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Debatte um Fluglärm geht in neue Runde

Debatte um Fluglärm geht in neue Runde

Saarbrücken. Die Grünen werfen der Bundesregierung in der Diskussion über den militärischen Fluglärm im Nordsaarland Vertuschung vor

Saarbrücken. Die Grünen werfen der Bundesregierung in der Diskussion über den militärischen Fluglärm im Nordsaarland Vertuschung vor. Der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, der saarländische Abgeordnete Markus Tressel, sagte der SZ, die Bundesregierung habe auf seine Anfrage hin nicht beziffern können, wie hoch der mutmaßliche Schaden in der Tourismusbranche sei, den der Lärm der Kampfjets verursache. "Ich gehe davon aus, dass die Erkenntnisse bewusst verheimlicht werden, um in den Übungszonen keinen weiteren Widerspruch zu generieren", sagte Tressel. Er forderte die Landesregierung auf, ein Gutachten in Auftrag zu geben, das die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Tourismus ermittelt. Tressel erklärte: "Wenn in dieser Region Kampfjets aus zahlreichen Nationen Krieg simulieren und entsprechende Luftkampfmanöver üben, schadet das der Tourismuswirtschaft des Landes erheblich." Auch die SPD-Fraktion im Saar-Landtag hatte zuletzt vor Nachteilen für die Tourismusbranche gewarnt.Markus Tressel erklärte weiter, das Saarland wolle keine Sonderbehandlung, aber "mindestens eine Gleichbehandlung mit anderen Flugzonen", in denen zum Teil deutlich engere Zeitkorridore für den Übungsbetrieb gelten würden.

Die Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm reagierte unterdessen auf Äußerungen des saarländischen Innenministeriums, das mit Verweis auf eine geringe Zahl von Beschwerdeführern vor einer Dramatisierung gewarnt und auf mögliche anti-amerikanische Motive eines Teils der Fluglärm-Gegner hingewiesen hatte (die SZ berichtete). BI-Vorstand Patrick Fey sagte, damit habe die Landesregierung gezeigt, dass sie "deutlich mehr Energie in die Diffamierung von Lärmopfern als in die Lärmreduzierung investiert". Sie habe klargemacht, dass ihr das Übungsbedürfnis ausländischer Kampfjetpiloten wichtiger sei als das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung. Fey spricht von einem "ganztägigen Luftkrieg gegen die Bevölkerung". Seit November 2011 habe es "einen kontinuierlichen Anstieg des Kampfjetlärms, im Juli einen Langzeitlärmrekord" gegeben. Fey bekannte sich "ausdrücklich als Gegner des amerikanischen Militärs", das "Angriffskriege" führe und ihn und seine Familie krankmache. kir

Foto: dpa