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Bouillon: „Auf dem Weg zur Musik-Stadt“

Bouillon: „Auf dem Weg zur Musik-Stadt“

Seit fünf Jahren fördert die Stadt St. Wendel die Jugend-Musik-Kultur. Und das mit aufeinander aufbauenden Projekten. Bürgermeister Klaus Bouillon zieht eine positive Bilanz und verspricht: „Wir machen weiter.“

"Wir sind auf dem Weg zur Musik-Stadt." Bürgermeister Klaus Bouillon hat nicht nur sein Herz für den Sport, sondern auch für die Kultur entdeckt. Und er ist stolz darauf. Seit gut fünf Jahren fördert die Stadt die Jugend-Musik-Kultur in der Region, und das mit aufeinander aufbauenden Projekten. WND Band Battle, WND Bandworx, Make Music und Rock@Club sind die Bausteine für dieses Musik-Konzept.

"Wir haben vor fünf Jahren angefangen, eine völlig neue Szene zu schaffen", sagt Bouillon. Diese sei alles andere als ein Schnellschuss, eine Einmalfliege. Bouillon spricht von Nachhaltigkeit. Denn die Wettbewerbe zeigen erste Früchte. Die Zeit und das Fachwissen, das die Fun Music School in die Ausbildung der Musiker investiere, zahle sich später aus, wenn die Bands für die Stadt St. Wendel auftreten.

Beispiel WND Band Battle: Bisher haben sich 160 Bands beworben, 25 Gruppen standen von 2008 bis 2012 im Finale des ins Stadtfest integrierten Wettbewerbs. In diesen fünf Jahren wurden an die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten Preise im Wert von rund 15 000 Euro vergeben. Die Stadt gab 2500 Euro, den Rest steuerten Sponsoren bei. Beim Stadtfest in diesem Jahr wird es eine Besonderheit geben. Aus den bisherigen Gewinnern hat eine Jury drei Bands ausgewählt: Fürbaß, Max Barth & The Backdraft und Spirit Wanted. Aus diesen Bands wird am Samstag, 15. Juni, ab 20 Uhr in der Mott der Staffelsieger (aus den Jahren 2008 bis 2012) gekürt. Im kommenden Jahr wird eine neue Staffel beginnen.

Auch das Nachwuchs-Förderprogramm WND Bandworx "hat die Jugend-Musikszene der Stadt St. Wendel nachhaltig belebt". Seit dem Start 2009 haben sich 64 Bands für das Programm beworben. 20 kamen in den Genuss der jeweils sechsmonatigen "Rundumförderung", wie es Bouillon ausdrückt. Diese Förderung lässt sich die Stadt jährlich 10 000 Euro kosten. Auch hier geben die Bands bereits etwas zurück. Denn Ralph Schäfer-Lösch, der Leiter der Fun Music School, nimmt die ausgebildeten Bands in die Pflicht: "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Bands, die bereits Erfahrungen gesammelt haben, und Bands, die noch keine Erfahrung haben." Will heißen: Erfahrene Bands sollen den jungen Musikern mit Rat und Tat zur Seite stehen - und das tun sie auch. Und sie werden selbst aktiv: Einige Bandworx-Teilnehmer organisieren für den 2. Oktober ein gemeinsames Konzert im Saalbau.

Musik als Sozialarbeit

Ein weiterer Aspekt der Nachwuchsförderung liegt in der Sozialarbeit. In zwei Jahren "Make Music" sei viel bewegt worden, sagt Willi Gregorius von der Stiftung Hospital, die ihren Anteil an dem Projekt hat. Sozial schwach gestellte Jungs und Mädels im Haus der Jugend werden für das Musizieren sensibilisiert und in Einzel- und Gruppenunterricht von Mitarbeitern der Fun Music School ausgebildet. "Sie nehmen die Sache sehr ernst", sagt Gregorius. Er hält das Geld - 3000 Euro lässt sich die Stadt das Projekt jährlich kosten - für eine richtige Investition, die sich später in der Jugendarbeit auszahle.

Ihr neu erworbenes Können vertiefen die jungen Musiker in den von der Stadt zur Verfügung gestellten Proberäumen und stellen es dann im Rock@Club unter Beweis. Dort können sie unter professionellen Bedingungen und vor einem kleinen Publikum auftreten. Bisher seien 60 Bands vor rund 1000 Zuschauern aufgetreten. Gregorius freut sich, dass das Publikum zu zwei Dritteln aus Jugendlichen, aber auch zu einem Drittel aus Erwachsenen bestehe. Das mache die Sache zu einem "echten Sozialprojekt".

Ein Ende des Musik-Engagements sieht Bouillon nicht: "So lange ich die Verantwortung habe, wird es alle Projekte weiter geben." Und auch einen Mangel an Nachwuchsmusikern befürchtet er nicht. Bouillon: "Wir haben mehr Bands im Kreis als Fußballmannschaften."