1. Saarland

"Das Rote Kreuz ist auch in Afghanistan vor Ort"

"Das Rote Kreuz ist auch in Afghanistan vor Ort"

Herr Lahann, Landeskonventionsbeauftragter des Roten Kreuzes: Was ist das?Lahann: Eine der wesentlichen Aufgaben des Roten Kreuzes ist die Verbreitungsarbeit, also die Information der Zivilbevölkerung über ihre Rechte in Krisenzeiten und natürlich auch die Überwachung der Einhaltung der Genfer Konventionen und der sonstigen Regeln des humanitären Völkerrechts in Krisengebieten

Herr Lahann, Landeskonventionsbeauftragter des Roten Kreuzes: Was ist das?Lahann: Eine der wesentlichen Aufgaben des Roten Kreuzes ist die Verbreitungsarbeit, also die Information der Zivilbevölkerung über ihre Rechte in Krisenzeiten und natürlich auch die Überwachung der Einhaltung der Genfer Konventionen und der sonstigen Regeln des humanitären Völkerrechts in Krisengebieten. Als Landeskonventionsbeauftragter ist es meine Aufgabe, insbesondere die Verbreitungsarbeit im Saarland zu koordinieren.

Wofür braucht man das im Saarland?

Lahann: Glücklicherweise beschränkte sich unsere Tätigkeit in Deutschland bislang auf die Information der Bevölkerung. Dies ist auch mit ein Grund, warum die verbandsinternen Strukturen zur Konventionsarbeit im Saarland derzeit nicht so stark ausgebildet sind und wir auch hinsichtlich unserer eigenen Mitglieder verstärkt wieder über die Rolle des Roten Kreuzes als Wächter des humanitären Völkerrechts informieren müssen. Trotzdem ist es uns ein Anliegen, das Wissen über dieses wichtige Thema verstärkt in den eigenen Verband und in die Öffentlichkeit zu bringen.

Können Sie Beispiele nennen, was genau Sie in dieser Funktion konkret bisher getan haben?

Lahann: Wie gesagt, im Moment geht es in erster Linie um Verbandsarbeit, also Aufbau von Strukturen und Motivation von Interessenten, die es sich vorstellen könnten, als Multiplikator tätig zu werden. Da das Thema ein sehr kontrovers diskutiertes sein kann, gehört es auch zu meinen Aufgaben, in die Ortsvereine und Kreisverbände des Roten Kreuzes zu gehen, um dort mit unseren Mitgliedern zu diskutieren oder an öffentlichen Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen.

Es taucht ja nie in den Medien auf: Wird auch der Einsatz der Bundeswehr, der Saarlandbrigade, auf Einhaltung der Genfer Konvention beobachtet und bewertet?

Lahann: Das Rote Kreuz ist auch in Afghanistan vor Ort und überwacht dort die Einhaltung der Regeln des humanitären Völkerrechts. Konkret ist dies aber Aufgabe des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) und nicht des Deutschen Roten Kreuzes. Das sind keine einfachen Einsätze, auch nicht für das Rote Kreuz. Die Delegierten des IKRK sind für derartige Einsätze spezialisierte Experten.

Gab es da schon konkrete Anlässe?

Lahann: Die Arbeit des Roten Kreuzes vor Ort beruht auf dem Prinzip der Neutralität. Um einen möglichst breiten Zugang des IKRK zu den Konfliktparteien zu ermöglichen, ist es erforderlich, dass Berichte des IKRK streng vertraulich behandelt werden und nicht in die Öffentlichkeit geraten. Mir sind keine negativen Rückmeldungen zur Arbeit der Bundeswehr bekannt, ich würde aber auch nicht über erfolgte Rückmeldungen informiert werden.

Ist die Genfer Konvention überhaupt noch aktuell, also ein international akzeptiertes Regelwerk in Zeiten so genannter asymmetrischer Kriege wie in Afghanistan?

Lahann: Die Geschichte des humanitären Völkerrechts lehrt, dass es den technologischen Entwicklungen der Kriegsführung leider viel zu oft hinterher hängt. Trotzdem halte ich es für erforderlich, auch in Zeiten des Krieges bestimmte Grundregeln einzuhalten, um die humanitäre Katastrophe zu begrenzen und Versöhnung und ein friedliches Zusammenleben nach Beendigung des Krieges zu ermöglichen. Es ist richtig, dass das humanitäre Völkerrecht auf der Idee der gegenseitigen Anerkennung und Beachtung der Regeln beruht. Dies ist in den so genannten asymmetrischen Kriegen nicht unbedingt gegeben. Trotzdem darf dies aus meiner Sicht nicht dazu führen, dass keine Seite sich mehr an die Regeln des humanitären Völkerrechts hält. Wir dürfen nicht vergessen, dass das humanitäre Völkerrecht nur Minimalregeln für die Kriegsführung aufstellt. Diese nicht einzuhalten stellt für unsere Streitkräfte keine Option mehr da.

Können Sie in zwei Sätzen den wichtigsten Inhalt der Genfer Konvention wiedergeben?

Lahann: Schutz verwundeter und kranker Soldaten, die Behandlung von Kriegsgefangenen, der Schutz der Zivilbevölkerung, Verbot der Verwendung bestimmter Waffensysteme, die besonders nachteilige Konsequenzen für die Zivilbevölkerung haben.