1. Saarland

Das Land braucht Kinder-Versteher

Das Land braucht Kinder-Versteher

Die sonderpädagogische Zusatzausbildung für Erzieher hat jetzt an der Edith-Stein-Schule Neunkirchen ein Zuhause gefunden.

Der aktuelle Erzieher-Jahrgang, der seine zweijährige sonderpädagogische Zusatzausbildung absolviert, erlebt ein Kuriosum: Gleich zwei Mal sind die Kursteilnehmer schon umgezogen, besuchen jetzt ihren Unterricht am dritten Standort. Seit Januar sind sie aber dauerhaft an der Edith-Stein-Schule untergebracht. Ein Vertrag zwischen der Bistumsschule (Akademie für Erzieherinnen und Erzieher) und der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Saarbrücken, Träger der Maßnahme, ist unterzeichnet. Alle Seiten sind mehr als zufrieden.

Der Träger, der sich über ein gutes Raumangebot und einen kompetenten Partner freut, wie Birgit Persch-Klein von der KEB feststellt. Die Schule, die auch einen eigenen Vorteil sieht, wie Schulleiter Markus Kirsch zugibt: "Wir hoffen schon, dass unsere Schüler merken, das da jetzt diese Fortbildung läuft. Und wir wollen, dass sie vielleicht auch mal diese Fortbildung machen." Insgesamt zählt die Bischöfliche Fachschule für Soziapädagogik in der Neunkircher Steinwaldstraße derzeit 305 Frauen und Männer. Die KEB Saarbrücken kooperiert bei der Zusatzqualifizierung zudem mit der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung Ottweiler und dem Pallotti-Haus Neunkirchen.

Das Angebot der KEB richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher. Alle, die in pädagogischen Arbeitsfeldern wirken und Lust auf Spezialisierung und Weiterbildung haben, wie es im Flyer heißt.

Eine qualifizierte pädagogische Arbeit wird von Einrichtungen immer stärker nachgefragt. Da sind sich Kirsch, Persch-Klein und Heide Heckel im Gespräch mit unserer Zeitung einig. Heckel (69) war viele Jahre Lehrerin an der Schule, berät und organisiert jetzt weiterhin bei der Zusatzqualifizierung. "Wir sind sehr froh, dass wir sie dabei haben", sagt Persch-Klein mit Blick auf die Frau mit der großen Erfahrung. "Wir brauchen Fachkräfte, die die individuellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit hoher Sensibilität erkennen und sie in ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen können", sagt Heckel. Sie müssen Kinder und Jugendliche aufmerksam wahrnehmen, ihr Verhalten deuten und verstehen, pädagogisch passend reagieren. Heute, so die Runde weiter, seien eine Erzieherin oder ein Erzieher im Kindergarten immer stärker gefordert - steigende Zahl von Kindern mit Migrations- oder Fluchthintergrund, von Kindern, deren Eltern bei der Erziehung an ihre Grenzen stoßen, von Kindern, denen grundlegende Sozialverhaltensformen fehlten, von Kindern mit ADS/ADHS, von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, zum Beispiel Asperger-Syndrom bis hin zu Hochbegabung.

Wer sich für die Zusatzqualifizierung entscheidet, denkt auch an bessere Chancen am Arbeitsmarkt, höhere Vergütung, aber auch an Verbesserung der eigenen Arbeit, glauben Kirsch und Heckel. In der Alltagsarbeit stellten sich viele immer mal wieder die Frage: Was muss ich noch wissen? Geschätzt 80 bis 90 Prozent der Kursteilnehmer ziehen die zwei Jahre erfolgreich durch, beobachtet Persch-Klein. Das nötigt ihr ebenso wie Kirsch und Heckel Respekt ab: Die Ausbildung umfasst nämlich 710 Ausbildungsstunde berufsbegleitend. Der Unterricht findet statt montagabends 17.45 bis 21 Uhr und freitagnachmittags 14.30 bis 19.30 Uhr.

Fächer sind allgemeine Sonderpädagogik, Psychologie, Didaktik, Förderpädagogik, Recht Medizinische Grundlagen, Psychomotorik, Physiotherapie, Rhythmik, Inklusionspädagogik, Frühförderung, Logopädie, Musik und Ergotherapie. 16 Dozenten sind im Einsatz. Der neue Kurs beginnt im Herbst. Und dieser Jahrgang wird nicht mehr umziehen müssen.

Zum Thema:

Sonderpädagogische Zusatzausbildung Der nächste Kurs beginnt am 1. September 2017. Bereits am 26. Juni findet zur Vorbereitung ein Info-Abend statt. Anmeldung/Infos: KEB, Außenstelle Neunkirchen, Telefon (0 68 21) 1 79 94 51. E-Mail info@keb-neunkirchen.de.