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Das ist das älteste Foto unserer Stadt

Das ist das älteste Foto unserer Stadt

Saarbrücken. Paul Burgard vom Landesarchiv ist die Freude über den außergewöhnlichen Fund deutlich anzumerken: "So etwas will man zuerst gar nicht glauben!" Dabei hatte an diesem Tag eigentlich alles nach Routinearbeit ausgesehen, erzählt der Wissenschaftler: "Wir erstellen gerade eine Bilddatenbank und scannen dafür unsere Bestände von über 800 000 Bildern

Saarbrücken. Paul Burgard vom Landesarchiv ist die Freude über den außergewöhnlichen Fund deutlich anzumerken: "So etwas will man zuerst gar nicht glauben!" Dabei hatte an diesem Tag eigentlich alles nach Routinearbeit ausgesehen, erzählt der Wissenschaftler: "Wir erstellen gerade eine Bilddatenbank und scannen dafür unsere Bestände von über 800 000 Bildern." Burgard nahm dafür eine Mappe mit größeren Formaten in Augenschein - und wollte seinen Augen nicht trauen. Da lag tatsächlich eine riesige Fotografie der Stadt Saarbrücken vor ihm - und die schien auch noch außergewöhnlich alt zu sein. In der Tat stellte sich heraus, dass das Bild 1874 aufgenommen worden war. Burgard: "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um die erste Gesamtaufnahme von Saarbrücken. Ich glaube kaum, dass noch ältere auftauchen werden - geschweige denn auch nur annähernd vergleichbare Qualität hätten." Und genau diese hohe Qualität macht das Bild so außergewöhnlich. Die Details sind auf dem gesamten Bild sehr scharf zu erkennen - mit der damaligen Technik war das nur schwer zu erreichen. Darüber hinaus spiegelt das Bild den Wandel, der nach dem Deutsch-Französischen-Krieg in der Stadt eingesetzt hatte. Burgard: "Die Komposition ist ungewöhnlich. Man sieht vor dem Hintergrund der Eisenbahn die sich entwickelnde Industriestadt." Zu entdecken sind die erste Saarbrücker Gasanstalt, die Bahn mit ihren Anlagen, viele mehrgeschossige Mietshäuser im Bau und Schornsteine in St. Johann, die die Lage von Betrieben markieren. Der Fotograf dieses ungewöhnlichen Bildes ist auch bekannt. Carl Heinrich Jacobi aus Neuendorf hat das Bild gemacht, und das hat auch schon seine Zeitgenossen fasziniert. Auf einer großen internationalen Fotoausstellung in Wien erhielt Jacobi dafür eine Silbermedaille. Weitere seiner Arbeiten wurden auf der Weltausstellung 1876 in Philadelphia/USA ausgezeichnet. Fotografieren war damals eine neue Technik - und eine ausgesprochen umständliche dazu. Paul Burgard: "Es gab keine Vergrößerungen. Die Bilder wurden auf Glasplatten aufgenommen, die ebenso groß waren, wie der gewünschte Abzug." Im Falle des Saarbrücken-Bildes war diese Platte ein wahres Monstrum: Sie maß 45 auf 50 Zentimeter. "Jacobi war wohl mit einem Wagen unterwegs. Seit den 1860er Jahren gab es dafür Spezialanfertigungen", berichtet der Archivar. Burgard weiter: "Das war ein sehr teures Verfahren." Und welche fotografischen Schätze schlummern noch im Saarbrücker Archiv? Paul Burgard lacht: "Da sind sicher noch einige Kuriositäten zu erwarten." Besonders interessant findet er in diesem Zusammenhang ein weiteres Bild des Star-Fotografen Jacobi. Der hat nämlich als erster überhaupt das jetzt zerstörte Winterberg-Denkmal aufgenommen - unmittelbar nachdem es 1874 fertig geworden war. Weitere Informationen zur Geschichte der ältesten Saarbrücken-Aufnahme gibt's in der Ausgabe 3/2009 der Zeitschrift Saargeschichten. Informationen unter Telefon (07 00) 66 64 60 00.