an erster Stelle: Falsche Fahrbahnbenutzung, Vorrang/Vorfahrt, Abbiegen und Wenden, Fahrtüchtigkeit und zu hohe Geschwindigkeit. Es gibt aber auch eine Vielzahl so genannter Alleinunfälle, bei denen Radfahrer ohne Beteiligung anderer zu Fall kommen. Unfallursachen sind in diesen Fällen unter anderem zu hohe Geschwindigkeit, unsicheres Fahren, Gegenstände auf der Fahrbahn oder falsches Bremsen.Wo passieren in der Stadt Saarbrücken die meisten Fahrradunfälle?Rosinus: Es gibt in Saarbrücken keine Unfallhäufungspunkte, bei denen Radfahrer auffallend oft beteiligt sind. Was können Radfahrer tun, um Unfälle zu vermeiden?Rosinus: Der Radfahrer wird nicht alle Unfälle und die Fehler anderer vermeiden können, aber allein eine defensive Fahrweise und das Wissen um seine besondere Gefährdung können mithelfen, die Gefahren zu reduzieren (weitere Tipps im Infokasten).Die Landespolizeidirektion rät, möglichst Radwege zu benutzen. In Saarbrücken gibt es aber nur sehr wenige Radwege. Auch auf stark befahrenen Straßen in der Innenstadt, wie zum Beispiel der Eisenbahnstraße, sind Radler gezwungen, auf der Straße zu fahren. Ist dies aus Ihrer Sicht akzeptabel?Rosinus: Rein rechtlich sind ja nur dort Fahrradwege zu benutzen, bei denen dies durch die Verkehrszeichen 237 (Radfahrer), 240 (gemeinsamer Weg für Fußgänger und Radfahrer) und 241 (getrennter Weg für Fußgänger und Radfahrer) vorgeschrieben ist. Das Benutzen sonstiger Radwege wird empfohlen, auch wenn eine Verpflichtung, sie zu benutzen, nicht besteht. Jeder Radfahrer muss darüber hinaus für sich selbst entscheiden, wie sicher er sich auf stark befahrenen Straßen außerhalb der Radwege fühlt. Wenn er sich unsicher fühlt, sollte - sofern das möglich ist - eine entsprechende Streckenplanung in Betracht gezogen werden. Wo das möglich ist, sollte man in Kombination öffentliche Verkehrsmittel nutzen.Dürfen Fahrradfahrer an stark befahrenen Straßen auf den Gehweg ausweichen, wenn ihnen kein Radweg zur Verfügung steht?Rosinus: Die ausnahmsweise Benutzung des Bürgersteiges ist - auch bei Schritttempo - nicht möglich. Nur Kinder bis zehn Jahre dürfen mit dem Rad auf dem Bürgersteig fahren. Für Kinder bis acht Jahre ist das Pflicht.Radler erleben in Saarbrücken nicht selten, dass Autofahrer sie durch einen aggressiven oder rücksichtslosen Fahrstil in Gefahr bringen - etwa durch dichtes Auffahren, zu geringen Abstand oder Abbiegen ohne vorheriges Blinken. Ist der Polizei dieses Phänomen bekannt, und was kann sie dagegen tun?Rosinus: Ein direktes polizeiliches Einschreiten erfordert natürlich, dass die einschreitenden Beamten Augenzeuge eines solches Vorfalles werden. Ansonsten können betroffene Fahrer eine Anzeige bei der Polizei machen, die gegebenenfalls als Straftat oder Ordnungswidrigkeit verfolgt wird.Umgekehrt fühlen sich Fußgänger häufig durch Fahrradfahrer gefährdet, wenn diese etwa zu schnell in der Fußgängerzone unterwegs sind. Wären gekennzeichnete Radwege wie beispielsweise in der Bahnhofstraße oder auf der Alten Brücke eine sinnvolle Lösung, mit der Radlern und Fußgängern geholfen wäre?Rosinus: Das Problem in der Fußgängerzone Bahnhofstraße hat in erster Linie etwas mit der Geschwindigkeit der Radfahrer zu tun. Erlaubt ist lediglich Schrittgeschwindigkeit. Bei Anstößen - schon bei relativ geringen Geschwindigkeiten - sind Fußgänger erheblich gefährdet. Das Anlegen eines Radweges in der Bahnhofstraße "verführt" wiederum zu höheren Geschwindigkeiten, und es bestehen Zweifel, ob Fußgänger und Radfahrer bei der großen Fußgängerdichte so zu trennen sind, dass keine Gefährdungen entstehen können.Wenn Sie selbst mit dem Rad unterwegs sind: Welches ist ihre persönliche Lieblingsstrecke in Saarbrücken?Rosinus: Der Leinpfad zwischen St. Johanner Markt, über Güdingen in Richtung Frankreich.

Auf einen BlickPolizei-Tipps für Radfahrer: Helm tragen ist keine Vorschrift, aber vernünftig! Seien Sie Vorbild für Kinder! Tragen Sie möglichst bunte, reflektierende Kleidung, um besser gesehen zu werden! Beachten Sie das Rotlicht von Ampeln, und umfahren Sie diese nicht! Viele Radfahrer haben gute Erfahrungen gemacht, auch tagsüber mit Licht zu fahren. Beim Linksabbiegen steigen Sie bei Bedarf ab, und überqueren Sie die Fahrbahn zu Fuß. Denken Sie an den "toten Winkel" und vermeiden Sie es, neben Lkw, Bussen und hohen Fahrzeugen rechts abzubiegen. Halten Sie beim Überholen oder Passieren von Hindernissen die Fahrspur ein! Halten Sie einen Sicherheits-Seitenabstand ein und fahren Sie vorausschauend! Sorgen Sie dafür, dass Ihr Rad in Ordnung ist (insbesondere Bremsen, Reifen und Klingel)! Rechnen Sie damit, dass Kinder oder Tiere plötzlich auf die Fahrbahn laufen können! Nehmen Sie Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer! Beachten Sie auch auf dem Fahrrad das Verbot, mit dem Handy zu telefonieren, fahren Sie nicht in alkoholisiertem Zustand und führen Sie als Radfahrer keinen Hund an der Leine! (Quelle: Roman Rosinus, Landespolizeidirektion) raeAuf einen BlickMehr als ein Drittel der Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind, werden in Saarbrücken von Autos verursacht. Das verrät ein Blick in die Statistik der Landespolizeidirektion. 2007 wurden im Stadtgebiet insgesamt 146 Unfälle mit Radfahrern aktenkundig. Bei 54 von ihnen trug ein Autofahrer die Schuld, vier Unfälle wurden von Lkw verursacht. In etwas mehr als der Hälfte der Fälle waren Radfahrer selbst Unfallverursacher. Meist handelte es sich dabei um so genannte "Alleinunfälle" - Stürze, an denen kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt war oder zu Schaden kam. Doch auch bei den von Radfahrern verursachten Unfällen sind Zusammenstöße mit Pkw häufig. 29 solcher Fälle führt die Statistik für 2007 auf. Zweimal kam es im vergangenen Jahr zu Zusammenstößen mit Fußgängern, die Radfahrer verursacht hatten. Etwas häufiger waren Unfälle, an denen zwei Radfahrer beteiligt waren. Bei Fahrradunfällen in Saarbrücken kam 2007 ein Radler ums Leben. 29 wurden schwer, 97 leicht verletzt. rae