Das Militär zeigt Verständnis für Anwohner in Bezug auf Fluglärm im Nordsaarland

Militär zeigt Verständnis für Anwohner : Annäherungen beim Fluglärm-Gipfel

Vertreter der deutschen und amerikanischen Streitkräfte diskutierten am Donnerstag in Wadern über Fluglärm im Saarland. Ändern soll sich vor allem die Informationspolitik.

„Fortschritte“ im Umgang mit Fluglärm im Nordsaarland hat nach Ansicht von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) ein Treffen am Donnerstag in Wadern gebracht. Mit dabei waren hochrangige Militärs der Bundeswehr sowie ein General der US-Streitkräfte. Sie beteiligten sich an einer internen Diskussionsrunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Lokal- und Landespolitikern sowie Vertretern der Bürgerinitiative.

Bei den Gesprächen wurde nach Angaben von Teilnehmern eine bessere Informationspolitik in Bezug auf Fluglärm vereinbart. Zudem sicherten die Militärs zu, Übungsflüge – soweit es möglich ist – am Tage und nicht in den Abend- oder Nachtstunden abzuhalten. Nach Aussage von Bouillon werde zudem auf amerikanischer Seite geprüft, mehr Übungen ins europäische Ausland zu verlegen. Die US-Luftwaffe ist für einen großen Teil des Fluglärms in der Region verantwortlich. Derzeit sind die hier stationierten Flugzeuge der US-Airforce allerdings für Übungen in Portugal.

Der Minister machte nach den Gesprächen aber auch deutlich: „Freiheit ohne Sicherheit gibt es nicht. Gewisse Übungen müssen gemacht werden, wo sie erforderlich sind.“ Dabei verwies er auf die derzeit schwierige Sicherheitslage in der Welt. Bouillon zeigte sich aber zufrieden damit, dass die Flüge nun nicht mehr freitags nach 13 Uhr stattfinden. Der Minister wies außerdem daraufhin, dass die Anzahl der Militär-Flüge in den vergangenen zehn Jahren bereits drastisch zurückgegangen sei: Statt 900 gebe es inzwischen nur noch 250 Slots (Zeitfenster für Starts und Landungen) pro Jahr für den militärischen Luftraum „TRA Lauter“, der das Saarland sowie das südliche Rheinland-Pfalz umfasst. Viele Beschwerden über gleichbleibenden Fluglärm seien insofern auch auf eine „subjektive Wahrnehmung“ zurückzuführen. Im Übrigen kämen 92 Prozent der Beschwerden bei ihm im Ministerium von gerade einmal zwei Familien, fügte Bouillon hinzu.

Für die Bundeswehr nahm unter anderem Drei-Sterne-General Markus Laubenthal an dem Treffen in Wadern teil. Er ist Leiter der Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium. Man nehme die Sorgen der Anwohner sehr ernst, betonte der Generalleutnant. „Wir müssen eine Balance aus Übungserfordernissen und den berechtigten Forderungen der Anwohner finden. Die Amerikaner denken und fühlen da wie wir.“ Öffentlich äußern wollte sich Brigadier General Charles S. Corcoran, der für die United States Air Forces in Europe (USAFE) mit Sitz in Ramstein an dem Treffen teilnahm, gestern nicht.

Insofern war es Laubenthal, der vor der Presse auch für die Belange der Militärs warb: Die Luftwaffen-Stützpunkte lägen nun einmal hier in der Region. Deshalb sei es auch aufgrund der Kosten nicht vertretbar, immer erst mehrere Stunden zum Übungsgebiet zu fliegen. Außerdem: „Die Piloten finden hier ideale Bedingungen.“ Der General versprach aber, Übungsflüge, wo immer es geht, am Tage starten zu lassen. Allerdings: „Manche Übungen können wir nur nachts durchführen.“ Quintessenz des gestrigen Treffens war für Laubenthal, dass sich die Informationspolitik verbessern muss. Im Vorfeld bestimmter Übungen müsse man besser Rücksprache mit den Kommunalpolitikern vor Ort halten.

Diesen Ansatz begrüßte grundsätzlich auch Holger Marzen, der als Vorstand der Bürgerinitiative (BI) gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung an dem Treffen teilnahm. Er war zudem dankbar für die zusätzlichen Hintergrund-Informationen, die er am Donnerstag in Wadern bekam. Allerdings fügte er auch hinzu: „Wir wollen nicht besser informiert werden, sondern weniger Fluglärm.“ Auch er erkenne die Bedrohungslage in der Welt. Die betreffe aber nicht nur das Saarland, fügte er spitz an. Insofern seien die Lasten des Fluglärms ungleich verteilt. In diesem Zusammenhang verwies er auf eine Drucksache des Deutschen Bundestags: Demnach gab es im Luftraum „TR Lauter“ im Jahr 2017 an insgesamt 220 Tagen jeweils mehr als dreieinhalb Flugstunden von Kampfjets. Insgesamt habe es demnach im „TRA Lauter“ 788 Nutzungsstunden gegeben – laut BI so viele wie in keinem anderen Übungs-Korridor in Deutschland. „Das muss drastisch heruntergefahren werden“, forderte Marzen – und zwar um die Hälfte. Die Betriebszeiten müssten deshalb zusammengestrichen werden. Etwa sei nicht einzusehen, warum die Amerikaner ihre Piloten für die Hercules-Maschinen ausgerechnet in der Region ausbilden müssten. „In einem ohnehin hochbelasteten Gebiet muss man da ganz genau hinschauen“, sagte Mazen.

Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation hat der Primstaler nach eigenen Angaben noch nicht aufgegeben. Ebenso wie Minister Bouillon: „Die Tatsache, dass wir auf Verständnis gestoßen sind, ist ein gutes Zeichen“, sagte er. „Ich denke, wir werden hier noch weitere Kompromisse erreichen.“

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