1. Saarland

Das tolle, aber nicht so wichtige Erlebnis

Das tolle, aber nicht so wichtige Erlebnis

Der TuS Herrensohr hat vor knapp 1300 Zuschauern gegen Regionalligist 1. FC Saarbrücken zwar mit 1:3 verloren, sich aber prima aus der Affäre gezogen. Der Pokalhit war jedoch nur Nebensache. Für Trainer Eichmann zählt die Saarlandliga.

Nur mit einem Handtuch bekleidet bahnt sich Kevin Behrens den Weg durch den Kabinentrakt am Herrensohrer Sportplatz. Der Stürmer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken will Daniel Hein, Torwart des Saarlandligisten TuS Herrensohr, sein Trikot schenken. "Das hast du dir verdient", sagt der Profi zu Hein, der FCS-Fan ist. "Das war ein unbeschreiblicher Abend für mich", erklärt Hein, der sonst mit dem Fanclub "Supporters" den FCS anfeuert: "Eine ganz neue Perspektive. Einfach ein Traum."

Hein und Behrens waren beim 3:1 (1:0)-Sieg des Favoriten FCS vor etwa 1300 Zuschauern in Herrensohr am Mittwoch zwei der auffälligsten Akteure. Zwei Stunden vor der Szene in der Kabine hatte TuS-Torwarttrainer Uwe Ballas - Vater von Zweitliga-Profi Florian Ballas von Dynamo Dresden - seinen Schützling nochmal richtig eingestimmt: "Daniel wird seinen Jab machen. Er ist keine Spur nervös." Tatsächlich: Hein strahlte Ruhe aus. Und auch die Viererkette des Saarlandliga-Aufsteigers TuS Herrensohr stand gut. Davor sorgte eine Dreierreihe zusätzlich für Stabilität.

Der frühere FCS-Profi und -Trainer Bernd Eichmann ließ seine TuS-Mannschaft kontern. Den ersten Konter nutzte Jannick Kurz zum vermeintlichen 1:0 für den Außenseiter. Doch Schiedsrichter Fabian Knoll aus Kleinottweiler sah den Angreifer in der 14. Minute im Abseits. "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", lobte Eichmann. Nur ein Mal stimmte die Abstimmung nicht. Manuel Zeitz spielte einen Pass in die Schnittstelle der TuS-Abwehr - Tammo Harder ließ Hein keine Chance und brachte die Gäste in Führung (37. Minute).

"Wir sind zurückgekommen, das war stark", sagte Eichmann: "Aber leider konnten wir das 1:1 nicht lange halten. Sonst wäre der FCS vielleicht nervös geworden." Sechs Minuten nach der Pause patzte FCS-Torwart Ricco Cymer. Clemens Baltes glich aus dem Getümmel zum 1:1 aus. Die Freude dauerte keine 120 Sekunden. Dann schüttelte Behrens zwei Verteidiger ab und überwand Hein zur erneuten Führung. Der FCS-Stürmer traf sieben Minuten vor dem Ende nach Vorarbeit von Harder auch zum 3:1-Endstand.

"Herrensohr hat eine sehr gute, spielerisch starke Mannschaft", lobte Saarbrückens Trainer Dirk Lottner. Er ergänzte: "Wir haben das seriös und ernsthaft zu Ende gespielt und freuen uns nun auf das Halbfinale gegen den FC Homburg." Der Sieg seiner Mannschaft hätte höher ausfallen können, doch Hein wuchs gegen seinen Lieblingsverein über sich hinaus. "Meine Vorderleute haben nicht viel zugelassen. Und für das, was auf das Tor kommt, bin ich zuständig", sagte Hein, der acht Monate pausiert hatte und zum Restrundenbeginn wieder ins Tor der Herrensohrer zurückgekehrt war.

Während der FCS spielfrei ist, kehrt für Herrensohr am Sonntag um 15 Uhr der Alltag wieder ein. "Es war für die Spieler sicher ein tolles Erlebnis", sagt Eichmann, "aber wir spielen nun beim VfB Dillingen. Und wenn es vielleicht komisch klingt: Das ist für uns das wichtigere Spiel." Das wichtige Erinnerungsstück - das Trikot von Behrens - wird bei FCS-Fan Hein einen Ehrenplatz bekommen.