1. Saarland

Das Familienhandwerk fortführen

Das Familienhandwerk fortführen

In loser Folge wirft die SZ einen gezielten Blick aufs Handwerk im Landkreis Neunkirchen. Wir stellen Menschen und Betriebe vor, über die es sich zu lesen lohnt. Heute Teil 1: Zwei der drei als Jahrgangsbeste ausgezeichneten neuen Handwerksmeister im Land kommen aus unserer Region. Caroline Schlör (Kraftfahrzeugtechnik) aus Illingen zählt dazu. Die SZ hat sie an ihrem Arbeitsplatz besucht.

Caroline Schlör (Jahrgang 1987) hat ihren Opa nicht mehr kennen gelernt. Karl Schlör (Jahrgang 1898) wäre aber ganz sicher heute sehr über stolz auf seine Enkeltochter. Sieht es doch so aus, als würde Caroline das von Opa um 1925 herum gegründete Autohaus Schlör in dritter Generation fortführen.

Die Anfänge liegen in der damaligen Gerberstraße, später in der Hauptstraße und jetzt schon Jahrzehnte in der Gennweilerstraße in Illingen. "Das ist das älteste Dokument, das ich über unser Unternehmen habe", sagt Rainer Schlör, der vom Vater übernahm, und legt ein Papier auf den Tisch: Ein Ausweis der Berufsgenossenschaft für das Saargebiet, datiert vom 1. Februar 1925.

Rainer Schlör und Ehefrau Eva habe zwei Kinder - Tochter Caroline (25) und Sohn Thorsten (24). Da sind doch Hoffnungen auf einen Nachfolger aus der Familie mit aufgegewachsen, oder? "Na ja, gehofft hab' das ich schon, aber doch nicht so richtig", erzählt Rainer Schlör in der Werkstatt des Autohauses dem SZ-Besuch. "Eigentlich hat sich keiner der beiden als Kind so richtig für das interessiert was ich mache, an Autos rumschrauben und solche Sachen. Die Caroline und der Thorsten hatten ja auch ihren Sport." Beide sind heute noch Speerwerfer. Caroline (Bestmarke an die 55 Meter) trainiert zudem eine Nachwuchs-Leichtathletikgruppe bei der LG Saar 70.

Die Tochter machte dann ihr Fachabitur und schloss erstmal eine Ausbildung zur Automobilkauffrau an. Perspektivisch einen Einstieg in den Familienbetrieb wollte Caroline Schlör nicht ausschließen.

"Um dann später in der Verantwortung nicht übers Ohr gehauen zu werden, wollte ich auch die technische Seite kennen lernen." Also folgte die Lehre zum Kfz-Mechatroniker. Jetzt hat die junge Frau mit den langen blonden Haaren ihren Meisterbrief für Kfz-Technik in der Tasche und wurde zugleich als eine der drei Jahrgangsbesten neuen Handwerksmeister im Land ausgezeichnet (unsere Zeitung berichtete).

Auch den Bruder zog's zur Technik. Thorsten, so erzählt die Schwester, steckt im Master-Studiengang Mechatronik an der Hochschule für Technik und Wissenschaft (HTW) und beschäftigt sich speziell mit Sensortechnik.

Es sei ganz sicher nicht ausgeschlossen, dass der Bruder eines Tages auch noch in den familieneigenen Betrieb einsteige. Aber jetzt interessierte ihn die technische Entwicklung mehr.