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Darf ich eigentlich Schimpfwörter in die Zeitung schreiben?

Darf ich eigentlich Schimpfwörter in die Zeitung schreiben?

Saarlouis. Laufen konnte ich eigentlich schon immer ganz gut, nur das mit dem Orientieren ist so eine Sache. Ich gehöre eigentlich zu der Sorte, die schon damit überfordert sind, in Saarlouis den Stadtgarten ohne Navigationsgerät zu finden

Saarlouis. Laufen konnte ich eigentlich schon immer ganz gut, nur das mit dem Orientieren ist so eine Sache. Ich gehöre eigentlich zu der Sorte, die schon damit überfordert sind, in Saarlouis den Stadtgarten ohne Navigationsgerät zu finden. Dort hat mich die Saarbrücker Zeitung hingeschickt, damit ich einmal an einem Orientierungslauf teilnehme - genauer gesagt am "Saarlouiser Stadtgarten Sprint". Während Orientierungsläufer normalerweise durch Waldgebiete laufen, haben die Veranstalter vom TV Beaumarais und vom TV Losheim für ihre Veranstaltung das Stadtgebiet rund um das Stadtgarten-Gymnasium ausgewählt.Ich treffe Robert Wirth. Er ist der Chef bei dieser Veranstaltung und Vorsitzender der OLG Saar, einem Dachverband für alle Orientierungsläufer des Saarlandes. Er begrüßt mich und erklärt mir die Regeln. "Sie müssen 20 Kontrollpfosten in einer festgelegten Reihenfolge ablaufen und mit einem elektronischen Chip auslösen. Die Karte mit der Lage der Pfosten kriegen sie erst am Start. Auf diesem Zettel ist eine Beschreibung der Pfosten", sagt er und reicht mir einen kleinen Zettel, auf dem viele Nummern stehen und kryptische Symbole abgebildet sind. Ich schaue fragend. "Außerdem dürfen sie nicht über Mauern, Privatgelände oder über Wasser laufen", erzählt er unbeirrt weiter. Ich wusste nicht, was Orientierungsläufer so alles können und schaue noch fragender. Brauche ich eigentlich einen Kompass? "Nein, sie dürften hier auch ohne auskommen. Aber sie können gerne einen haben", sagt Wirth und bietet mir einen an. Ich nehme ihn. Die Gelegenheit, mit Karte und Kompass durch Saarlouis zu laufen ohne wunderlich zu wirken, bekomme ich wohl nie wieder.

Am Kasemattenhof ist der Start. Jeder startet einzeln, damit auch jeder die Pfosten eigenständig finden muss. Ich kriege die Karte und renne los. Die ersten drei Pfosten finde ich ohne Probleme. Der vierte ist in einem Innenhof vermerkt. Zwei Minuten später steh ich in einem Innenhof, aber von dem orange-weißen Kontrollpfosten keine Spur. Wo ist das Ding? Beim Blick auf die Karte kommt die Erkenntnis: der falsche Innenhof. Darf ich eigentlich Schimpfwörter in die Zeitung schreiben? Ich muss wieder zurück, verliere fünf Minuten. So geht das die ganze Strecke. Einige Pfosten sind glasklar, die anderen schwieriger. Nach und nach sehe ich andere Orientierungsläufer. Die gehen das irgendwie anders an als ich. Niemand ist verwirrt, jedem ist sofort klar, wo der nächste Pfosten sein muss.

Im Ziel bin ich weit abgeschlagen. "Das ist Übungssache", sagt Elisabeth Henkes von der OLG St. Vith. Sie gewinnt in Saarlouis mit großem Abstand. "Du musst versuchen, dir die Strecke vorher schon einzuprägen, wenn du auf einem längeren Laufstück bist. Aber für deinen ersten Lauf war es nicht schlecht", sagt sie zu mir wie zu einem Kind, das zum ersten Mal Fahrrad ohne Stützräder fährt. Danke auch.

Hochbetrieb im Stadtgarten: Orientierungsläufer versuchen, verschiedene Stationen mit Hilfe von Karten zu finden. Foto: Kowalski

Trotz meines mäßigen Erfolges hat es Spaß gemacht. Es ist eine tolle Abwechslung für alle, die sonst nur an Volksläufen teilnehmen. Ich fahre zufrieden heim. Ohne Navigationsgerät. msc