1. Saarland

Das "Buudsche" von der Oma bot ein Schlupfloch ins Badeparadies

Das "Buudsche" von der Oma bot ein Schlupfloch ins Badeparadies

Kindheitserinnerungen an ihre Tage im Kasbruchbad sendet Hildegard Meiser aus Neunkirchen. Sie schreibt: "In die Lakai odda in de Kasbruch?, das war in meiner Kindheit die Frage an heißen Sommertagen. Mit zunehmendem Alter, also etwa ab zehn Jahren, hatte sich diese Frage aber erledigt

Kindheitserinnerungen an ihre Tage im Kasbruchbad sendet Hildegard Meiser aus Neunkirchen. Sie schreibt: "In die Lakai odda in de Kasbruch?, das war in meiner Kindheit die Frage an heißen Sommertagen. Mit zunehmendem Alter, also etwa ab zehn Jahren, hatte sich diese Frage aber erledigt. Die Lakai war eher für die Kleinen, im Kasbruch mit seinem großen Schwimmerbecken und dem Sprungbrett war es viel spannender." Außerdem habe man am Einflussrohr die niedlichen, kleinen Frösche fangen und sie dann von der Hand wieder ins Wasser springen lassen können. Wenn man im Nichtschwimmerbecken stand, habe man zwar vor lauter Schlamm und Sand seine Füße nicht gesehen, was aber zweitrangig gewesen sei. Ein anderer Faktor habe bei der Wahl des Schwimmbades eine große Rolle gespielt: "Der Eintritt für die Lakai kostete zehn Franken, in den Kasbuch kam man schon für fünf Franken. War der Sommer heiß und lang, dann schlug dieser Preisunterschied in der Haushaltskasse schon zu Buche. An manchen Tagen aber konnten meine Geschwister und ich sogar zum Nulltarif das Bad betreten, beziehungsweise "beschlängeln". Es waren die Tage, an denen wir gemeinsam mit unseren Spielkameradinnen Gisela und Ingeborg zum Kasbruch pilgerten", so Hildegard Meiser weiter. Die Oma der Spielkameradinnen sei Königin der Süßigkeiten gewesen, sie habe "es Buudsche" betrieben. Der Zaun habe um das Buudsche herum zwar eine Kurve gemacht, so dass es außerhalb des Badegeländes stand, aber eigenartigerweise seien gerade an dieser Stelle zwei Zaunlatten locker gewesen, "durch die wir dünnen Hälmchen uns leicht durchschlängeln konnten". Die Habseligkeiten hätten in sicherer Obhut bei der Oma gelegen. Der Höhepunkt am Ende eines solchen Badetages sei der Moment des Abschiedes von dieser lieben Oma gewesen. "Denn dann beschenkte sie jeden von uns mit einer kleinen Süßigkeit, einer Zucker-Erdbeere, mit der man sich so schön die Lippen schminken konnte, einem Lutscher oder einem Kokosbällchen." Auf dem Heimweg, für den die Mädchen eine Stunde brauchten, ergänzten sie diese Wegzehrung mit den Himbeeren und Heidelbeeren, die man damals laut Hildegard Meiser noch in Mengen im Kasbruchtal fand. Wichtige Veränderungen gab es im Kasbruchbad im Jahr 1962. "Ungefähr zehn Tage lang wurde im Sommer das Schwimmerbecken neu betoniert", erzählt Thilo Schmidt vom Schmidt-Soffel-Malerbetrieb. Damaliger Geschäftsführer und Hauptverantwortlicher bei der Kasbruch-Renovierung: Niemand Geringeres als Schmidts Großvater Fritz Soffel, der den Betrieb später an Vater und Enkel weitergab. Die Bilder, die Schmidt der Redaktion vorbeibrachte, zeigen den letzten Teil der Arbeiten, das Auftragen eines Chlor-Kautschuk-Gemischs auf den neu gemachten Boden des Bades. Auffällig: Der Boden wurde nicht (wie heute üblich) gefliest, sondern ganz einfach farbig gestrichen. So sieht man auf allen Bildern auch deutlich, dass die Arbeiter noch ausreichend Platz für die später aufgemalten Schwimmbahn-Markierungen gelassen haben. red