DDR-Zeitreise aus erster Hand

DDR-Zeitreise aus erster Hand

St. Ingbert. Betroffenheit über die Verbrechen der DDR spiegelt sich in den Gesichtern der Schüler wider. Zeitzeuge Wolf Dieter Legall berichtet über sein Leben in der ehemaligen DDR. Über hundert Schüler am Berufsbildungszentrum St. Ingbert hatten Gelegenheit, einem Zeitzeugen über das Leben in der ehemaligen DDR auf seine Reise durch 40 Jahre deutsche Geschichte zu folgen

St. Ingbert. Betroffenheit über die Verbrechen der DDR spiegelt sich in den Gesichtern der Schüler wider. Zeitzeuge Wolf Dieter Legall berichtet über sein Leben in der ehemaligen DDR. Über hundert Schüler am Berufsbildungszentrum St. Ingbert hatten Gelegenheit, einem Zeitzeugen über das Leben in der ehemaligen DDR auf seine Reise durch 40 Jahre deutsche Geschichte zu folgen. Wolf Dieter Legall war erfolgreicher Chemiker in der DDR und zeitweise Musiker bei Karat, der vielleicht bekanntesten Band der DDR. Und er war ein scharfsichtiger Beobachter des Unterdrückungsapparats in der DDR. Als Kind war Legall mit seiner Mutter aus Schlesien im heutigen Polen nach Thüringen geflüchtet, in die amerikanische Zone. Doch zogen sich die Amerikaner aus Thüringen zurück, als sie einen Sektor in Berlin bekamen, und so entschied der Zufall, dass Legall mit seiner Mutter Bürger der DDR wurde und nicht Bundesbürger oder Pole. Den Bau der Mauer erlebte er nur durch Verspätung seines Zuges, der am 13. August nicht durch Berlin fahren durfte, weil die Sektorengrenze gesperrt wurde. Legall machte klar, was sich durch die Mauer für die jungen Leute in der DDR auf einmal änderte. Träume von einem Studium im Ausland mussten begraben werden, Familien wurden zerrissen und kamen jahrelang nicht mehr zusammen. Am schlimmsten war die ständige Bespitzelung.Ganz aufmerksam wurde das Publikum, als Legall über die Montagsdemonstrationen sprach, wie er und andere Demonstranten nach Leipzig fuhren, wissend, dass sich der Staatsapparat auf ein blutiges Ende der Demonstration vorbereitet hatte. So hatte man das Personal in den Krankenhäusern verstärkt, Blutkonserven bereitgestellt und Leichensäcke lagen bereit, um Tote abzutransportieren. Nur durch Besonnenheit der Leipziger sei dieses Blutvergießen vermieden worden. "Selten haben wir Gelegenheit, Geschichte aus erster Hand zu erfahren. Wenn jemand vor einem steht, der selbst dabei war, dann bekommt man einen ganz anderen Eindruck von den Vorgängen. Das können auch Fernsehen und Internet nicht bieten", war der Kommentar vieler Schüler. Joachim Frenzel-Paal dankte im Namen der Schule Wolf Dieter Legall und Burkhard Jelloneck, dem Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, auf dessen Einladung Legall nach St. Ingbert gekommen war. red