1. Saarland

Debatte statt Anzeige: Ortsrat spricht mit JugendExpertin: Jugend macht guten Eindruck

Debatte statt Anzeige: Ortsrat spricht mit JugendExpertin: Jugend macht guten Eindruck

Wolfersweiler. Die Vorwürfe gegenüber Jugendlichen in Wolfersweiler sind massiv: zugemüllte Plätze, Lärm, Zerstörungswut nach Trinkgelagen. An mehreren Stellen in Wolfersweiler trafen sich in letzter Zeit junge Leute, um ausgiebig zu feiern. Danach ließen sie ihren Treffpunkt in Kraut und Rüben zurück

Wolfersweiler. Die Vorwürfe gegenüber Jugendlichen in Wolfersweiler sind massiv: zugemüllte Plätze, Lärm, Zerstörungswut nach Trinkgelagen. An mehreren Stellen in Wolfersweiler trafen sich in letzter Zeit junge Leute, um ausgiebig zu feiern. Danach ließen sie ihren Treffpunkt in Kraut und Rüben zurück. "So eine extreme Situation, wie wir sie momentan erleben, gab es noch nie", schilderte der stellvertretende Ortsvorsteher Ralf Strack (SPD). Und eine Jugendliche bestätigt: "Alle Vorwürfe sind berechtigt." Doch anstelle des erhobenen Zeigefingers wollten Betroffene mit den Verursachern reden. Der Ortsrat traf sich dazu mit jungen Wolfersweilern. Ergebnis: Jugendliche verpflichteten sich, Ehrendenkmal, Spielplatz und Friedhof zu meiden - sie sind für Partys tabu.25 eingeladene 13- bis 18-Jährige waren zur Debatte in die Mehrzweckhalle gekommen. Zu Beginn stellte Moderator Uwe Regenberg klar: "Hier wird niemand an den Pranger gestellt." Vielmehr gehe es darum, Probleme aufzuzeigen, Lösungen zu finden. So gewann der ehemalige evangelische Pfarrer das Vertrauen der Jugend, vermittelte zwischen den Generationen.

Ortsvorsteher Eckhard Heylmann (SPD) ging davon aus, dass viele Schwierigkeiten mit Alkohol zu tun haben. Deshalb schlug er vor: "Wir müssen an die Eltern rankommen." Sie seien mitverantwortlich, dass ihre Kinder erst gar nicht anfangen zu trinken.

Jugendliche hingegen klagten, dass es im Ort keinen vernünftigen Treffpunkt gebe. Heylmann erwiderte, dass es mehrmals Ansätze dazu gegeben habe. Zum Wunsch nach einem Internetcafé sagte er: "Wir werden einen Platz für die Jugend finden und gucken, dass wir einen Jugendclub einrichten."

Der Ortsvorsteher sicherte zu, weiterhin mit Jugendlichen zu sprechen, wenn es um deren Belange geht. Das betreffe insbesondere Infoveranstaltungen zu Alkohol- und Drogensucht.

"Ich finde es gut, das eine Lösung gefunden wurde und jetzt was ins Rollen kommt", resümierte Laura Faßbender (16). Sandra Brand-Bochynek, Jugendleiterin der evangelischen Kirchengemeinde, kündigte an, das Haus der offenen Tür (HoT) mittwochs ab 16 Uhr zu öffnen. André Jungmann vom Nohfelder Jugendbüro bot spontan Unterstützung an. Laura Presser (16): "Alle Jugendlichen waren sehr einsichtig. Niemand hat komplett geblockt."Wie sieht Ihr Tätigkeitsfeld als Jugendleiterin aus?

Brand-Bochynek: Ich leite die Kindergruppe in unserer Kirchengemeinde. Dazu gehört auch die Leitung des Haus der offenen Tür (HoT) und die dort stattfindenden Angebote. Ich organisiere die Ferienprogramme, Tagesaktionen wie mal eine Kinderdisco und einzelne Projekte. Am wichtigsten ist mir bei allen Aktivitäten der Aufbau der Kinder-und Jugendgruppe.

Konnten Sie sich schon einen Überblick über die Wünsche und Neigungen der Kinder und Jugendlichen verschaffen?

Brand-Bochynek: Am liebsten möchten sie einen Raum für sich haben, um dort ungestört Musik zu hören und Quatsch zu machen. Tagesausflüge sind bei ihnen sehr beliebt. Die Erweiterung der Öffnungszeiten des HoT wurde von den Jugendlichen akzeptiert. Sonst schaue ich ständig, wo noch Lücken sind, und gehe gern auf die Wünsche und Vorstellungen ein, sofern das möglich ist.

Haben Sie beim Gespräch zwischen Ortsrat und Jugendlichen angesprochen gefühlt?

Brand-Bochynek: Ja. Ich fühle mich persönlich schon angesprochen. Alle Jugendlichen sind ja Besucher des HoT. Für eine etwas entspanntere Situation im Dorf suche ich schon nach Lösungsmöglichkeiten. Mir war wichtig, dass ich nicht instrumentalisiert wurde. Ich bin ja von der Kirchengemeinde angestellt worden. Niemand hat gesagt, hier ist doch jemand.

Wie erlebten Sie die Jugendlichen ´bei der Versammlung?

 Moderator Uwe Regenberg vor der Jugendgruppe. Foto: Faber
Moderator Uwe Regenberg vor der Jugendgruppe. Foto: Faber

Brand-Bochynek: Sie haben sie einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Sie haben Vorschläge gemacht und Ideen entwickelt. Sie brauchen Eigenverantwortung, damit sie lernen, wo ihre Grenzen sind. Allgemein sind sie für ein gemeinsames Miteinander, es gibt wenige Anschuldigungen untereinander.