"Das ist das Bild, wo Gott faul war"

Werschweiler. Die sechsjährige Karina Piegza beugte sich ganz konzentriert über das vor ihr liegende Stück weißen Leinens. Ab und zu tauchte sie den Pinsel in eine der Farben auf der Palette, dann wieder in das Glas mit Wasser, um ihn von der Farbe zu säubern. Den blauen Himmel und die strahlende Sonne hatte das Mädchen schon fast fertig gemalt

Werschweiler. Die sechsjährige Karina Piegza beugte sich ganz konzentriert über das vor ihr liegende Stück weißen Leinens. Ab und zu tauchte sie den Pinsel in eine der Farben auf der Palette, dann wieder in das Glas mit Wasser, um ihn von der Farbe zu säubern. Den blauen Himmel und die strahlende Sonne hatte das Mädchen schon fast fertig gemalt. "Das ist das Bild, wo Gott faul war", antwortete sie auf die Frage, für welches Motiv aus der biblischen Schöpfungsgeschichte sie sich entschieden habe. Karina hatte den siebten Tag ausgesucht, an dem sich Gott nach vollendetem Werk einen Ruhetag gönnte.Die Dorfkirche war der ideale Ort für das Herbstprojekt des Fördervereins Werschweiler Kirche, bei dem die Kinder aus Dörrenbach, Lautenbach, Fürth, Breitenbach, Hoof und Werschweiler nach Herzenslust malen konnten. Um ihre Phantasien in Schwung zu bringen, las Nora Jockel ihnen am Morgen den Bericht von der Erschaffung der Welt vor.

Jedes Kind konnte sich danach entscheiden, zu welchem der genannten sieben Tage es ein buntes Bild malen wollte. Nachdem die Kleinen ein paar Entwürfe gemacht hatten ging es an die Arbeit, unterstützt durch die Jugendmitarbeiterin der evangelischen Kirchengemeinde Dörrenbach, Ulrike Backes. Einige Kinder streiften sich einen Malerkittel über. Dann bewaffneten sich alle mit Pinseln, rückten die Paletten mit den Acrylfarben in die Nähe und wagten erste Striche auf den Leinwänden. Die Malerin Brigitte Weiand aus Riegelsberg ging von Tisch zu Tisch, gab den Kleinen Maltips und leitete sie an, wie der Pinsel richtig geführt wird.

Nils Ratunde war offenbar angetan von dem Schöpfungstag, an dem Gott viele verschiedene Lebewesen in die Gewässer schickte. Fische, ein Delphin, ein Tintenfisch und ein Krebs waren auf seinem Bild zu finden. "Das Grüne hier ist das Seegras", erklärte der Junge, der offensichtlich bemüht war, nichts zu vergessen.

Der neunjährige Marc Müller hatte sein Bild viergeteilt. Er begnügte sich nicht damit, mit der Sonne den Tag und mit schwarzer Farbe die Nacht darzustellen. Ein Bildviertel widmete er dem leuchtenden Nachmittag und eines dem geheimnisvollen Sonnenuntergang. Viola Mayer hatte sich die Weltkugel mit den fünf Erdteilen ausgesucht. Rechts davon war ein sonnengelber Tag zu sehen, links die Nacht mit Mond und Sternen.

Immer nur malen war für die Kinder natürlich zu anstrengend. Zwischendurch rannten sie auf den nahen Kinderspielplatz, um sich in frischer Luft auszutoben. Kurz vor Mittag belegten sie Pizzen mit leckeren Zutaten, die Nora Jockel im heimischen Ofen backen ließ. Im Laufe des Nachmittags wurden die 13 Kunstwerke fertig. Die Kinder wählten sieben Bilder aus, die nun längere Zeit in der Werschweiler Kirche zu sehen sein werden. Die restlichen sechs können in der Kirche in Fürth bewundert werden.

Nora Jockel, die Vorsitzende des Fördervereins, will die Bilder fotografieren und aus ihnen ein Büchlein herstellen lassen, das die Gläubigen in den Dörfern der Kirchengemeinde kaufen können.

Für Sonntag, 18. November, 17 Uhr, ist in der Werschweiler Kirche die Abschlussveranstaltung des Projektes "Kinder, Kunst und Kirche" geplant. Dann werden die Bilder vorgestellt und dazu wird ein musikalisches Rahmenprogramm geboten.