1. Saarland

Das Original ging in den 1950er Jahren verloren

Das Original ging in den 1950er Jahren verloren

Ludweiler. Nur ein Schwarz-Weiß-Foto ist dem Turnverein Ludweiler-Warndt e. V. von seiner originalen Vereinsflagge geblieben. Die ging zwischen 1955 und 1962 verloren - damals war der Verein aufgelöst und neu gegründet worden. Bei der Auflösung 1955 spielten politische Konflikte und die bevorstehende Abstimmung zum Saarstatut eine große Rolle

Ludweiler. Nur ein Schwarz-Weiß-Foto ist dem Turnverein Ludweiler-Warndt e. V. von seiner originalen Vereinsflagge geblieben. Die ging zwischen 1955 und 1962 verloren - damals war der Verein aufgelöst und neu gegründet worden. Bei der Auflösung 1955 spielten politische Konflikte und die bevorstehende Abstimmung zum Saarstatut eine große Rolle. "Die Fahne haben wir dabei leider völlig aus den Augen verloren. Auch die Flöten unseres starken Spielmannszuges gingen verloren, und der Zug wurde nicht mehr ins Leben gerufen", sagt Knut Duchêne, bedauernd, seit 1969 Präsident des Turnvereins. Aber so sollte es nicht bleiben. Vor dem 90-jährigen Vereinsjubiläum, das 1984 stattfand, wurde vor allem den älteren Mitgliedern bewusst, dass unbedingt eine Fahne her müsse, egal zu welchem Preis. Gesagt, getan: Duchêne gestaltete mit Hilfe anderer Vereinsmitglieder einen Rohentwurf. "Dank unseres Schatzmeisters Emil Beinstingel konnte die Fahne ohne Spenden angefertigt werden, also nur mit den Einnahmen des Turnvereins", erzählt er. Vom Hörensagen war dem Verein die Obersalbacher Firma Schwarz bekannt; dort ließ man die Fahne herstellen. Sie kostete damals 2800 DM. Schlicht ist die Turnerfahne gehalten. Auf weißem Hintergrund ist das Ludweiler Wappen zu sehen, umgeben vom Schriftzug "Turnverein von 1894 Ludweiler-Warndt e. V.". Der Löwe, der im Wappeninneren zu sehen ist, soll Behendigkeit und Kraft ausdrücken - Eigenschaften, die ein Turner haben sollte. "Diesem Symbol muss man als Turnverein Rechnung tragen", sagt der 66-jährige Duchêne überzeugt. Rote Turnerkreuze befinden sich in den vier Ecken, eine goldene Umrahmung gibt dem Motiv etwas Edles. Auf der Rückseite prangt das rote Turnerkreuz im Großformat und erinnert an den Turner-Wahlspruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei", umstickt von vier Ehrenkränzen und dem Gründungsdatum des Vereins aus Ludweiler. "Geweiht haben wir die Fahne 1984 nur intern. Doch seitdem war sie auf vielen Veranstaltungen dabei, zum Beispiel auf Turnfesten, Festumzügen und 2004 auch beim 400-jährigen Jubiläum von Ludweiler", erzählt Duchêne. Besonders einprägsam war aber das Deutsche Turnfest 1987 in Berlin: Dort wurde die Fahne erstmals groß präsentiert.Momentan hat sie ihren Platz im Vereinskeller, der sich im Haus von Knut Duchêne befindet. Nicht nur die Vereinsfahne lagert dort, sondern auch Ehrenpreise, Teilnahmebänder und Thermoskannen - alles, was der Turnverein über die Jahre zusammengetragen hat. Wenn eine Abteilung die Fahne für Wettkämpfe benötigt, genügt ein Anruf bei dem langjährigen Turner. "Unsere Fahne kommt immer unversehrt zurück, sie ist sozusagen das Heiligtum des Turnvereins Ludweiler", sagt Knut Duchêne vergnügt. bub