Bulgaren sind kein Beinbruch

Bulgaren sind kein Beinbruch

Für ängstliche Saarbrücker war das eine harte Woche. In Saarbrücken sei das Risiko, sich die Knochen zu brechen, besonders hoch, hat das Magazin für Männergesundheit „Men's Health“ mitgeteilt.

Zu diesem Ergebnis kamen die Kollegen, nachdem sie sich Daten der Krankenkasse AOK angeschaut haben. Die AOK kann zwar nicht erklären, warum, aber aus den Abrechnungen der Ärzte gehe hervor, dass es nur in neun anderen deutschen Städten mehr Knochenbruchpatienten gibt als in Saarbrücken.

Und wem da noch nicht die Angst in die Knochen gefahren ist, für den hatte die Politik noch etwas Grusel im Angebot: Weil die Grenzen der Europäischen Union jetzt noch offener sind, werden Horden von Rumänen und Bulgaren kommen und unsere Sozialkassen plündern, wurde uns vor allem aus Bayern zugerufen.

Diese Panikmache kann ich mir so wenig erklären wie die AOK die Sache mit den Knochenbrüchen. Es wäre ein Wunder, wenn es nicht auch böse Bulgaren und Rumänen geben würde, so wie es böse Deutsche, Franzosen, Amerikaner, ja sogar Bayern gibt. Aber die Bulgaren, die ich kenne, sind schon längst da. Die betreiben zum Beispiel die Traditionskneipe in Alt-Saarbrücken, wo es meiner Meinung nach die besten Spaghetti der Welt gibt, und das wundervolle kleine Café am Rande des St. Johanner Markts, in dem sich die Besitzerin noch die Mühe macht, den Kuchen selbst zu backen. Ohne diese Menschen wäre Saarbrücken ärmer.

Unsere Oberbürgermeisterin hat wohl dasselbe gemeint, als sie diese Woche sagte: "Wir brauchen die Talente aller Menschen in unserer Gesellschaft. Die Talente zu fördern, ist Aufgabe des Staates - nicht ganze Bevölkerungsgruppen pauschal zu verurteilen und zu stigmatisieren." Anders formuliert: Das mit den Rumänen und Bulgaren ist kein Beinbruch.

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