Sorge um die Gesundheit: Bürger beklagen sich in Gemeinderatssitzung 

Sorge um die Gesundheit : Bürger beklagen sich in Gemeinderatssitzung 

In Kleinblittersdorf ging es um Lärm und um Abgas. Beides kommt nach Aussage der Bürger aus einer Industrieanlage in Frankreich.

Bürger aus Kleinblittersdorf und Auersmacher beschweren sich seit einigen Jahren über Lärm aus einem Aluminiumwerk im französischen Großblittersdorf. Vor allem Bürger aus der Rebenstraße und vom Unteren Rebenberg in Kleinblittersdorf.

„Der Lärm ist teilweise unerträglich. Das ist wie bei einer Konzertmuschel. Wir liegen genau gegenüber vom Werk und kriegen den Schall voll ab“, sagte Erich Jöckel vom Unteren Rebenberg am vergangenen Donnerstag in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates von Kleinblittersdorf.

Die CDU-Fraktion hatte den Punkt auf die Tagesordnung setzen lassen. Bürgermeister Stephan Strichertz hatte die Geschäftsführung des Werkes zur Erklärung eingeladen. Marc Friedrich ist Geschäftsführer der Gesellschaft Fonderie Lorraine, die das Werk betreibt. Fonderie Lorraine gehört zu 51 Prozent der Voit Automotive GmbH und zu 49 Prozent der ZF Friedrichshafen AG, das teilte der Geschäftsführer mit.

Friedrich informierte den Rat und die etwa 15 anwesenden Bürger über viele Messungen, die das Unternehmen wegen der Lärmbelästigung unternommen habe. Auch habe man den Schornstein für 22 000 Euro verbessert. In vielen Fällen konnte das Unternehmen die Lärmbelästigung der Bevölkerung nach Untersuchungen nicht nachvollziehen.

„Es hört sich zu unregelmäßigen Zeiten so an, als wenn Metall aus großer Höhe auf den Boden fällt“, sagte Anwohnerin Martina Bohley im Rat. „Das kommt vom Ausleeren der Container, das kriegen wir aber in den Griff“, antwortete Marc Friedrich.

Das zweite Thema, über das die Bürger klagten, war Abgas. „Wir haben schon oft beobachtet, dass aus dem Schornstein blauer, gelber oder roter Qualm kommt. Wir fragen uns, wie das beim Aluminiumschmelzen passieren kann. Wir haben Angst, dass die Dämpfe hochgiftig sind“, sagte Bürger Frank Schmitz.

Ulrich Thalhofer aus der Rebenstraße  verteilte an die Ratsmitglieder Mappen mit Fotos vom Rauch aus dem Schornstein. Thalhofer berichtete: „Bei einer Familienfeier im Garten bekamen plötzlich alle von der einen auf die andere Sekunde Kopfschmerzen. Dann fiel uns auf, dass eine richtige Rauchschwade über dem Tal hing. Wir sind einfach alle beunruhigt und wissen nicht was das ist.“

Nach Angaben der Bürger kommt der farbige Rauch nicht nur aus dem Schornstein, sondern auch aus Dachfenstern des Werkes.

Erich Jöckel erzählte von grauem Schlamm, der sich im Filter in seiner Wasserzisterne abgesetzt habe und den er gerne mal auf Schadstoffe prüfen lassen möchte.

Für den Fonderie-Lorraine-Geschäftsführer waren die Vorwürfe über den farbigen Rauch neu — und dazu gab es dementsprechend keine Erklärung, sondern die Zusicherung einer Überprüfung.

„Wir erfüllen in dem Werk in Großblittersdorf nicht nur die französischen Auflagen zu 100 Prozent, sondern auch die Auflagen der Europäischen Union. Wir werden alles in unserer Macht stehende versuchen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen“, versicherte Friedrich, der in puncto Lärm für den kommenden Monat eine Messung der Firma Dekra ankündigte.

Bürgermeister Stephan Strichertz würde gerne mit allen Beteiligten eine eigene Versammlung zu dem Thema veranstalten. „Die Vorwürfe mit dem farbigen Rauch sind für mich auch neu, und das hätte ich auch gerne aufgeklärt“, sagte Strichertz.