1. Saarland

Bühnenzauber mit Bildungsanspruch

Bühnenzauber mit Bildungsanspruch

Das Warten auf den Schnee. Und dann kommt er.

Bühnenzauber mit Bildungsanspruch
 Bei der Dino-Show verteidigt die Titanosaurus-Mama ihr Gelege gegen einen hungrigen Aucasaurier.
Bei der Dino-Show verteidigt die Titanosaurus-Mama ihr Gelege gegen einen hungrigen Aucasaurier.
 Die US-Boys Jaime Clark (5, links) und Michael Vandeway (5) machten von ihrem Pfälzer Wohnort aus einen Ausflug ins Prähistorium im Garten Reden.
Die US-Boys Jaime Clark (5, links) und Michael Vandeway (5) machten von ihrem Pfälzer Wohnort aus einen Ausflug ins Prähistorium im Garten Reden.

Zumindest seine Vorboten. "Die Snow-Leute sind vor fünf Minuten eingetroffen", hört Matthias Michael Kuhl mitten im Rundgang mit unserer Zeitung durch die Noch-Baustelle Gondwana II im Redener Prähistorium. Spezialisten aus England, die eine Jagdszene mit Neandertalern in eiskalter Vorzeit mit künstlicher weißer Pracht berieseln werden. Der Unterbau ist fertig, das Mammut steht schon da, seine Füße noch in Folie eingepackt. Das Equipment der Snow-Leute - Material und Maschinen - lagert bereits auf Paletten.

Gondwana II erzählt im Erweiterungsbau auf 4500 Quadratmetern in zwölf Szenen die Geschichte der Evolution als Zeitreise rückwärts vom 21. Jahrhundert bis zum Ende der Dinosaurier. Bisher hatte Gondwana in der 2008 eröffneten ersten Ausstellungshalle die Entwicklung vom Urknall bis zu den Sauriern dargestellt. Den Fortsetzungsweg krönt eine Dino-Show, in der sich computergesteuerte Riesen-Echsen lebensecht auf einer 1200 Quadratmeter große Bühne bewegen werden (die SZ berichtete). Ein Probenunfall, als ein Aucasaurier gegen die Wand rannte und einen "Gehirnschaden" davontrug - brachte Kuhls Eröffnungspläne in Verzug. Er will jetzt am 18. Mai eröffnen.

Die Show ist das eine, der Bildungsgewinn das andere, das eigentliche Thema von Gondwana-Betreiber Kuhl. Wie und warum alles so wurde auf unserer Erde, wie es heute ist. Zwölf markante Bilder auf dem Zeitenstrahl setzt Kuhl dafür ins Szene, bis zum Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS. Und das neunte ist für Kuhl besonders wichtig. Es zeigt den homo ergaster. Eine Frühmenschenart mit Lebensraum Ostafrika, vor rund 1,5 Millionen Jahren. Kuhl: "Der homo ergaster hat als Erster Steine als Werkzeuge benutzt - eine kulturelle Evolution nach biologischer Evolution." Es könne sein, dass dieser "Handwerker" auch schon Feuer nutzte. Er selbst neige dazu, dies zu glauben, so Kuhl. Aber das sei wissenschaftlich umstritten: "Und ich zeige nur, was feststeht." Großes Theater mit aufwändiger, detailgenauer Kulisse - Requisiten, Geräusche, Licht. Das verspricht Gondwana II und lässt dies jetzt schon beim Noch-Baustellen-Besuch erahnen. Global ist Kuhl unterwegs, um die Technik und die Spezialisten irgendwo auf der Welt zu finden für die Umsetzung seiner Idee. Und setzt dafür noch einmal gut zehn Millionen Euro ein.

Noch schlummert die Mehrheit der Figuren, die die Bühnen bevölkern werden, im Lager. Fertig sind sie alle. Wie viele genau in den zwölf Szenen ihren Auftritt haben werden, weiß Kuhl auf Anhieb nicht so genau. Aber dass das Mittelalterbild die meisten haben wird. Da - wir befinden ums Jahr 1380 in einer deutschen Stadt - werden bei loderndem Feuer ein Ritter, ein Hellebardier, Soldaten oder auch ein Markthändler mitspielen.

Auf den ersten Blick täuschend echt wirkt bereits gleich hinterm Eingang eine Figur im Redender Kunststoff-Fels. In Arbeitskleidung, Werkzeug in der Hand. Eine Urzeitforscherin, die Fossilien freilegt. "Hier im Übergangsbereich von Halle 1 zu Halle 2 ist Gelegenheit, die Arbeit der Paläontologen darzustellen", sagt Kuhl. "Woher wissen wir eigentlich, was wir zeigen?" Da ist er wieder, Kuhls Bildungsanspruch bei allem Bühnenzauber.

gondwana-praehistorium.de