„Das Land lässt die Kommunen hängen“

„Das Land lässt die Kommunen hängen“

Trotz angespannter Kassenlage will die Kreisstadt Neunkirchen die Herausforderungen des Jahres 2014 selbstbewusst angehen. Oberbürgermeister Jürgen Fried skizzierte beim Neujahrsempfang die Ausgangslage.

Dass das persönliche Gespräch auch im Zeitalter der virtuellen Kommunikation hoch im Kurs steht, hat einmal mehr der Neujahrsempfang der Stadt Neunkirchen bewiesen. In der neuen Gebläsehalle standen am Donnerstagabend in Saal und Foyer mehr oder minder lebhafte Gesprächsgruppen zusammen. Zuvor war allerdings Zuhören angesagt: Wohl mehr als 700 Gäste aus allen gesellschaftlichen Bereichen lauschten der Aufbruchsrede von Oberbürgermeister Jürgen Fried und der Uraufführung des "Lieds für Neunkirchen". Letzteres trug - unterstützt von Komponistin und Texterin Aino Laos und einem eigens zusammengestellten Chor - das Neunkircher Gewächs Matthias Stockinger vor, der in der professionellen Musicalszene beheimatet ist. Die schwärmerische Ballade wurde mit freundlichem Applaus bedacht, wenn auch mancher "echte Neinkeijer" bei der Refrain-Zeile "Neunkirchen" (mit Betonung auf der zweiten Silbe) zusammenzuckte. Der OB jedenfalls bekannte sich zur musikalischen Liebeserklärung an seine Stadt: "Ich find's gut!"

In seiner Ansprache betonte Jürgen Fried, dass ein Neunkirchen im Wandel "begeisterungsfähige Menschen" als "Schrittmacher" brauche. Er verwies erneut auf den wirtschaftlichen und demografischen Umbruch. Einzuplanen sei auch eine "neue Lust auf Stadt", die sich laut Zukunftsforscher Professor Horst Opaschowski bei den Menschen entwickeln werde. Diesem Trend wolle man im Rathaus auf den vier Handlungsfeldern "Wirtschaft fördern, Arbeitsplätze schaffen - Familie und Soziales - Kultur, Sport, Freizeit - Neues städtisches Leben" gerecht werden. Der Verwaltungschef hob auch das Engagement von Unternehmensmanagern und Investoren hervor, was vom Empfangspublikum mit Applaus honoriert wurde.

Der OB sparte erneut nicht mit Kritik am Land. So sei es ein "Strickfehler" bei der schulischen Ganztagsbetreuung, dass das Land den wünschenswerten Ausbau der echten Ganztagsschulen forciere, die Kommunen aber auf Investitions- und Personalkosten sitzen lasse. Auch verfolge die Saarbrücker Regierung eine undurchsichtige Förderpraxis für die Kommunen und verweigere bisher ein seit langem gefordertes Landesentwicklungsprogramm. Und schließlich verstärke sie den finanziellen Aderlass der Gemeinden durch "gewaltige Eingriffe" in den kommunalen Finanzausgleich. Was Fried zur Frage: "Ist das System noch in Ordnung?" veranlasste. Ein Hoffnungsschimmer sei immerhin, dass sich die neue große Koalition in Berlin nun der Altschuldenproblematik annehmen wolle.

Ungeachtet dessen, würden er und sein Team weiterhin "Schritt für Schritt" eine erfolgreiche Entwicklung der Stadt angehen, so der Rathauschef. Zwar seien Begriffe wie "MENSCH, Neunkirchen" und "Schrittmacher" nur Symbole, doch sie stünden "für unser aller Einsatz und Leidenschaft für Neunkirchen". Auch kleinere Dinge seien wichtig für das Image der Stadt - etwa das Steelecht-Shirt oder das Wurstprodukt Neinkeijer. Und zwei weitere Symbole kämen an diesem Abend hinzu: Einmal eine Neunkirchen-Uhr der renommierten Frankfurter Firma "Sinn Uhr", umgesetzt vom "Neinkeijer Bub" Lothar Schmitt. Und eben das vorgestellte "Lied für Neunkirchen".

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