Das große Gesteche

Das große Gesteche

St. Wendel. "Pfannenrennen" klingt ja harmlos - aber es ist "das Übelste vom Üblen" im Ritterturnier, sagt Josef Dreesen: Die Reiter jagen ohne Helm oder Beinschütz aufeinander zu; kein Wunder, dass Turnierbücher es einst als "besorglich" einstuften, erklärt Dreesen

St. Wendel. "Pfannenrennen" klingt ja harmlos - aber es ist "das Übelste vom Üblen" im Ritterturnier, sagt Josef Dreesen: Die Reiter jagen ohne Helm oder Beinschütz aufeinander zu; kein Wunder, dass Turnierbücher es einst als "besorglich" einstuften, erklärt Dreesen. Der Historiker ist Leiter der Ausstellung "Wenn Lanzen brechen - ritterliche Turniere damals und heute" im Stadtmuseum, die hinführt zum großen Turnier in St. Wendel: Ab 31. August messen sich dort Profi-Turnierreiter, die den alten Wettbewerb wieder aufleben lassen.Die Ausstellung soll das Hintergrundwissen vermitteln, mit der man, sagt Dreesen, das Turnier erst wirklich verstehen und umso mehr genießen könne. Dreh- und Angelpunkt ist Kaiser Maximilian I. (1459-1519). Der hat nicht nur vor 500 Jahren in St. Wendel das Grab des Heiligen Wendelin besucht (davon zeugt in der Ausstellung eine historische Darstellung als Wandbehang), sondern war auch Freund und Förderer des Turnierwesens. Das blühte im 16. Jahrhundert auf, nachdem die Ritter ihre militärische Bedeutung mehr und mehr verloren hatten. Ihre Kampfkunst wurde nun als Unterhaltungs-Profisport zu einem wichtigen Teil des höfischen Lebens. "Es ging nicht ums Verletzen", sagt Dreesen, "sondern um Wettkampf, um Geschicklichkeit" - gerne beobachtet von Hofdamen, die bisweilen die beste ritterliche Haltung bewerteten.

Zu sehen sind wertvolle historische Stücke aus der Zeit Maximilians: ein Turnierspielzeug, bei dem der Kaiser Reitermodelle aufeinander galoppieren ließ, und kunstvolle Dolche, den Exemplaren nachgebildet, mit denen früher die Sieger belohnt wurden (die Dolche in St. Wendel werden bald den Turniersiegern überreicht).

Gezeigt wird auch eine historische Rüstung mit Helm in "Froschmaul"-Form (die das Eindringen der Lanze in den Helm verhindern soll) und ein Schutz namens "Rossstirn" für die Pferde - ohne Augenschlitze: Die Pferde ritten ohne Sicht in Richtung Gegner. Ausgestellt ist auch das Faksimile des Buchs "Die Abenteuer des Ritters Theuerdank" von 1517, in dem Maximilian sich selbst zum wackeren Helden stilisierte. Denn er war, sagt Dreesen, der wohl erste Herrscher, der den Buchdruck dazu nutzte, sich selbst literarisch ins rechte Licht zu rücken - ein frühes Beispiel für einen guten PR-Apparat. Ein Glossar erklärt derweil alles, was man vor dem Turnier wissen sollte, etwa, was eine Tartsche ist (ein Handschild) oder eine Krönig (eine kronenförmige, weniger gefährliche Lanzenspitze).

Den zweiten Raum der kompakten Ausstellung haben Studenten der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) zu einer mittelalterliche Projektionslandschaft geformt: Zwölf Beamer strahlen Bilder und Animationen in den verdunkelten Raum; Kameras zeichnen Posen von Kindern auf und übertragen Sie auf eine Ritterfigur, die sich als Projektion entsprechend bewegt. Und an Seilen können Wagemutige an die Wand gestrahlte Burgtürme erklimmen - für abstürzende Jungritter oder Burgfräuleins liegt eine dicke Matte unter.

Bis 9. September. Eröffnung: Heute Abend, 19.30 Uhr.

turnier.sankt-wendel.de

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