1. Saarland

CDU-Parteispitze tagt nach Riesen-WahlpleiteCDU verliert wohl auch zwei Ortsvorsteher-Posten

CDU-Parteispitze tagt nach Riesen-WahlpleiteCDU verliert wohl auch zwei Ortsvorsteher-Posten

Quierschied. Damit hatte in Quierschied wohl keiner gerechnet. Verluste hatte die Quierschieder CDU einkalkuliert. Als aber am Sonntag die ersten Ergebnisse über die Leinwand flimmerten, fuhr selbst alten CDU-lern der Schreck in die Glieder. 32,5 Prozent standen da nach der Auszählung von drei Stimmbezirken. Dieser negative Trend sollte sich im Laufe des Abends verfestigen

Quierschied. Damit hatte in Quierschied wohl keiner gerechnet. Verluste hatte die Quierschieder CDU einkalkuliert. Als aber am Sonntag die ersten Ergebnisse über die Leinwand flimmerten, fuhr selbst alten CDU-lern der Schreck in die Glieder. 32,5 Prozent standen da nach der Auszählung von drei Stimmbezirken. Dieser negative Trend sollte sich im Laufe des Abends verfestigen. Am Ende hatte die CDU satte 25,8 Prozent verloren, sackte von stolzen 62,7 Prozent 2004 auf nun 36,9 Prozent ab. Überflügelt von der SPD, die mit 39,3 Prozent das beste Ergebnis nach dem Krieg einfuhr, ist die CDU künftig nur noch zweitstärkste Kraft in der Gemeinde.

"Das war wie ein Keulenschlag für uns alle", sagte CDU-Spitzenkandidat Dieter Keßler gestern Morgen. Am Wahlabend war er noch ziemlich sprachlos gewesen. Eine Erklärung für diese niederschmetternde Niederlage hatte er aber gestern auch nicht parat. "Die Parteispitze trifft sich noch in dieser Woche. Dann werden wir das Ergebnis genau unter die Lupe nehmen", so Keßler. Dann ist auch CDU-Chef Klaus Meiser dabei.

Betont sachlich kommentierte er das Ergebnis seiner Partei in der einstigen CDU-Hochburg Quierschied. "Es ist eine bittere Niederlage für uns", gestand er ein, stellte aber klar: "Ich bin überzeugt, dass wir gute Kandidaten aufgestellt haben." Weiter sagte der Innenminister: "Es ist schwierig nachzuvollziehen, ob nun der Amtswechsel im Rathaus oder das umstrittene Thema Ortsmitte zu diesem schlechten Ergebnis für die CDU beigetragen haben."

Bereits am Wahlabend hatte der SPD-Spitzenmann Karl-Heinz Lander nach kurzer Sprachlosigkeit ob dieses auch für ihn überraschenden Ergebnisses erklärt: "Endlich ist in Quierschied die Zeit der absoluten CDU-Mehrheit vorbei."

"Wir sind nicht unglücklich über dieser Ergebnis", kommentierte schmunzelnd der Spitzenmann der Quierschieder Linken, Max Detemple, den Ausgang der Wahl. "Wir sind auch angetreten, um die Mehrheit der CDU zu brechen. Das haben wir erreicht." Quierschied. Die Quierschieder CDU verlor nicht nur ihre absolute Mehrheit im Gemeinderat, sondern auch noch zwei von drei Ortsvorsteher-Posten. Nur der Fischbacher Harald Quirin (Foto: SZ) kann sein Amt behalten. Mit sechs von elf Sitzen hat die Fischbacher CDU die absolute Mehrheit. Vier Sitze hat die SPD, einen Sitz die Linke. Quirin: "Ja, ich will Ortsvorsteher bleiben. Dazu bin ich auch angetreten." Seinen Ortsvorsteher-Posten räumen muss wohl Bernd Quint in Göttelborn.

Der Sozialdemokrat Peter Saar (Foto: SZ) wird sein Nachfolger. Allerdings braucht er die beiden Stimmen der Linken. Denn: Noch hat die CDU die meisten Sitze (fünf). Die SPD hat vier, die Linke zwei Mandate. "Wir werden Saar mitwählen, wollen aber mit Stefan Schmidt den stellvertretenden Ortsvorsteher stellen", erklärte gestern Max Detemple, der Chef der Linken in Quierschied. Einen neuen Ortsvorsteher bekommt auch Quierschied. Nachfolger von Dieter Keßler (CDU) wird Michael Bost (SPD). Um sicher zu gehen, braucht er noch eine Stimme. Die Sitzverteilung im Quierschieder Ortsrat: CDU fünf, SPD sechs, Linke und Freie Wähler je ein Sitz. Bost: "Die Stimme bekomme ich." ll

Meinung

Das Desaster der CDU

Von SZ-Redakteur

Michael Emmerich

Welch ein schwarzer Sonntag für die Quierschieder CDU: Minus 25,8 Prozentpunkte bei der Wahl zum Gemeinderat, nur noch zweitstärkste Kraft hinter der SPD - dieses niederschmetternde Ergebnis übertrifft selbst die schlimmsten Befürchtungen in den eigenen Reihen. Dabei waren die Christdemokraten in der einstigen schwarzen Hochburg in jüngster Vergangenheit durchaus Kummer gewohnt. Mit der sensationellen Niederlage von Amtsinhaber Otwin Zimmer gegen SPD-Frau Karin Lawall bei der Bürgermeisterwahl im Juni 2007 hat die CDU-Götterdämmerung in der Gemeinde begonnen. Als großer Verlierer muss sich Klaus Meiser fühlen. Der ehemalige Quierschieder Bürgermeister, heute Innenminister und CDU-Ortsverbandsvorsitzender, konnte den Niedergang nicht stoppen. Und Bernd Quint, sein Nachfolger als Fraktionschef im Gemeinderat, beschleunigte ihn noch. Das Desaster vom vergangenen Sonntag ist auch mit seinem Namen eng verbunden.