1. Saarland

Brandstiftung im Landratsamt?

Brandstiftung im Landratsamt?

Gut 70 Einsatzkräfte waren am Samstagabend im Einsatz, um das Feuer im Landratsamt zu löschen. Die Polizei geht zurzeit von Brandstiftung aus. Sie schätzt den Schaden auf 50.000 bis 100.000 Euro.

Merzig. Über Stunden schuften Elektriker Lothar Wein mit seinen Mitarbeitern und Hausmeister Stefan Mohm am Sonntag, um Strom und Technik im Landratsamt wieder zum Laufen zu bringen. Der Brand, am Samstagabend gegen 22.30 Uhr ausgebrochen, hatte wichtige Kabel verschmoren lassen. Folge: Stromausfall. Auch eine Wasserleitung zerbarst wegen der enormen Hitzeentwicklung. An drei Stellen waren in dem Gebäude in der Bahnhofstraße 44 Feuer ausgebrochen - offenbar ein Werk von Unbekannten.Sie sollen im Keller gezündelt haben - unter anderem im Archivraum. Davon geht die Polizei zurzeit aus. "Wir haben noch keine Tatverdächtigen und kein Motiv", ist am Sonntag von der Kriminalpolizei Saarbrücken zu erfahren. "Ermittler haben die Arbeit aufgenommen." Die Schadenshöhe beziffert die Polizei zwischen 50 000 und 100 000 Euro.

Mit rund 70 Einsatzkräften versuchten die Feuerwehr aus Merzig, Brotdorf, Bietzen und Schwemlingen, dem Brand Herr zu werden. "Als ich den Qualm sah, habe ich weitere Feuerwehrleute nachalarmiert", berichtet Einsatzleiter Joachim Maxheim. "Manche der Leute waren wegen der Partie von Deutschland und Portugal schwarz-rot-gold geschminkt", sagt Merzigs Löschbezirksführer. "Das Spiel fand wegen des Einsatzes aber ein abruptes Ende."

Mit schwerem Atemschutz musssten sich gut 20 Feuerwehrleute im Dunkeln ihren Weg durch den Keller zu den Brandherden bahnen, da der Strom ausgefallen war. Derweil setzten ihre Kameraden alles daran, das Gebäude von dem ätzenden Qualm zu befreien - teilweise mit Spezialentlüftern. "Und das auf allen Etagen", wie Maxheim sagt.

"Die Crews der Rettungsleitstellen in Saarbrücken und Bexbach hatten schon personell aufgestockt, um die Arbeit der Merziger zu übernehmen", berichtet Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich. Es war nach ihren Worten eine Zeitlang nicht klar, ob sie wegen des Brandes ihren Arbeitsplatz verlassen müssten. Grund: Stromausfall. Mit einem leistungsstarken Stromaggregat half das TWH aus. Ebenfalls im Einsatz: die Malteser. "Der Hilfsdienst hat die Feuerwehrleute mit Getränken versorgt - vor allem wichtig für die Träger von Atemschutzgeräten", sagt Maxheim.

"Zum Glück wurde niemand verletzt.", sagt Schlegel-Friedrich, die am späten Samstagabend zum Landratsamt geeilt war. Für sie steht fest: "Der Einsatz ist sehr professionell abgewickelt worden - kein Wunder, bei so vielen Fachleuten. Ob die Feuerwehr der Löschbezirke, das THW, die Malteser oder die Feuerwehrleute, die im Landratsamt beschäftigt sind, wie Edi Tritz, Siegbert Bauer, sie alle waren sofort zur Stelle und haben großartige Arbeit geleistet." Am Sonntagmorgen nahm EDV-Leiter Richard Foss Handwerker Lothar Wein und seine Mitarbeiter in Empfang - zur Sonntagsschicht. Am Abend meldet Pressesprecher Werner Klein Vollzug. "Alle Leitungen sind repariert. Der Strom fließt wieder." Ein geregelter Betrieb sei jetzt wieder möglich.

"Der Einsatz ist sehr professionell abgewickelt worden - kein Wunder, bei so vielen Fachleuten."

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich