1. Saarland

Christen-Mädchen aus Syrien mit Familie im Saarland wieder vereint

Glückliches Ende einer Fluchtgeschichte : Assyrerin Georgina endlich vereint mit der Familie im Saarland

16-jähriges Christen-Mädchen muss fast zwei Jahre auf das Ausreise-Visum der deutschen Botschaft in Beirut warten. Hilfe von SPD und CDU im Landtag.

So sieht echtes Familienglück aus: Entspannt lächelnd hat jetzt eine kleine syrische Flüchtlingsfamilie der SZ-Redaktion einen Besuch abgestattet. Mit dabei: Georgina Tahhan, 16, die nach fast zwei Jahren Trennung von ihrer Familie jetzt endlich ein Visium der deutschen Botschaft in Beirut bekam, um aus der syrischen Hauptstadt Damaskus zu ihrer Familie im Saarland ausreisen zu können.

„Es ist unglaublich, dass es doch noch wahr geworden ist“, sagt Georginas Stiefvater Issa Soud in noch holperigem, aber gut verständlichem Deutsch. Issa Soud (52), seine Frau Sayde Youbi (41) und der gemeinsame Sohn Peter Soud (11) waren im April 2017 über Beirut ins Saarland gekommen. Sie gehören alle zu den assyrischen Christen, die im Syrien-Krieg vom Islamischen Staat und anderen Islamisten grausam verfolgt wurden. Doch die Tochter aus Sayde Youbis erster Ehe, Georgina, bekam zunächst kein Visum von der deutschen Botschaft in Beirut. Die führte das Gesetz des Assad-Regimes ins Feld, wonach bei Mädchen über neun Jahren nur der Vater über das Kind bestimmen dürfe. Doch dieser leibliche Vater, den seine Tochter nie sah, da sich die Eltern kurz nach ihrer Geburt getrennt hatten, hatte zudem eine Einverständniserklärung zur Ausreise von Georgina gegeben (die SZ berichtete). Auch diese Erklärung nützte jedoch bei der Botschaft nichts.

„Die Familie war sehr verzweifelt und wollte beinahe schon zurück nach Syrien“, sagt Charli Kanoun, Chef der Assyrischen Kultusgemeinde in Saarlouis. Während die Eltern und der kleine Peter per Whatsapp versuchten, den Kontakt mit Georgina zu halten, war diese im Gemeindehaus der latinischen Kirche von Damaskus untergebracht. „Es gibt dort im Alltag immer wieder Drohungen auf der Straße gegen Christen“, übersetzt Kanoun. Georgina berichtet weiter, dass einige der Mädchen, mit denen sie ein Zimmer teilte, ihre Familien im Krieg verloren hatten. „Ein Mitschüler hat mich sogar aufgefordert, doch Muslimin zu werden“, lässt Georgina übersetzen. In Saarbrücken-St. Arnual hatten die drei anderen Familienmitglieder ständig Sorgen wegen Nachrichten über Bombenangriffe in Damaskus.

Doch die prekären Verhältnisse in Damaskus, die Georgina fast zwei Jahre ängstigten, konnten nach Angaben Kanouns vor allem mit der Hilfe der Saar-Landtagsabgeordneten Petra Berg (SPD) und Marc Speicher (CDU) enden. „Sie haben sich beim Ausländeramt dafür verwendet, dass der Fall Georgina positiv gelöst werden konnte“, sagt Kanoun. Auch Anwalt Peter Nobert vom Saar-Flüchtlingsrat hatte sich für Georginas Ausreise eingesetzt.

Nun, da Issa, Sayde, Georgina und Peter wieder vereint sind, geht es an die Zukunftspläne. Issa Soud arbeitet bei einer Leiharbeitsfirma im Dachrinnenbau in Saarbrücken-Brebach, Sayde Youbi hat ihr B1-Deutsch-Diplom in der Tasche, arbeitet am B2-Diplom und will Buchhalterin werden, Georgina will einmal Kauffrau werden, wenn sie die Gemeinschaftsschule Bellevue absolviert hat, wo auch ihre Halbbruder Peter Schüler ist.