1. Saarland

„Busendrower Ròhmdépper, Butterfrésser, Strépplingen“

„Busendrower Ròhmdépper, Butterfrésser, Strépplingen“

En min Hus - maison / Do kémmt en Dieb - larron / Do holl ich min Stock - bâton - Un schass den Dieb - larron / Us minem Hus - maison - Wor dat nét gutt - bon?" Das ist einer der Kindersprüche aus dem neuen "Muselfränkischen Kalenner", der jedes Jahr vom Verein "Gau un Griis" im lothringischen Bouzonville (Busendroff) herausgegeben wird.Der Verein sieht seine Aufgabe in der Erhaltung der moselfränkischen Mundart , die in der Region von "Gau" (schwerer lehmiger Kalkboden) und "Griis" (leichter Sandboden) von alters her gesprochen wurde.

In dem zitierten Sprüchlein wird darauf hingewiesen, dass es in der Region zwei Sprachen gibt: Mundart und Französisch. Aber auf den DIN-A4 großen Kalenderblättern kommt ausschließlich die Mundart zu Wort - im Anhang wird sie ins Französische und Deutsche übersetzt.

Jeder Monat ist einem bestimmten Ort gewidmet, illustriert von einem Foto aus längst vergangener Zeit. Das Titelfoto (1890/1900) dürfte zu den ältesten gehören: In einer eleganten Kutsche sitzt der Herr Direktor (mit Zylinder) und lässt sich mit Gattin und Familie "abmòòlen", während im Hintergrund schaulustiges Publikum sich freut, mit aufs Bild zu kommen.

Wenn auf den übrigen Fotos Menschen zu sehen sind, dann möglichst in großen Gruppen, wie auf dem Blatt vom Oktober (Weinmond). Da haben sich 1906 vor der "Wirthschaft Georg Berweiler" in Busendroff an die zwanzig große und kleine Bürger aufgestellt. Unter dem Foto stehen die "Spétznamen" der Busendorfer: "Busendrower Ròhmdépper, Butterfrésser, Strépplingen" (Rahmtöpfe, Butterfresser, Stibitzer). Sie lassen darauf schließen, dass es den Busendorfern an nichts mangelte, sie aber auch gern einmal Mein und Dein verwechselten.

Nun war es ja allgemein üblich, dass jeder Ort mit einem meist nicht schmeichelhaften Necknamen bedacht wurde. Umso verwunderlicher ist es, dass "Neuvorweiler" eine Ausnahme macht. Von diesem Ort verzeichnet der Kalender nur die mundartliche Bezeichnung "Bedofingen" (von Bourg Dauphin). Ihm ist der Dezember (Chréschtmond) gewidmet und passend dazu das "Kénnerreim- chen: Advent, Advent! / En Lichtchen brennt, / Ierscht än't, dann zwei, / Dann drei, dann vier, / Dann steht dat Chreschtkénnt / Vor der Dier." Der "Muselfränkische Kalenner" ist erhältlich im Buchhandel oder bei der Association Gau un Griis, 2A, Cour de l'Abbaye, F-57320 Bouzonville. Er kostet fünf Euro plus Versand.

Dieser Tage las ich, dass traditionsbewusste Bürger sich für unseren guten alten Nikolaus einsetzen, der durch den Coca-Cola-Weihnachtsmann zunehmend verdrängt wird. Dazu fiel mir wieder das Gedicht des lothringischen Dichters Jean-Louis Kieffer ein, das ich im Lauf der Jahre zwar schon mehrmals zitiert habe, das aber noch immer brandaktuell ist: "Papa Noël / Hochwasser hat er in den Stiwweln / En versoffenen Kopp / En Amerikanischen plastiken Bléck / Der Weihnachtsmann, ,Papa Noël‘ genannt. / Coca Colamännchen, hau ab! / Hascht neischt bei us ze suchen / Geh zréck in dein Kaugummiland / De verdeibelscht us de Gedanken / Du Chréschtkéndchen-fresser!" (wörtlich: Weihnachtsmann / Hochwasser hat er in den Stiefeln / Einen besoffenen Kopf / Einen amerikanischen Plastik-Blick / Der Weihnachtsmann, ,Papa Noel‘ genannt. / Coca Colamännchen, hau ab! / Hast nichts bei uns zu suchen / Geh zurück in dein Kaugummiland / Du verteufelst uns die Gedanken / Du Christkindchenfresser!)

Hinweis: Fragen und/oder Tipps können Sie per E-Mail an heimat@sz-sb.de schicken.