1. Saarland

De Herrgòtt schbìllt aa mìt

De Herrgòtt schbìllt aa mìt

Parrapplééschdänder bruche mer ball aa nìmméh, die Litt kìnne ìhr Parrappléé ìn der Kìrsch ùffschbònne" (Schirmständer brauchen wir bald auch nicht mehr, die Leute können ihren Schirm in der Kirche aufspannen).

Das ist nur eine der witzigen Bemerkungen, die in dem Theaterstück "Dem Himmel sei Dank" der Laienbühne Grundviller/Lothringen vorkommen. Die CD dieses Stückes erhielt ich von Jean-Marie Beck aus Wisswiller. Darin wird mit gezinkten Karten das nötige Geld für das reparaturbedürftige Kirchendach erspielt, sogar der Pastor macht mit, denn "wanns fòòr die Kìrsche-Rennòwwierung ésch, schbìllt de Herrgòtt aa mìt."

Uns interessieren aber nicht nur die Mundarten unserer Nachbarregionen, gelegentlich greifen wir gern auch mal ein Wort aus entfernteren Gegenden auf, wie beispielsweise die "Melòòde". Der Chef der Staatskanzkei, Staatssekretär Jürgen Lennartz , erwähnte auf einer Mundartveranstaltung, dass er leider keine der saarländischen Mundarten sprechen und sie wahrscheinlich auch nicht mehr lernen könne. Er könne aber mit einem Mundartwort aus seiner Heimatstadt Köln aufwarten, mit "Melòòde". In Köln gebe es nämlich den berühmten "Melòòde"-Friedhof. Das Wort "Melòòde" gehe zurück auf französisch malade (krank) und sei durch Jahrhunderte hindurch die Bezeichnung für Leprakranke gewesen. Dazu fand ich im Rheinischen Wörterbuch die Redewendung: "Fresse brengk mih Lück no Melòòte wie Drinke" (Fressen bringt mehr Leute nach dem Melatenfriedhof als Trinken).

Christof Scheid aus Hasborn ist im Saarland und darüber hinaus bekannt als Kabarettist und Musiker und trägt als solcher zum Ansehen und zur Verbreitung seiner saarländischen Mundart bei. Zu seinem Repertoire gehört auch die Erklärung mancher "Häschberer" (Hasborner) Mundartwörter, darunter das "Millepaerdsche" (Marienkäfer). Nach Meinung von Christof Scheid geht das "Millepaaerdsche" auf französisch mille points zurück. Ich blätterte daraufhin in meinen früheren Kolumnen, in denen die verschiedenen Namen für das Marienkäferchen vorkamen. Wir erfuhren seinerzeit, dass dieser Käfer in Wadgassen "Méllchbeepchen" und in Saarlouis "Millichbeebchen" genannt wird. Man erklärte, dass dieser Name naheliegend sei, da die Marienkäfer die Blattläuse als ihre Milchkühe ansähen und diese melkten.

Dem widersprachen die Nachforschungen von Albert Thomalla aus Oberthal. Er hatte im Rheinischen Wörterbuch unter dem Stichwort Milbe an erster Stelle die Bedeutung Blattläuse und Erdflöhe gefunden. Unter dem Wort "Milbendrisser" fand er dann das Wort "Melledrisser = Marienkäfer, Siebenpunkt". Das "-paaedche" (-pferdchen) in "Méllepaaedche" erklärte Albert Thomalla damit, dass in der Oberthaler Mundart "-pærdche" das Grundwort für Käfer sei; so heiße der Goldkäfer "Góldpærdche" und der Mistkäfer "Dèiwelspærdche".

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