Arbeitsrecht bei Starkregen-Katastrophe Darf man bei Überschwemmung daheim bleiben? Das müssen Arbeitnehmer wissen

Starkregen hat die Flüsse im Saarland überlaufen lassen. Viele Menschen haben überschwemmte Wohnungen oder kommen wegen gesperrten Straßen und stillgelegten Bahnstrecken nicht mehr zur Arbeit. Was passiert, wenn man nicht zur Arbeit erscheint? So sieht die Rechtslage aus.

 Die Autobahn A620 ist im Bereich Saarbrücken geflutet. Auch in solchen gravierenden Fällen tragen Arbeitnehmer das Wegerisiko.

Die Autobahn A620 ist im Bereich Saarbrücken geflutet. Auch in solchen gravierenden Fällen tragen Arbeitnehmer das Wegerisiko.

Foto: dpa/Laszlo Pinter

Muss ich bei Überschwemmung wirklich zur Arbeit, auch wenn der Weg versperrt ist? Kommt darauf an. Das deutsche Arbeitsrecht unterscheidet bei höherer Gewalt zwischen persönlicher Betroffenheit und reinen Auswirkungen auf den Arbeitsweg. Im Klartext bedeutet das: Wer selbst, zum Beispiel durch einen gefluteten Keller, vom Hochwasser betroffen ist, darf erst einmal seine eigenen Angelegenheiten klären. Der Arbeitgeber muss in der Zwischenzeit das Gehalt weiter auszahlen. Der Betroffene muss im Gegenzug sein Unternehmen per Telefon über seine missliche Lage informieren, sobald ihm das möglich ist.

Hochwasser-Katastrophe im Saarland – Bilder aus allen Landkreisen​
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Foto: Ruppenthal

Arbeitsweg bei Hochwasser? Wegerisiko trägt der Arbeitnehmer

Anders sieht die Sache aus, wenn nur der Arbeitsweg von der Überschwemmung getroffen wurde. Das Wegerisiko zur Arbeit trägt grundsätzlich nämlich der Arbeitnehmer. Deshalb gibt es keinen Anspruch um Lohnfortzahlung, wenn wegen Verkehrsstörungen und Zugausfällen die Arbeitsstelle nicht erreicht werden kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob es nur einen Stau gibt, Wege durch einen Hangrutsch blockiert sind oder die halbe Autobahn überflutet ist.

Einen Silberstreifen am Horizont gibt es allerdings. Kommt man wegen des Hochwassers zu spät oder kann die Arbeit nicht erreichen, droht keine Abmahnung, da hier kein Eigenverschulden vorliegt. Die Versuche, den Arbeitsplatz zu erreichen, müssen auch nur im vertretbaren Rahmen erfolgen. Kann ein Arbeitnehmer nur per Taxi zur Arbeit kommen, gilt: Die Kosten müssen nicht den Tagesarbeitslohn überschreiten. Sollte das der Fall sein, muss er seinen Arbeitgeber um eine Beteiligung an den Fahrtkosten fragen. Ansonsten ist eine solche Anreise nicht zumutbar. Auch die Anreise am Vorabend samt Übernachtung im Hotel kann nicht zugemutet werden. Eine Ausnahme besteht nur, wenn der Arbeitgeber dafür bezahlt.

Große Hochwasserschäden in Blieskastel und anderen Teilen des Saarpfalz-Kreises​
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Foto: Thorsten Wolf

Urlaubsanspruch und Überstunden

Weil Hochwasser eine Notsituation für alle betroffenen Menschen ist, rechtfertigt es oftmals Urlaubsansprüche. Die Regelung der eigenen Angelegenheiten, die mit der Überschwemmung zusammenhängen, geht den Interessen des Arbeitgebers vor.

Der Arbeitgeber kann bei Hochwasser seine Angestellten ausnahmsweise mit der Katastrophenabwehr, zum Beispiel der Verhinderung eines Wassereintritts, betrauen. Dabei darf weder die Gesundheit der Arbeiter gefährdet, noch jemand über seine Möglichkeiten hinaus gefordert werden. Im Einzelfall kann eine Gefahrenlage am Arbeitsplatz unentgeltliche Überstunden rechtfertigen. Sie sollen aber im Rahmen des Zumutbaren bleiben.

Kurzarbeit möglich

Naturkatastrophen gehören zum Risiko des Arbeitgebers. Er trägt die Kosten, die dem Betrieb durch Arbeitsausfälle entstehen. Allerdings steht es ihm in solchen Fällen gegebenenfalls offen, Kurzarbeit einzuführen, wenn rund 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind.

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