Das Heu vom Amt ist aufgebraucht

Das Heu vom Amt ist aufgebraucht

Lauterbach. Die gute Nachricht zuerst: Alle sechs Pferde, die mit kaum Futter und Pflege auf einer Koppel am Lauterbacher Waldrand standen, leben. Noch vor 14 Tagen hatte es für die 18-jährige Stute Kaiowa, die Mutter der anderen fünf Tiere, gar nicht gut ausgesehen. Ihre Rippen standen hervor, sie war so geschwächt, dass sie zeitweilig nicht mehr aufstehen konnte (wir haben berichtet)

Lauterbach. Die gute Nachricht zuerst: Alle sechs Pferde, die mit kaum Futter und Pflege auf einer Koppel am Lauterbacher Waldrand standen, leben. Noch vor 14 Tagen hatte es für die 18-jährige Stute Kaiowa, die Mutter der anderen fünf Tiere, gar nicht gut ausgesehen. Ihre Rippen standen hervor, sie war so geschwächt, dass sie zeitweilig nicht mehr aufstehen konnte (wir haben berichtet). Erst als Tierschützerin Andrea Werling, die eine Tierpension in Lauterbach betreibt und selber drei Pferde auf einer benachbarten Koppel besitzt, das zuständige Amt für Gesundheit und Verbraucherschutz alarmierte, kam Bewegung in die Geschichte. Seitdem, sagt Andrea Werling, schaue täglich die Amtstierärztin vorbei, sie hatte sogar 80 Ballen Heu für die Pferde gekauft und war dafür in Vorlage getreten. Die schlechte Nachricht: "Das Heu ist jetzt aufgebraucht", berichtet Werling. Sie füttere aus eigener Tasche besondere Futterkarotten, Kräutermüsli und trockenes Brot. "Den Pferden geht es besser, aber völlig gesund sind sie noch nicht", meint Werling. Zumal Kaiowa im April oder Mai wieder ein Fohlen erwarte.Drei Mal täglich schaut Werling nach eigener Auskunft vorbei. "Die Pferde kennen schon mein Auto und galoppieren an den Zaun", berichtet sie. Im Auftrag des zuständigen Amtes führe sie eine Tabelle, in der sie eintrage, was sie füttert und beobachtet. Eigentlich habe der Besitzer die Auflage erhalten, täglich zwei Mal zu seinen Tieren zu kommen, sagte Werling Ende voriger Woche; "ich sehe ihn aber nur einmal am Abend und leider am Wochenende meistens gar nicht."

Wie es jetzt ohne Heu weitergehen soll, weiß sie nicht: "Der Pferdehalter hat gesagt, er kümmert sich. Es gibt sogar das Angebot einer Spende von drei großen Rollen Heu, die ein Tierheilpraktiker bezahlen würde, das weiß er. Aber er nimmt es bisher nicht an." Unsere Versuche, den Halter selbst zu befragen, schlagen fehl; er ist telefonisch nicht zu erreichen.

Werling berichtet, es gebe mehrere Angebote, Pferde zu übernehmen. Doch so weit ist es noch nicht. Die Auskunft von Dr. Claudia Turner, Direktorin des Amtes für Gesundheit und Verbraucherschutz, lautete auf SZ-Nachfrage: "Die Versorgung der Pferde ist sichergestellt. Dies wird von uns auch weiterhin, und zwar solange wie nötig, kontrolliert."

Hintergrund

Einzelheiten zum Fall der Lauterbacher Pferde sind vom Landesamt für Gesundheit und Verbraucherschutz nicht zu erfahren. Amtsleiterin Dr. Claudia Turner betont jedoch, es gehe lediglich um eines der sechs Pferde, das "nicht verwahrlost, sondern abgemagert war".

Allgemein müsse man unterscheiden zwischen gewerblicher und privater Tierhaltung. Letztere kontrolliere die Veterinärbehörde nur, wenn es einen "Verdacht auf Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen" gebe: "Nach § 2 Absatz 1 Tierschutzgesetz müssen private Tierhalter die Tiere angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen."

Unkorrekte Tierhaltung werde je nach Einzelfall behandelt. Das reiche von der "Belehrung" des Halters bis hin "zur sofortigen Wegnahme des Tieres bei akuter Lebensgefahr". dd