1. Saarland

"Das Pferd ist das Medium"

"Das Pferd ist das Medium"

Wadern/Nuhweiler. An der langen Leine dreht das Pferd Otis einen großen Kreis, geführt von Patricia Hoffmann. Der neun Jahre alte Felix kniet mit einem Bein auf dem Pferderücken, streckt das andere Bein nach hinten. Mit den Händen hält er sich an einem Gurt fest, der um Otis' Oberkörper geschnallt ist. Benjamin, ein weiteres Kind schaut zu, gleich ist er an der Reihe

Wadern/Nuhweiler. An der langen Leine dreht das Pferd Otis einen großen Kreis, geführt von Patricia Hoffmann. Der neun Jahre alte Felix kniet mit einem Bein auf dem Pferderücken, streckt das andere Bein nach hinten. Mit den Händen hält er sich an einem Gurt fest, der um Otis' Oberkörper geschnallt ist. Benjamin, ein weiteres Kind schaut zu, gleich ist er an der Reihe.Was hier auf dem Reitplatz des Lindenhofes in Nuhweiler wie Voltigieren aussieht, Turnen mit dem Pferd also, ist eine Szene aus einer Übungsstunde im heilpädagogischen Reiten. Pferde eignen sich nämlich auch zur Therapie von Erkrankungen, der Fachmann spricht dabei vom therapeutischen Reiten. Drei verschiedene Formen gibt es da, zum einen die Krankengymnastik mit Hilfe des Pferdes. Sie wird gerne bei spastisch Erkrankten eingesetzt, "um Muskeln zu lockern, die die Menschen nicht mehr lockern können", erklärt Hoffmann. Zum zweiten gibt es Reiten als eine Form des Leistungssportes für Behinderte. Die dritte Gruppe bildet das heilpädagogische Reiten. Das bietet Patricia Hoffmann an. "Das heilpädagogische Reiten ist gedacht für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten", erklärt sie. Kinder, die sich nicht an Regeln halten können, sich nicht in eine Gruppe einfügen können. Aber auch welche, die sich nichts zutrauen, kein Selbstwertgefühl haben und so isoliert sind. Oder für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, geistiger Behinderung, Autismus, Lernbehinderungen. "Das Pferd ist dabei das Medium", erklärt Hoffmann den Therapieansatz. Da es darum geht, die Kinder gruppenfähig zu machen, findet das heilpädagogische Reiten in Gruppen bis zu sechs Kindern statt. Die kommen schon vor der Reitstunde zusammen. Sie holen das Pferd von der Weide, putzen es gemeinsam. Die Kinder legen fest, wer wann an die Reihe kommt, die Gruppe gibt sich eigene Regeln. Hoffmann: "Diese Gruppendynamik ist wichtig."Die Kinder lernen, auf das Pferd zu achten. Hoffmann: "Ein Pferd hat viel Mimik. Wie stellt es die Ohren? Wie reagiert es auf Geschrei oder leise Töne?" Und weiter: "Das Pferd reagiert auf direktes Handeln. Dabei ist es vorurteilsfrei und nicht nachtragend." Anders als viele Menschen eben. Deshalb ist für Hoffmann klar: "Kinder haben leichteren Zugang zum Pferd." Die Übungen, die die Kinder auf dem Pferd machen, ähneln dem Voltigieren. Da geht es ums Gleichgewicht, ums Taktgefühl und die Motorik. Allerdings ist nicht jedes Pferd für das heilpädagogische Reiten geeignet. Ihr Pferd Otis, einen 14 Jahre alten Zweibrücker Halbblüter, beschreibt Patricia Hoffmann als sensibel, ruhig und gut zu händeln. Es sei nervenstark in verschiedensten Situationen.Patricia Hoffmann hat die Trainerausbildung gemacht, darf Reitunterricht geben. Sie hat sich beim Deutschen Kuratorium für heilpädagogisches Reiten fast zwei Jahre lang fortgebildet. Beruflich ist sie Sozialarbeiterin bei der St. Wendeler Jugendhilfe. vfDas therapeutische Reiten bietet sie auf dem Lindenhof in Nuhweiler in Lockweiler an. Wer sich für ihre Kurse interessiert, kann sich bei Patricia Hoffmann melden unter Telefon (0176) 761 802 63.