Das Leben einer modernen Seligen

St. Wendel. Um die Sozialarbeiterin und "Mystikerin der Straße", wie sie genannt wurde, ein wenig mehr bekannt zu machen, hatte die jährliche Namenstagsfeier des Katholischen Deutschen Frauenbundes St. Wendel diesmal die 1904 geborene Französin Madeleine Delbrel zum Thema

 Madeleine Delbrel (Christine Hoff, Vierte von links), um die sich das Theaterstück drehte, im Kreise ihrer Mitarbeiterinnen.foto: Frauenbund

Madeleine Delbrel (Christine Hoff, Vierte von links), um die sich das Theaterstück drehte, im Kreise ihrer Mitarbeiterinnen.foto: Frauenbund

St. Wendel. Um die Sozialarbeiterin und "Mystikerin der Straße", wie sie genannt wurde, ein wenig mehr bekannt zu machen, hatte die jährliche Namenstagsfeier des Katholischen Deutschen Frauenbundes St. Wendel diesmal die 1904 geborene Französin Madeleine Delbrel zum Thema. Das Vereinsmitglied Gisela Hoffmann hatte über sie ein Theaterstück geschrieben, welches im Cusanushaus aufgeführt wurde.Madeleine Delbrels Idee war es, die Ungläubigen durch Taten zu erreichen, nicht durch Worte allein. Beileibe war es kein trockener Stoff, dessen sich Gisela Hoffmann angenommen hatte. Sie verstand es, das Thema und das Anliegen lebendig darzustellen und die Schauspieler zu einem engagierten Rollenspiel zu animieren. Der erste Akt des Stückes führte in die dreißiger und vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und zeigte, wie sich Madeleine Delbrel (Christine Hoff) und ihre Mitarbeiterinnen der Aufgabe stellen, den ausgebeuteten Arbeitern in Paris bei der Bewältigung ihrer Probleme zu helfen.

Gegen Vatikan und Kirche

Geradezu prophetisch nahmen die jungen Frauen schon dreißig Jahre vor dem Konzil die Lebensform der Laien vorweg. Aber die Kirche war mit der Lebensweise der Frauen nicht einverstanden, wollte sie vielmehr als Nonnen hinter Klostermauern abgeschirmt von der Welt als Beterinnen wissen. Auch die segensreiche Zusammenarbeit der sogenannten Arbeiterpriester mit Madeleine Delbrel war ihr ein Dorn im Auge und sie verbot sie kurzerhand.

Der zweite Akt handelte von der Produktionsgemeinschaft Ibéri. Madeleine Delbrel gelingt es, durch die Produktion und den Verkauf des Mandelgebäcks "Touronne" 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Das Geld kam den Fabrikarbeiterinnen zugute. Aber auch das war dem Vatikan nicht recht, eine weitere Enttäuschung für die beliebte Sozialarbeiterin. Immerhin: Im Cusanushaus konnten die süßen spanischen Kekse mit der Nase und dem Gaumen genossen werden. Das engagierte Spiel der Darstellerinnen beeindruckte, offenbar waren sie ganz und gar von der Arbeit dieser modernen Seligen überzeugt. Auch nach der Kaffeepause kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. "Die alte deutsche Eiche", ein Stegreifspiel ohne Worte mit lustig kostümierten Schauspielern, bekam viel Beifall. Dabei spielte Hilde Abel, das älteste Mitglied des Frauenbundes, mit viel Grazie die Königin. gtr

Auf einen Blick

Die Darsteller des Theaterstücks: Christine Hoff, Ursel Fried, Anne Kessler, Carmen Loch, Christel Ritter, Ursel Leschniowski, Hiltrud Stein. Autorin: Gisela Hoffmann. Idee: Edeltrud Kockler. Regie: Christine Hoff. gtr