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Buchbinden mit viel Liebe zum Detail

Buchbinden mit viel Liebe zum Detail

Saarbrücken. Die Erfindung der Buchdruckerkunst wird als eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit gefeiert. Doch was hätten wir von Gutenbergs Idee, hätte nicht irgendwer auch das Buchbinden entwickelt? Klar, einen großen Haufen fliegender Blätter

Saarbrücken. Die Erfindung der Buchdruckerkunst wird als eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit gefeiert. Doch was hätten wir von Gutenbergs Idee, hätte nicht irgendwer auch das Buchbinden entwickelt? Klar, einen großen Haufen fliegender Blätter.

"Wir verbinden einen klassischen Beruf mit moderner Technik", sagt Rolf Kittler, Geschäftsführer der Saarbrücker Firma Fines Mundi. Dabei ist das kleine Unternehmen keine Buchbinderei im eigentlichen Sinn. "Wir verstehen uns als Verlag, Antiquariat und Buchbinderei", erklärt Kittler die Unternehmensphilosophie der Firma: "Wir verlegen rund 2500 Titel. Meist historische Reiseberichte, Kolonialliteratur oder Nachschlagewerke." Dabei richtet sich das Angebot vor allem an Wissenschaftler und Sammler. "Viele dieser Bücher gibt es nicht mehr im Original, oder sie sind dann unbezahlbar", erklärt Kittler. Fines Mundi druckt sie in Kleinstserie auf modernsten Laserdruckern nach und fertigt in der Buchmanufaktur bezahlbare Kleinode.

"Anfang dieses Jahres haben wir uns entschlossen, einen Buchbinder speziell für unser Unternehmen auszubilden. Die ausgebildeten Kandidaten vom freien Arbeitsmarkt haben unseren Ansprüchen nicht genügt", berichtet Rolf Kittler. Darum wird ab 1. Juli Peter Wirschaum bei Fines Mundi eine Ausbildung zum "Buchdrucker Kleinserie" absolvieren. Der 25-jährige St.Wendeler hat bereits eine Ausbildung als Bürokommunikationskaufmann abgeschlossen. "Doch den ganzen Tag im Büro sitzen war dann doch nichts für mich", sagt Wirschaum. Als Buchbinder muss er viel stehen, aber auch Arbeit an Maschinen oder dem Computer gehören zum täglichen Aufgabengebiet. Man braucht schon handwerkliches Geschick, um aus Karton, Leder, Kleber und Papier ein Buch zu binden - Liebe zum Detail und gutes Augenmaß sind gefragt. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Auf die Berufsschule in Luxemburg geht Wirschaum zweimal in der Woche. Hier arbeiten die Industrie- und Handelskammern des Großherzogtums sowie der Bundesländer Rheinland Pfalz und Saarland zusammen. Wirschaum wird einige Praktika in größeren Unternehmen absolvieren, um neben der Kleinserien-Handarbeit bei Fines Mundi auch maschinelle Massenproduktion kennenzulernen. Die Bezahlung für Buchbinder beträgt im ersten Lehrjahr 470 Euro und steigt auf 590 Euro im letzten Ausbildungsabschnitt. Wirschaums Chancen auf eine Übernahme stehen gut, denn er hat den Geist des Unternehmens schon verinnerlicht: "Paperback kann jeder. Wir machen das Besondere."