1. Saarland

„Dankbar für jeden schönen Tag“

„Dankbar für jeden schönen Tag“

Glück in der Partnerschaft und Harmonie im Leben wünschen sich die Deutschen, neben guter Gesundheit, für das neue Jahr an erster Stelle. Susanne und Helmut Strauß aus Scheidt, seit 50 Jahren zusammen, kommen dem Idealzustand nahe. Was auch damit zu tun hat, dass sie stets daran arbeiten.

Eines der schönsten und wichtigsten Bilder im Hause Strauß auf dem Scheidterberg zeigt eine gerade angeblasene Pusteblume, deren haarige Schirmchen in alle Winde verfliegen. Es ist eines von Hunderten Gemälden und Zeichnungen aus dem Atelier von Hausherrin Susanne Strauß (69), geborene Vogel, einer gebürtigen Schweizerin. Für ihren Mann Helmut (77) stellt es die beste Lebenseinstellung dar: "Sorgen vertreiben, vergeben, humorvoll sein, Frieden schließen, ehe die Sonne untergeht, das Unabänderliche hinnehmen, leben und leben lassen." Tag für Tag, wenn er schlafen geht, schaue er sich das Bild an, versichert der frühere Möbelrestaurator. Die tolerante Haltung zum Lauf der Dinge kann und muss man nach seiner Überzeugung nämlich lernen, damit sie auch hübsch erhalten bleibt.

Im August werden die beiden im Sternzeichen Löwe Geborenen ihre Geburtstage und die Goldene Hochzeit mit einem großen Fest begehen. Sie werden zigfach gefragt werden, wie sie es geschafft haben, so lange so gut miteinander auszukommen. Susanne und Helmut Strauß werden erzählen, dass sie über die Arbeit und die Liebe zum Kunsthandwerk zusammenfanden und dass das Schaffen sie immer stärker zusammenband und vorwärts brachte. Auch Unternehmungen, und seien es spontane Halbtagesausflüge, sind dem Paar wichtig, denn sie erhalten die Neugier und bringen sie unter Leute. Sie gehören der Neuapostolischen Kirche und der Vereinigung der Schweizer im Saarland an. Sollte es mal Streit geben, was dem Vernehmen nach aber fast nie vorkommt, lautet die Vereinbarung, dass er klein beigibt, weil sie vielleicht etwas explosiver ist.

Mit einem bermudagrünen Opel in Rapperswil am Zürichsee urlaubend, hatte sich der junge Restaurator Strauß, der in der Werkstatt des Vaters in der Scheidter Kaiserstraße arbeitete, sofort in die Zufallsbekanntschaft Susi Vogel, Tochter eines Malers und Kunstmalers verliebt. Die Rapperswiler Frohnatur brauchte etwas länger, um Gefallen an dem Deutschen zu finden, folgte ihm dann aber glücklich als Ehefrau an die Saar. Da er versprach, regelmäßig die Schweiz zu besuchen, fiel der Abschied leichter. Wie abgemacht, sind die Bindungen bis heute lebendig geblieben, übrigens auch zu den beiden erwachsenen Kindern, die mittlerweile in der Fremde leben.

In der Restaurationswerkstätte konnte Susanne Strauß nicht nur ihre künstlerische Veranlagung ausleben. Sie lernte auch Vergolden, Bauernmalerei und Intarsienarbeiten und trug damit zum Erfolg des Familienbetriebes bei. Das "gemeinsame Wurschteln" gipfelte Ende der 1990 Jahre im Restaurieren des ältesten Hauses auf dem Scheidterberg, das Anthon Teuscher, übrigens ein Schweizer, 1722 gebaut hatte.

Für die Zukunft gibt es keine großen Pläne. Mit 60 war Susanne Strauß nach einer bedrohlichen Krankheit knapp dem Tod entgangen. Entsprechend demütig ist die Einstellung: "Gesund bleiben, zusammenbleiben und dankbar sein für jeden schönen Tag", heißt ihr Wunsch.